Fitnesscenter und Spielcasinos haben gegenüber Golfanlagen einen Vorteil: Sie werfen in den allermeisten Fällen eine höhere Rendite ab als 18-Loch-Kurse mitsamt Infrastruktur. Zu diesem Urteil kommt die Studie «Marktreif? Herausforderungen für den Golfsport in Deutschland» der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte in Düsseldorf. Die Studie basiert auf der stattlichen Zahl von knapp 1000 potenziellen Investoren, die Deloitte nach ihrer Einstellung zu Investments in die Freizeitbranche allgemein und in Golf im Besonderen fragte. Auch wenn sich die Untersuchung auf Deutschland fokussiert und besondere nationale Gegebenheiten Einfluss ausüben, können für die Schweiz – allerdings mit gewissen Anpassungen – grundsätzlich ähnliche Schlüsse gezogen werden. Obwohl gerade in unserem Land die Migros als potente Investorin im Freizeitbereich mit Golfanlagen das Gegenteil beweist und offenbar damit Geld verdient.

Knackpunkt 1: Rund 60% der Investoren gehen von einer stagnierenden Marktentwicklung bei Golfanlagen aus, 4% rechnen gar mit einem Rückgang. Dass somit aber immerhin 36% Golf auf Wachstumspfad sehen, klingt zwar gut, wird aber rasch relativiert.

Knackpunkt 2: Denn den 36% Zustimmung für Golfanlagen stehen stolze 80% Zustimmung für Fitness- und Wellnesseinrichtungen gegenüber.

Knackpunkt 3: Nur gerade 16% der Studienteilnehmer sehen im Golf einen interessanten Markt mit Wachstumschancen, in den sie investieren würden.

Das sind die Killer-Kriterien

Die Beratungsgesellschaft hat zudem ermittelt, was aus der Sicht der Investoren typische Killer- Kriterien für ein Engagement im Golfanlagenbau sind. 46% geben dabei die (zu) niedrige Rendite als Hauptgrund an, dicht gefolgt vom niedrigen Wachstumspotenzial mit 44%, den fehlenden Ausstiegsmöglichkeiten – sprich späteren Verkaufschancen – mit 37%. Auf das Risiko eines entsprechenden Investments fallen 27%.

Wunsch und Wirklichkeit klaffen auch noch in anderen Bereichen auseinander. Etwa dort, wo Betreiber von Golfanlagen ihre eigenen Zukunftschancen beurteilen. Denn auch sie wurden von Deloitte befragt. 86% der in der Befragung antwortenden Anlagenbetreiber prophezeien dem Gesamtmarkt fallende Preise für das Golfspiel. Knapp zwei Drittel halten sogar das Auftauchen von Günstigstanbietern für denkbar, also von Betreibern, die ihr Produkt zum tiefstmöglichen Preis andienen.

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Anderseits glauben die meisten Anbieter, dass ihre eigene Preispolitik nur in eine Richtung gehen kann, ja gehen muss – nach oben. So soll die durchschnittliche Jahresspielgebühr von derzeit rund 1090 Euro binnen fünf Jahren auf 1283 Euro anwachsen – so das Wunschdenken in Deutschland.