Mit Hilfe von Mikrofinanz soll den Ärmsten unter den Armen Zugang zu Kleinstkrediten und damit zur Schaffung einer Existenzgrundlage gesichert werden. Dieses Geschäftsfeld hat sich in den letzten Jahren stark professionalisiert und rasantes Wachstum hinter sich. Immer mehr nachhaltig orientierte Anleger interessieren sich für die «soziale Rendite». Mittlerweile sind es gar so viele, dass Responsability, ein weltweit führender Mikrofinanzfonds, für zwei seiner drei Fonds keine Neugelder mehr annimmt.

Der Grund dafür ist jedoch nicht etwa, dass die Bedürfnisse der Kunden gesättigt sind und Mikrokredite nicht mehr gebraucht werden. Im Gegenteil: Erst rund 20 bis 30% der potenziellen Mikrofinanzkunden werden heute erreicht. Was jedoch eine rasche Erschliessung dieses Potenzials erschwert, sind Faktoren wie fehlende Infrastruktur, ländliche, wenig erschlossene Gebiete und eine unzureichende Regulierung und Überwachung.

Nachfrage zieht schon wieder an

Die derzeit tiefere Nachfrage nach Mikrokrediten ist krisenbedingt. «Die Krise ist in den Entwicklungsländern verspätet angekommen», sagt Klaus Tischhauser, CEO von Responsability (siehe «Nachgefragt»). Demgegenüber ist jedoch auf Investorenseite die Nachfrage ungebrochen gross. «Diese gegenläufigen Trends sind aufeinandergetroffen», so Tischhauser. Zum Schutz der Investoren nehme man jetzt «für die nächsten paar Monate» keine Neugelder mehr an. Wegen der momentan sehr tiefen Geldmarktzinsen wirkt sich der hohe Liquiditätsanteil nämlich negativ auf die Rendite des Fonds aus. Betroffen sind ein öffentlich zugelassener Fonds und einer für qualifizierte Anleger.

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Offenbar ist jedoch bereits Erholung in Sicht: Laut Tischhauser zieht die Nachfrage nach Mikrokrediten bereits wieder an, vor allem in Ländern, die von den Industrienationen relativ stark entkoppelt sind. «2010 wird ein bessereres Jahr als 2009», erwartet der Responsability-CEO. So sollen dieses Jahr auch trotz temporärer Fondsschliessungen die verwalteten Vermögen in Mikrofinanz auf 910 Mio Dollar (von aktuell 870 Mio Dollar) ausgebaut werden. Auch die Anzahl erreichter Mikrounternehmer soll um 50 000 gesteigert werden. Aktuell erreicht Responsability rund 550 000 Mikrounternehmer. Die Frage stellt sich jedoch, ob diese Ziele auch erreichbar sind, wenn sich die Euro-Krise noch zuspitzt.

Könnte eine erneute Vertrauenskrise die zarten Erholungsanzeichen wieder zunichte machen? «Hier besteht in der Tat eine gewisse Unsicherheit», sagt Tischhauser. Er befürchtet allerdings nicht, dass zu wenig Geld da sein wird für den Mikrofinanzsektor, die Nachfrage von Investorenseite sei unvermindert gross.

Wegen des Anlegerinteresses plant Responsability, weitere Produkte zu lancieren. Allerdings gestalte sich der Vertrieb etwas schwierig, so Tischhauser: «Über Produkte, die nicht öffentlich zugelassen sind, dürfen wir öffentlich nicht kommunizieren.» Dabei könnten Privatinvestoren als Erste für Social-Investment-Produkte gewonnen werden, glaubt er. Er hofft deshalb, dass sich das Misstrauen der Regulatoren neuen Themen wie Mikrofinanz gegenüber bald legen wird. «In Luxemburg ist man da schon einen Schritt weiter», so Tischhauser.

 

 

NACHGEFRAGT klaus tischhauser, Geschäftsführer von Responsability, Zürich


«Wir planen, neue Fonds aufzulegen»

Per Ende Mai schliessen Sie zwei ihrer drei Mikrofinanzfonds. Was empfehlen Sie den abgewiesenen Investoren?

Klaus Tischhauser: Wir gehen davon aus, dass die Fonds in ein paar Monaten wieder investierbar sind. Der Grund dafür, dass wir derzeit keine Neugelder mehr annehmen, ist die jüngst rückläufige Nachfrage nach Mikrokrediten. Deswegen ist die Liquidität in unseren Fonds auf rund 30% angestiegen, das hat sich auch negativ auf die Rendite ausgewirkt. Unser Ziel ist es, die Cash-Bestände auf 5 bis 10% runterzubringen. Dafür brauchen wir jetzt etwas Zeit.

Wieso sind Mikrokredite weniger gefragt?

Tischhauser: Das hängt damit zusammen, dass die Wirtschaftskrise die Entwicklungsländer mit einer Verzögerung erreicht hat. Wenn Firmen weniger Aufträge zu vergeben haben, dann haben auch Kleinstunternehmen wie Lebensmittelhändler oder Schneider weniger Arbeit und fragen daher weniger Kredite nach.

Wann rechnen Sie wieder mit steigender Nachfrage nach Mikrokrediten?

Tischhauser: Wir sehen bereits heute eine deutliche Erholung. Vor allem Regionen, die relativ stark entkoppelt sind von den Industrienationen, wie Afrika, viele Teile Asiens und Südamerika, haben weniger gelitten. Stark getroffen wurden hingegen Zentralamerika, Russland und einige Länder Osteuropas.

Planen Sie neue Fonds aufzulegen? Etwa im neuen Geschäftsfeld «fair trade»?

Tischhauser: Ja. Wir wollen demnächst ein neues Produkt lancieren, das verschiedene Themen wie Energie, Ausbildung und Gesundheit abdeckt, anfangs jedoch nur für qualifizierte Investoren. Wir betreiben bereits heute verschiedene Produkte, die allerdings nicht für den öffentlichen Vertrieb zugelassen sind. Darüber dürfen wir öffentlich leider nicht kommunizieren.