Die Revolution durch 5G und das Internet of Things ist beim Konsumenten noch wenig angekommen. Die Dienstleister der Telekomfirmen dagegen – wie Orange Business Services (OBS) – stecken schon mittendrin. OBS hat international mehr als 22'000 Mitarbeiter, hierzulande zwei Standorte in Genf und Zürich. Zu den 50 multinationalen Kunden in der Schweiz zählen Swiss Re, Givaudan und Nespresso. Im Gespräch erläutert Konzernchef Thierry Bonhomme, warum das Aufsplitten von Datenpaketen Leben retten kann. Und was die Herausforderung beim Gratis-WLAN für die Nespresso-Shops darstellte. 
 
Mitarbeiter von Konzernen nutzen technische Neuerungen privat oft schneller, als die Firmen sie einführen können. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?
In den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren waren die Konsumenten schneller. Wir haben auch viel davon gelernt, wie Nutzer persönlich mit ihren digitalen Devices umgehen. Jetzt sind wir aber an einem Punkt, an dem sich die Entwicklung umkehrt. Die Innovationen kommen zuerst in der Industrie zum Einsatz.

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Zum Beispiel?
Etwa eine Technologie wie SDN – Software Defined Network. Sie erlaubt es, den Datenverkehr innerhalb eines Netzwerks aufzusplitten und damit auch zu priorisieren. Sie können zum Beispiel in einem Connected Car Musik per Spotify streamen. Aber die Signale, die den Abstand zum Auto vor Ihnen messen, werden bevorzugt behandelt.

Aber die Nutzer wollen ja, dass zum Beispiel auch Spotify ohne Unterbruch gestreamt wird.
Das ist wünschenswert. Dass aber die Kalkulation des Abstand zum Auto vor Ihnen konstant stimmt, ist lebenswichtig. Darum muss sich das Signal im Zweifel durchsetzen. Diese neue Möglichkeit der Priorisierung eröffnet ganz neue Businessmodelle, die erst entstehen werden.

Worauf schauen Sie besonders?
Die nächste Revolution wird mit ähnlicher Wucht passieren wie bisher bei den Konsumenten, aber im B2B-Geschäft. Das Internet of Things wird uns erlauben, Objekte mit Intelligenz auszustatten. IoT, 5G und künstliche Intelligenz treiben die Revolution voran. Die Kombination der drei Technologien ist das Entscheidende.

Wie kombinieren Sie derzeit IoT, 5G und AI?
Mein Hauptfokus ist zu verstehen, wie die Kombination dieser Techniken dem Kunden nutzen kann. Da wir als Orange Business Services uns im B2B-Bereich bewegen, kann das Ziel eines Projekts ein Mitarbeiter, eine Maschine oder ein Prozess sein. Das ist die grösste Herausforderung. Wie können wir uns so aufstellen, dass wir als Unternehmen verstehen, was für den Kunden wichtig ist? Je nach Zielsetzung steht am Ende, dass die Mitarbeiter zufrieden sind, dass Kunden glücklich und loyal sind, dasss die Profitabilität steigt, das Prozesse verbessert werden oder dass neue Geschäftsmodelle gefunden werden.

Was sind Ihre Projektschwerpunkte bei Schweizer Firmen?
Eigentlich die gesamte Bandbreite unserer Dienste. Nespresso wollte zum Beispiel gerne Gratis-WLAN in seinen Nespresso-Shops anbieten. Das muss einerseits sicher sein, andererseits Nutzern wenig Barrieren beim Zugang bieten. Das haben wir umgesetzt. Ein anderes Projekt war etwa das Anliegen des Internationalen Roten Kreuzes, dessen Mitarbeiter weltweit mit ihren Devices unterwegs ist. Für sie war die Herausforderung, zuverlässigen Kontakt auch in unzugänglichen Regionen zu sichern.

OBS ist eine technisch ausgerichtete Firma. Wie hoch ist der Frauenanteil bei Ihren Mitarbeitern?
Bei den Führungskräften 33 Prozent, bei der Gesamtbelegschaft 28 Prozent. Wir haben uns selbst als Unternehmen eine Frauenquote von 30 Prozent gegeben.

Funktioniert sie?
Als Stéphane Richard vor sieben Jahren als Chef von Orange übernommen hat, machte er die Förderung von Diversität zur Priorität. Das gilt auch für OBS als Tochterfirma. Bei uns wird zum Beispiel die Konsumentensparte von einer Frau geführt und der Bereich International Operations. Es sind also nicht nur vergleichsweise klassische Positionen in weiblicher Hand wie die Personalabteilung. Wir sind auch darum gerade zum dritten Mal in Folge in Frankreich als «Top Employer» ausgezeichnet worden. Aber ja, Diversität bleibt eine Herausforderung. Es ist bereits hart, ausreichend Kandidatinnen zu finden, weil die Zahl der Uni-Absolventinnen in technischen Bereichen noch immer zu niedrig ist.