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iPad Pro: Apples Krux mit den Firmenkunden

iPad Pro: Apple macht mit dem XXL-Tablet Jagd auf Firmenkunden. Keystone

Die Umsätze beim iPad lahmen. Das soll sich jetzt ändern. Mit dem neuen iPad Pro will Apple Firmenkunden gewinnen und die Kassen wieder klingeln lassen. Doch es gibt ein grosses Manko.

Veröffentlicht am 02.10.2015

Traditionell führt der Verkaufsstart neuer Apple-Produkte zu langen Schlangen begeisterter Fans vor den Filialen des US-Konzerns. Bei den iPads, die seit 2010 im Handel sind, sieht das seit kurzem anders aus: Der Absatz ist rückläufig. Nun wirbt der erfolgsverwöhnte Konzern mit einem neuen Tablet-Computer um Geschäftskunden, die für Schwung bei den Verkaufszahlen sorgen sollen.

Im November kommt das grössere und leistungsstärkere Gerät iPad Pro in Deutschland in den Handel. Bisher machen Geschäftskunden bei Apple nach Schätzung von Analyst Daniel Ives von der Investmentbank FBR Capital Markets lediglich zehn Prozent der jährlichen Umsätze von 183 Milliarden Dollar aus.

80 Prozent schneller als tragbare Computer

Mit General Electric verfügt Apple zumindest über einen weltweit bekannten Grosskonzern als Kunden. Der Siemens-Konkurrent stellt einigen seiner rund 305'000 Mitarbeiter die Nutzung von Apple-Geräten zur Wahl. Trotzdem sind in dem Haus nur etwa 20'000 iPads und 60'000 iPhones im Einsatz. Was Apple daran verdient, ist unklar.

Der Konzern hält sich bezüglich seiner Anstrengungen in der Geschäftswelt bedeckt. Apples Marketing-Vizechef Phil Schiller betonte bei der Geräte-Präsentation am 9. September, das iPad Pro sei um rund 80 Prozent schneller als tragbare Computer und bezeichnete das Tablet «als ideal für das Berufsleben».

Preis als Knackpunkt

Grundsätzlich könnte das iPad Pro wie ein normaler Arbeitslaptop eingesetzt werden. Analysten zufolge sind jedoch viele firmenspezifische Anwendungen und Datensätze noch nicht mit dem Apple-Betriebssystem iOS kompatibel, was den Alltag im Büro erschwert und vor einem Wechsel zögern lässt. Ein Geschäft nur mit Apple-Geräten und -Software zu betreiben, sei eigentlich nicht möglich, sagt der Analyst J.P. Gownder vom Marktbeobachter Forrester.

Wie andere Geräte aus dem von Steve Jobs gegründeten Konzern ist das iPad im Schnitt teurer als vergleichbare Konkurrenzprodukte. Wie viel Apple in Deutschland verlangt, ist noch unbekannt. In den USA geht es bei 799 Dollar los, zusammen mit einer Tastatur und einem Stift sind mehr als 1000 Dollar fällig und damit mehr als für ein Tablet von Microsoft oder Lenovo. «Das iPad Pro steht in puncto Nützlichkeit und Technologie gut da, aber der Preis ist für die Konkurrenz eben keine Herausforderung», sagt Analyst Keith Bachman von der Investmentbank BMO Capital Markets.

Umworbene Firmenkunden

Um dieses Manko auszugleichen, arbeitet Apple stärker mit Konzernen wie IBM und Cisco zusammen. Ziel ist es, gezielt für Geschäftskunden Programme anzubieten, die auch mit dem Apple-Betriebssystem iOS laufen. Es wenig darüber bekannt, was diese Partnerschaften bisher gebracht haben.

Apple-Investor Michael Yoshikami vom Vermögensverwalter Destination Wealth Management betont: «Das iPad Pro ist wichtig für Apple, weil der Bedarf der Privatkonsumenten langsam gedeckt ist.» Zuletzt war der iPad-Absatz in den vergangenen beiden Quartalen trotz eines weiter wachsenden Marktes rückläufig. Die Forrester-Marktforscher rechnen damit, dass bis 2018 rund ein Fünftel der weltweiten Tablets von Konzernen gekauft werden und nicht mehr nur 14 Prozent wie noch dieses Jahr. Der Absatz soll von 218 Millionen auf dann 250 Millionen Geräte zulegen.

Rekordverkäufe bei neuen iPhones

Der Verkaufsstart des neuen iPhone 6s und iPhone 6s Plus verlief derweil nach Apple-Angaben erfolgreich. Das Unternehmen übertraf den Rekord des vergangenen Jahres von zehn Millionen verkauften Geräten. Der Konzern konnte in den ersten drei Tagen 13 Millionen Stück losschlagen. Allerdings fehlte 2014 noch der für Apple zunehmend wichtige Markt China. Dort hatte sich damals die Markteinführung wegen Regulierungsfragen verzögert.

(reuters/dbe)

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