Nicht nur Swisscom-Chef Carsten Schloter machte seinem Ärger über die Nichtverfügbarkeit der neuen iPhones von Apple öffentlich Luft. Auch der Deutschland-Chef der Deutschen Telekom sprach über Lieferverzögerungen von rund neun Wochen. Die Telekom habe deshalb beschlossen, dass zunächst alle Kunden die bisherige 3er-Generation der iPhones weiter benutzen sollten.

Anders in der Schweiz. Die Verfügbarkeit des neuen iPhone hat sich hierzulande in den letzten Wochen stark gebessert: Das iPhone ist fast überall wieder lieferbar. Zwar werden derzeit noch die bestehenden Wartelisten abgearbeitet, doch spätestens nach wenigen Tagen erhält das Gros der Kunden nun ihr Apple-Handy. Vor Kurzem betrug die Wartezeit noch mehrere Wochen.

Jens Gerhardt, Leiter des Privatkundengeschäfts bei Sunrise, bestätigt: «Generell kann man sagen, dass die Lieferprobleme für das iPhone4 sich in den letzten vier Wochen von Tag zu Tag verringert haben. Fast täglich erhalten wir nun neue iPhone-4-Lieferungen. In der Regel bekommen unsere Kunden heute das iPhone 4 mit geringer Wartezeit.»

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Auch Martin Lehmann, Chef der Handykette Mobilezone, die Produkte aller Mobilfunkanbieter verkauft, sagt: «Die Situation rund ums iPhone 4 hat sich in den letzten Tagen merklich entspannt. Jede Woche erhalten wir mehrere Tausend neuer Geräte. Die Lieferungen erfolgen nun regelmässig.»

Deutlich mehr Geräte im Markt

Zwar könnte Mobilezone noch immer etwa einen Drittel mehr iPhones unter die Leute bringen, «aber wenn die Kunden das Gerät nicht gleich mitnehmen können, so erhalten sie es jetzt innerhalb weniger Tage». Gemäss Lehmann sind seit Kurzem «deutlich mehr Geräte im Markt». Auch bei Orange sagt Sprecherin Therese Wenger: «Die Liefersituation hat sich so weit normalisiert. Es treffen nach wie vor wöchentliche Lieferungen ein. Wir verkaufen das iPhone 4 sowohl über unseren Online-Shop als auch in den Orange-Center.»

Gemäss Informationen der «Handelszeitung» wurden in der Schweiz bereits rund 50 000 iPhones der vierten Generation verkauft. Allein bei Sunrise gingen in den ersten zwei Wochen seit der Lancierung Ende Juli 12 000 iPhones über den Ladentisch. Gemäss Gerhardt setzen iPhone-Kunden bei Sunrise in der Regel aus Kostengründen auf Abos mit einer Flatrate. Das schütze vor bösen Überraschungen am Monatsende.

Bei der Swisscom, die im Mobilfunk einen Marktanteil von rund 60% aufweist, müssen sich die Kunden allerdings weiterhin noch etwas gedulden. «Die Wartezeit für ein iPhone 4 beträgt aktuell rund sechs Wochen», sagt Swisscom-Sprecher Carsten Roetz. «Wir erhalten laufend neue Geräte, arbeiten jedoch zuerst die Reservationsliste ab.»

Kaum Android-Handys lieferbar

Während nach der Lancierung alle über die Lieferengpässe des iPhone sprachen, ging unter, dass die Situation bei den Android-Handys wie dem Samsung Galaxy sowie dem HTC Desire prekärer ist - diese sind kaum lieferbar. Mobilezone-Chef Lehmann sagt: «Android-Handys sind im Moment deutlich schlechter verfügbar als das neue iPhone.» Samsung und HTC würden sich hier «viel Goodwill bei den Kunden verspielen».

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Anders als auf das iPhone würden Kunden kaum auf die neuen Android-Handys warten - sondern sich dann halt ein anderes Gerät anschaffen. Momentan sei das nicht selten dann ausgerechnet das iPhone. Auch Swisscom-Sprecher Roetz erklärt: «Beim HTC Desire gibt es derzeit aufgrund der grossen Nachfrage Lieferengpässe.» Andere Geräte seien jedoch verfügbar.

Erstaunlich: Im Windschatten von iPhone und Android-Handys halten sich die Klassiker unter den Mobiltelefonen nach wie vor sehr gut im Markt. Bei Mobilezone sind Nokia-Handys noch immer die mit Abstand meist verkauften, gefolgt von Samsung (siehe Grafik). Ähnliche Zahlen vermelden auch die Mobilfunkbetreiber.

Orange-Sprecherin Wenger erklärt: «Nokia und Sony Ericsson gehören im Hinblick auf die Gesamtverkäufe in unseren eigenen Verkaufsstellen nach wie vor zu den führenden Mobiltelefonmarken.

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Während auf die einzelnen Gerätemodelle zwar tiefere Verkaufsstückzahlen entfallen als beispielsweise bei Apple auf das iPhone 4, ist es aber so, dass diese beiden Marken aufgrund ihrer diversifizierten Modellpaletten ein breiteres Publikum ansprechen.»

Einfache Modelle gefragt

Zudem sind nur rund die Hälfte aller Kunden Smartphone-Kunden - die also ihre E-Mails auf dem Handy verwalten und im Internet surfen wollen. Der anderen Hälfte reicht es, wenn sie mit ihrem Handy telefonieren und SMS verschicken kann. Dieser Kundentyp ist mit seinem bisherigen Anbieter - oft ist das eben Nokia oder Sony Ericsson - zufrieden und will wegen der Bedienung, die er schon kennt, wieder ein Gerät der gleichen Marke kaufen.

Neue Geräte im Herbst

Der Marktanteil der früheren Platzhirsche Nokia und Sony Ericsson dürfte auch weiterhin hoch bleiben. Wenger: «Aufgrund der angekündigten Geräte, die Nokia und Sony Ericsson für die kommenden Monate in Aussicht stellen, gehen wir davon aus, dass sich diese Marken weiterhin erfolgreich in den Spitzenpositionen behaupten können.»

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Stark gelitten haben in den letzten Jahren dagegen die Blackberry-Verkäufe. Sie sind regelrecht eingebrochen, denn trotz unbestrittener Vorzüge der Business-Gadgets setzen gerade Firmen mittlerweile immer mehr auf das iPhone.