Mit Cosmo Pharmaceuticals und Addex Pharmaceuticals präsentieren zwei Börsenneulinge diese Tage ihren ersten Halbjahresabschluss als kotierte Gesellschaften. Die jungen Pharma- und Biotechunternehmen befinden sich in der Entwicklungsphase ihrer Produkte. «Die Finanzzahlen sind bei der Beurteilung solcher Firmen nicht sehr relevant», erklärt Vontobel-Analyst Andrew Weiss. Sofern sich nämlich die Burnrate (Geldverbrauch pro Zeiteinheit) innerhalb der erwarteten Bandbreite befindet, können den Resultaten aufgrund der fehlenden Umsätze wenig Neues entnommen werden. «Entscheidend sind vielmehr die Ergebnisse der klinischen Studien, deren Publikation nicht an die Halbjahreszahlen gebunden ist», so Weiss.


Erfolgreiche Börsengänge

Anders sieht die Situation bei den etablierten Gesellschaften aus, die dieses Jahr den Schritt an die SWX gewagt haben. Die Präsentation der Semesterergebnisse von VZ Holding (29. August), bfw Liegenschaften (Ende August), Goldbach Media (noch nicht festgelegt, im September erwartet) sowie Newave Energy (Anfang September) werden, je nach Qualität der Resultate, einen direkten Einfluss auf die Aktienperformance der Unternehmen haben. Eine Abdeckung durch Analysten erfahren von den Börsendebütanten bisher erst Addex (im Vontobel-Rating auf «Kaufen» gestuft, Kursziel 77 Fr.) sowie die VZ Holding. Vom Finanzdienstleister wird ein jährliches Reingewinnwachstum von über 20% erwartet, weshalb Vontobel-Analystin Claudia Meier den Wert mit einem Kursziel von 120 Fr. auf Outperform gesetzt hat.

Mit einem Plus von 62,5% seit der Erstnotiz ist der VZ Holding der beste Börsengang geglückt. Ebenfalls deutlich zulegen konnte Cosmo, deren Kurs innerhalb der letzten Monate um über 50% gestiegen ist. Allerdings hatte die Gesellschaft, deren IPO Anfang März 2007 zu einem ungünstigen Zeitpunkt erfolgte, den Ausgabepreis mit 20 Fr. am unteren Ende der zuvor gesenkten Bookbuilding-Spanne festgesetzt. Einen leichten Kursrückgang mussten Addex und die von der Berner Börse BX an die SWX gewechselte bfw Liegenschaften hinnehmen.

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Weniger Firmen, mehr Substanz

«Das Klima für weitere Börsengänge im 2. Semester 2007 ist
weiterhin sehr positiv, wenngleich die Aussichten durch zusätzliche Wolken etwas getrübt werden», beurteilt Philipp Hofstetter, Partner und Leiter Merger & Acquisitions bei PricewaterhouseCoopers (PWC) Schweiz, die aktuellen Rahmenbedingungen. Als trübende Grössen verweist er auf die steigenden Zinsen sowie auf exogene Faktoren wie politische Unruhen, welche die Stimmung an den Börsen im nächsten Halbjahr belasten könnten. Alles in allem sieht Hofstetter allerdings keine Anzeichen, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen innerhalb der nächsten Monate so verschlechtern könnten, dass sich das IPO-Fenster schliesst. «Die Unternehmen müssen ihren Börsengang sauber vorbereiten und danach den Prozess bis zum Ende durchziehen», empfiehlt der Marktexperte. Im laufenden Jahr erwartet er noch drei bis vier IPOs, womit dieselbe Anzahl wie im Vorjahr erzielt würde (9). Im Vergleich zu den USA, wo der IPO-Boom das Niveau des Jahres 2000 erreicht hat, liegt der Schweizer Börsenplatz damit deutlich zurück. «Hier kommen weniger Firmen an die Börse, dafür verfügen sie über eine gute Substanz», so Hofstetter.

Für das 2. Halbjahr bereits angekündigt sind die Börsengänge des Bauunternehmens Karl Steiner Holding sowie der Beteiligungsgesellschaft HBM Bioventures. Die Rapid Holding (Hersteller von Landmaschinen) hat schliesslich im Herbst eine Kotierung an der Berner Börse vorgesehen, da diese auf KMU fokussiert und national ausgerichtet sei. An den Plänen dieser Unternehmen hat sich bisher laut Firmenaussagen nichts geändert.


Pilatus-VR diskutiert IPO

Den Weg von Bern nach Zürich will im 1. Semester 2008 die Looser Holding gehen. «Zu diesem Zeitpunkt verfügt die im 2004 gegründete Holding über eine Historie von drei Jahren», erklärt Christoph Fierz, Finanzchef der Gruppe mit Sitz in Arbon. Aus diesem Grund will die auf Beschichtungen und Industrial Services spezialisierte Gesellschaft den Schritt trotz der günstigen Rahmenbedingungen nicht vorziehen. Dasselbe gilt auch für die Waadtländer VTX-Telecom. Das Unternehmen, welches vormals als Smart Telecom firmierte, steht im Gespräch mit den Banken und will im September den Entscheid für eine Börsenkotierung fällen. «Wir wollen nichts überstürzen und einen erfolgreichen Track Record ausweisen», sagt Francis Cobbi, Mitbegründer des Westschweizer Telekomdienstleisters.

Als heisse Börsenkandidaten gelten schliesslich zwei traditionsreiche Firmen aus der Luftfahrt. Der Dienstleister für die Privat- und Geschäftsluftfahrt, Jet Aviation, wurde 2005 vom Private-Equity-Fonds Permira übernommen. Innerhalb von drei bis fünf Jahren sollte das Unternehmen für die Börse fit gemacht werden. «Zurzeit findet keine IPO-Vorbereitung und auch keine Exit-Planung statt», erklärt Permira-Sprecher Hans Ulrich Helzer. Der Zeitpunkt für ein mögliches Exit hänge sowohl von der Verfassung der Gesellschaft als auch von der Performance der Peer-Group ab. Wie bei Jet Aviation fehlen auch bei Pilatus Aircraft, in welche die Beteiligungsgesellschaft 3i investiert ist, die konkreten Börsenpläne. Das Traktandum wird aber, nach Aussagen des Stanser Flugzeugherstellers, im Verwaltungsrat diskutiert.

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