In der Affäre um mutmasslich illegale Iran-Geschäfte ist die britische Grossbank Standard Chartered nun auch mit einer Zivilklage konfrontiert. Angehörige von Opfern der Anschläge 1983 auf einen US-Armeestützpunkt in Beirut verlangen Schadenersatz in unbekannter Höhe.

Die Klage wurde am Mittwoch in New York eingereicht. Die Angehörigen werfen Standard Chartered (StanChart) vor, dass die Regierung in Teheran Schadenersatzzahlungen an Angehörige der Opfer durch das Verhalten der Bank gegenüber dem Iran habe umgehen können.

Nach Vorwürfen wegen heimlicher Geschäfte mit dem Iran hatte die Bank am Dienstag einem Vergleich mit der New Yorker Finanzaufsicht und einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zugestimmt. Die Aufsichtsbehörde hatte der Bank vorgeworfen, fast zehn Jahre lang Geschäfte mit dem Iran abgewickelt zu haben, trotz Sanktionen.

Zu den Zivilklägern gegen StanChart gehören den Gerichtsunterlagen zufolge nun unter anderem Angehörige von 241 US-Soldaten, die bei dem Anschlag in Beirut getötet wurden sowie Überlebende des Angriffs.

Kläger berufen sich auf Urteil aus 2007

Die Kläger führen an, dass ein US-Gericht den Opfern in einem Urteil aus dem Jahr 2007 Schadenersatzzahlungen des Iran von mehr als 2,6 Milliarden Dollar zugesprochen hatte. In der Vielzahl vergleichbarer Fälle hat der Iran solche Anordnungen von US-Gerichten ignoriert und nicht bezahlt.

Hintergrund der Schadenersatzforderungen an den Iran ist ein US-Urteil, ebenfalls aus dem Jahr 2007: Ein Richter in Washington sah es als erwiesen an, dass der Iran die Hisbollah-Miliz in Libanon finanziell und logistisch bei den Anschlägen unterstützt hat.

Eine Sprecherin der Bank erklärte dazu, StanChart äussere sich nicht zu laufenden Verfahren.

(vst/tno/sda)