Die Novartis-Tochter Alcon einigt sich mit den US-Behörden im Streit um illegale Exporte in den Iran und Syrien. Der Augenheilmittelkonzern hat in fast 200 Fällen gegen Handelssanktionen der USA verstossen und zahlt dafür eine Strafe von gesamthaft 9,4 Millionen Dollar. Das zeigen Dokumente des amerikanischen Handelsministeriums.

Die US-Staatsanwaltschaft begann 2012 mit ihren Ermittlungen. Sie verlangte von der Novartis-Tochter unter Androhung einer Erzwingungsstrafe die Herausgabe von Beweismitteln für den Zeitraum seit 2005. Alcon willigte ein. Das Ergebnis: Zwischen 2008 und 2011 exportierte das Unternehmen in 143 Fällen medizinische Geräte und Medikamente in den Iran, in 45 Fällen nach Syrien. Die nötigen Bewilligungen der Exportkontrollbehörde des US-Finanzministeriums fehlten.

Wissentlich Sanktionen umgangen

Alcon habe wissentlich gegen geltendes US-Recht verstossen, heisst es in den Dokumenten des US-Handelsministeriums. Die in den USA hergestellten Produkte seien bewusst via die Schweiz und andere Länder in den Iran oder nach Syrien befördert worden. Alcon habe aktiv versucht, das eigentliche Bestimmungsland vor den US-Behörden geheim zu halten.

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Medikamentenexporte waren seinerzeit nicht explizit verboten. Jede Lieferung von Produkten, die in den USA hergestellt wurden und für den Iran oder Syrien bestimmt waren, mussten aber von der US-Regierung abgesegnet werden. Die Handelssanktionen waren Teil eines internationalen Embargos, um das iranische Atomprogramm zu stoppen. Seit der «Wiener Vereinbarung» von 2015 werden diese Sanktionen schrittweise aufgehoben.

Sorgenkind Alcon

Die Strafe ist Kleingeld für Alcon, der Konzern bezahlt die Millionensumme aus der linken Hosentasche. Im ersten Halbjahr erzielte die Novartis-Tochter einen Umsatz von knapp 3 Milliarden Dollar. Das ist ein Viertel des Gruppenumsatzes.

Alcon bleibt aber ein Problem. Ex-Novartis-Lenker Daniel Vasella kaufte vor wenigen Jahren eine Mehrheit des Unternehmens. Dafür bezahlte er 39 Milliarden Dollar an Nestlé. Die hochgelobte Tochter mutierte aber zusehends zum Sorgenkind, weswegen Novartis einen Umbau eingeleitet hat. Mittlerweile ist selbst ein Verkauf nicht ausgeschlossen. «Man kann sich die Frage stellen, ob wir auf lange Sicht der beste Eigen­tümer dafür sind», sagte Novartis-Chef Joe Jimenez jüngst zum Wirtschaftsmagazin «Bilanz».