Die Commerzbank hat einem Pressebericht zufolge personelle Konsequenzen wegen Geschäften mit sanktionierten Staaten gezogen. Das seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Institut habe sich bereits vor einiger Zeit von Mitarbeitern in Hamburg getrennt, die Geschäfte von Kunden in Ländern wie Iran und Sudan verschleiert haben sollen, berichtete die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» unter Berufung auf «Kenner der Verhältnisse». Eine Sprecherin der Bank wollte den Bericht nicht kommentieren und begründete dies mit den laufenden Gesprächen über einen Vergleich in den USA.

Die Commerzbank befindet sich seit einigen Jahren in Verhandlungen wegen mutmasslicher Verstösse gegen US-Handelssanktionen. Diese Gespräche scheinen nun in die entscheidende Phase zu gehen. Zuletzt war in mehreren Medienberichten aus den USA die Rede davon, dass die Behörden eine Strafzahlung von mindestens 500 Millionen Dollar von der zweitgrössten deutschen Bank verlangen. Das Institut hat insgesamt 934 Millionen Euro für Rechtsstreitigkeiten zurückgelegt. Davon ist nach Analysteneinschätzung aber nur ein Teil für die Sanktionsverstösse vorgesehen, so dass eine neue Ergebnisbelastung droht.

Grosser Unmut

Geschäfte mit sogenannten Schurkenstaaten waren zuletzt der grössten französischen Bank BNP Paribas zum Verhängnis geworden. Die US-Behörden brummten den Franzosen Geldstrafen über insgesamt annähernd 9 Milliarden Dollar auf. Die Bank konnte im Gegenzug ihre US-Lizenz behalten. Die Geschäfte waren nach französischem Recht legal.

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Das Vorgehen der US-Behörden hatte auch auf höchster politischer Ebene in Frankreich zu Verstimmungen geführt. Auch die Commerzbank fühlt sich laut FAZ ungerechnet behandelt. Der Unmut sei vor allem deshalb gross, weil die Amerikaner ihre Einschätzung zu den nun sanktionierten Geschäften im Nachhinein geändert haben sollen. So hätten amerikanische Gutachter der Bank für die Jahre 2003 und 2005 bescheinigt, dass sie die nun monierten Transaktionen korrekt abgewickelt habe.

(awp/dbe)