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Marktchancen
Iran: Schweizer Firmen stehen in den Startlöchern

Freitagsgebet in Teheran: 80 Millionen Einwohner haben viel Nachholbedarf. Keystone

Das Ende der Sanktionen gegen den Iran birgt riesige Möglichkeiten für Schweizer Unternehmen. Das 80-Millionen-Land könnte zur Goldgrube werden. Doch es gibt viel Konkurrenz aus anderen Staaten.

Veröffentlicht am 27.08.2015

Nach der geplanten Aufhebung der Wirtschaftssanktionen wollen Schweizer Unternehmen im Iran Fuss fassen. Der Ansturm auf die erste grosse Informationsveranstaltung für Geschäftsleute am Donnerstagvormittag war denn auch gross.

Ursprünglich habe er für die Veranstaltung unter dem Titel «Business Outlook Iran - New Opportunities» (Wirtschaftsausblick für den Iran - neue Marktchancen) ein kleineres Sitzungszimmer am eigenen Sitz vorgesehen, sagte Daniel Küng, Chef der Aussenwirtschaftsförderungsorganisation Switzerland Global Enterprise (früher osec).

Mehrere hundert Interessierte im Marriott

Doch statt einigen Dutzend Interessierten kamen mehrere hundert. Angesichts des Interesses hätte man nun fast das Hallenstadion füllen können, scherzte Küng am Donnerstag vor gefüllten Reihen im Saal des Hotels Marriott in Zürich. In den letzten Monaten hätten sich viele Unternehmer an die Switzerland Global Enterprise gewandt, sagte Küng. Auch im Iran verfügt die Organisation über Knowhow und ein Netzwerk, mit dem sie den Unternehmen zum Start verhelfen kann.

Der Iran verspricht nach seiner Öffnung eine Blütezeit: Fast 80 Millionen Einwohner sind hungrig auf Konsumwaren aus dem Westen. Sie sind gut ausgebildet - jedes Jahr verlassen 800'000 junge Erwachsene die Universität. Die Hälfte der Bevölkerung ist unter 32-jährig. Sie verlangt nach Nahrung, Pharma, Kosmetik, aber auch nach Infrastruktur.

Swissmem-Mitglieder an vorderster Front

«Im Iran liegen momentan dringend benötigte Investitionen brach. Die Aufhebung der Sanktionen würden vermutlich rasch Projekte vorantreiben», sagte Rolf Brändli, Sprecher des Kolbenkompressor-Herstellers Burckhardt Compression gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Das Unternehmen ist im Unterschied zu anderen bereits im Iran tätig.

Auch Maschinen- und Strassenbauer, Hersteller von Rollmaterial für Bahnen sowie Firmen, die in der Energiebranche tätig sind, schielen in den Iran. Gemäss dem Verband Swissmem (Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie) ist das Interesse der Branche gross.

367,5 Millionen Franken exportiert

Der Branchenverband Scienceindustries, der Chemie-, Pharma- und Biotech-Unternehmen vereint, rechnet nach der Aufhebung der Sanktionen mit einer Entlastung der Exportkontrollaktivitäten sowie einer Vereinfachung der finanziellen Transaktionen, wie Sprecher Marcel Sennhauser auf Anfrage der sda sagte. Davon profitieren also auch jene Unternehmen, die von den bisherigen Sanktionen gar nicht betroffen waren.

Bereits 2014 exportierten die Sciencindustries-Branchen für 207 Millionen Franken Waren in den Iran und importierte Güter für 3 Millionen Franken. Die gesamte Schweizer Wirtschaft exportiere 367,5 Millionen Franken.

«Zögern Sie nicht zu lange»

Doch die Schweizer Unternehmen sind nicht die einzigen, die in den Iran drängen. Auch andere wollen sich einen Teil des Kuchens abschneiden. Experten erwarten nach einem Ende der Sanktionen ein Wirtschaftswachstum von fünf Prozent. Dieses Jahr beträgt es drei Prozent. Die iranischen Exporte könnten gemäss Weltbank um 17 Milliarden Dollar wachsen. Dies entspräche 3,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) der islamischen Republik.

Einer der Referenten am Donnerstag sprach von Chancen und Lücken, die so gross sind wie der Grand Canyon. «Zögern Sie nicht zu lange», riet er dem Publikum. Wer kann, stellt sich bereits jetzt in die Startlöcher. Den Unternehmen wurde weiter empfohlen, klug zwischen Unternehmertum und staatlichen Richtlinien zu navigieren und sich die richtigen Leute ins Boot zu holen.

(sda/gku)

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