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Irans Öffnung bringt Touristen zurück

Irans Öffnung bringt Touristen zurück
Khaju-Brücke in Isfahan: Bald ein Magnet für westliche Touristen?  Reza Pourhaji/Wikimedia

Die neuen Töne des Präsidenten Hassan Rohani tragen erste Früchte: Immer mehr Touristen wagen sich in den Iran. Die grossen Schweizer Reiseveranstalter warten allerdings noch ab.

Von Gabriel Knupfer
am 08.07.2014

Dass der Iran Reisenden viel zu bieten hat, ist schon lange bekannt. Wunderbare Landschaften und ein reiches kulturelles Erbe bergen grosses Potenzial. Trotzdem war das Land für viele Jahre nicht auf dem Radar der Tourismusindustrie.

«Der Iran ist momentan ein touristisches Nischenprodukt», bestätigt Prisca Huguenin-dit-Lenoir von Hotelplan Suisse. Das Land sei deshalb bis jetzt nicht in den Katalogen des Reiseveranstalters aufgenommen worden.

Auf dem Weg aus der Isolation

Ausschlaggebend für die Zurückhaltung von Veranstaltern und Reisenden waren in den vergangenen Jahren vor allem politische Gründe. Die islamische Republik blieb seit 1979 international weitgehend isoliert. Tiraden gegen Israel und Berichte über massive Menschenrechtsverletzungen schreckten potenzielle Gäste ab.

Nun könnte alles anders werden. Seit Hassan Rohani im vergangenen Sommer zum neuen Präsidenten gewählt wurde, haben sich die Töne aus Teheran gemässigt. Während Vorgänger Mahmud Ahmadinedschad keine Gelegenheit ausliess, Israel und den Westen zu beschimpfen, setzt der Neue auf eine Annäherungspolitik.

Neue Politik zeigt Früchte

Und tatsächlich zeigen sich bereits erste Ergebnisse der (rhetorischen) Umkehr. Die Gäste kommen plötzlich in Scharen. «Ein Tsunami ausländischer Touristen» sei über das Land gekommen, freut sich Tourismusdirektor Masoud Soltanifar. Denn es ist klar: Für die von Sanktionen gebeutelte Wirtschaft ist das Geld aus dem Westen von zentraler Bedeutung.

Die Zahlen sind eindrücklich: Fünf Milliarden Franken hat der Tourismus im Jahr 2013 laut staatlichen Informationen generiert. Dies entspricht rund 6,3 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des 75-Millionen-Landes – und soll trotzdem nur der Anfang sein. Mit Visa-Erleichterungen und der Verbesserung der Infrastruktur will die Regierung künftig noch weit mehr Gäste ins Land locken.

Abwarten bei Schweizer Veranstaltern

Die Schweizer Reisebüros zeigen sich derzeit aber noch zurückhaltend. «Wir sehen die Öffnung nach Westen», sagt Peter Brun von Kuoni. Konkrete Angebote habe man bisher zwar keine erarbeitet, «aber der Iran ist auf unserer Watchlist». Das Land sei kulturell und auch kulinarisch hoch interessant: «So hatten wir beispielsweise vor dem grossen Erdbeben 2004 die Oasenstadt Bam im Programm», sagt Brun.

Zurückhaltend ist man auch bei TUI Schweiz. «Reisen in den Iran bieten wir unter der Marke Gebeco an», sagt Sprecher Roland Schmid. Trotz der grossen Attraktivität gäbe es wichtige Dinge zu beachten – und die Gäste müssten richtig auf die Reise vorbereitet sein. «Das Erlebnis steht über allfälligen Qualitätsansprüchen, denn die Infrastruktur ist noch im Aufbau begriffen.» Auch für Roland Schmid ist aber klar: «Für den Tourismus sind politische Stabilität und Ruhe absolut entscheidend».

Ausgebuchte Gruppenreisen

Auch wenn es der Iran bisher noch nicht in alle Reisekataloge geschafft hat, kann man sich doch bei den grossen Schweizer Veranstaltern massgeschneiderte Reisen zusammenstellen lassen. Eines der Reisebüros, mit denen die Veranstalter zusammen arbeiten, ist Riahi Travel in Zürich. Dort ist man verständlicherweise hocherfreut über das erwachende Interesse am Iran.

«Seit Dezember hat die Nachfrage spürbar angezogen», sagt Inhaber Sadegh Riahi. «Die Gruppenreisen sind bereits für das ganze Jahr ausgebucht.» Für die Firma, die seit 1994 Reisen in den Iran anbietet, könnte 2014 eines der besten Jahre werden.

Die Welt eingeladen

Für Sadegh Riahi ist klar, dass die neue Politik von Hassan Rohani ein wichtiger Faktor ist für den Iran-Tourismus: «Dass der Präsident am WEF praktisch die Welt eingeladen hat, zeigt Wirkung.» Nun sei es aber wichtig, dass die Entspannungspolitik weitergeführt werde.

Zum Badeparadies dürfte der Iran auch bei der bestmöglichen Entwicklung in absehbarer Zeit nicht werden. Dafür sorgen nur schon die islamischen Kleidervorschriften und das Alkoholverbot. Bei Kultur- und Naturtouristen hingegen, könnte der Iran schon bald zu den absoluten Rennern gehören.

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