Das isländische Finanzinstitut Kaupthing bietet mit der Online-Bank Kaupthing Edge derzeit die attraktivsten Sparzinsen der Schweiz. Die Zinssätze liegen bei unschlagbaren 4% auf Konten in Fr. und sogar bei 5% auf Euro-Konten. Diese unfassbar hohen Zinsen brachten der Kaupthing kürzlich sogar einen Auftritt in der Konsumentensendung «Kassensturz».

Wer Gelder zur Kaupthing transferierte, findet sich nun in einer unklaren Situation wieder. Das isländische Finanzsystem ist zuletzt stark ins Taumeln geraten. Zwei der drei grössten isländischen Banken, Glitnir und Landsbanki, wurden per Noterlass teilweise verstaatlicht. Kaupthing, die dritte grosse Bank im Bunde, gilt zumindest als angeschlagen. Auch bei ihr sollen laut Medienberichten Staatsinterventionen vorgesehen sein.

Ob das Auswirkungen auf das Schweiz-Geschäft von Kaupthing hat, ist noch unklar. «Wir verfolgen die Situation bei der Kaupthing Bank sehr eng und stehen mit der Bank in Kontakt», so Alain Bichsel von der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) auf Anfrage. «Die Bank erfüllt nach wie vor die gesetzlichen Anforderungen in der Schweiz», sagt Bichsel. Die isländische Regierung plant weitgehende Eingriffe, um das Finanzsystem zu stabilisieren. Eine der Massnahmen sieht vor, dass die isländischen Banken die Geschäftsbereiche ausserhalb Islands aufgeben sollen. Die auf das Ausland fokussierte, aggressive Wachstumsstrategie der isländischen Banken gilt denn auch als eine der Hauptursachen für das Debakel am nordischen Finanzplatz. Kaupthing erzielt laut eigenen Angaben nur noch 25% der Umsätze in Island. Wie der Verkauf der gewichtigen Auslandssparte vonstatten gehen soll, ist noch offen.

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Es könnte daher passieren, dass Kaupthing auch das Geschäft in der Schweiz abgeben muss. Dies wurde von Unternehmensseite jedoch nicht bestätigt.

In einer vor kurzem veröffentlichten Pressemitteilung hält Kaupthing fest, dass der vergangene September der erfolgreichste Monat der Geschichte gewesen sei und der Mittelzufluss in allen Ländern gesteigert werden konnte. Das Institut habe insgesamt mehr als 5 Mrd Euro flüssige Mittel generiert. Es wurde darauf hingewiesen, dass die hohen Zinsen weiter- hin Gültigkeit hätten und die Liquidität von Kaupthing gegeben sei.

Wie Schweizer Sparer von den aktuellsten Entwicklungen in Island betroffen sind, lässt das Unternehmen vorerst offen. Zwar betonte das Unternehmen noch zu Wochenbeginn, dass Kaupthing Schweiz, als Tochter der Kaupthing Bank in Luxemburg, keine Auswirkungen des Geschäftsgangs des isländischen Mutterhauses befürchten müsse dies wurde unterdessen von Unternehmenssprechern aber relativiert.

Natürlich habe der Mutterkonzern einen Einfluss auf den Geschäftsgang der Tochterfirma, liess sich ein Unternehmenssprecher auf Anfrage vernehmen.

Schweizer Banklizenz schützt

Bei der EBK macht man sich unterdessen Gedanken zur isländischen Online-Bank. «Es ist klar, dass wir ein Institut, dessen Mutterhaus Probleme hat, unter die Lupe nehmen», sagt Bichsel.

Experten schätzen das Risiko für Schweizer Anleger, unter den Turbulenzen zu leiden, als relativ gering ein, da die Kaupthing Bank über eine Schweizer Bankenlizenz verfügt. Spareinlagen bis 30000 Fr. sind deshalb durch den Einlageschutz gedeckt. Einige Beobachter behaupten sogar etwas spöttisch, dass eine Staatsgarantie der isländischen Regierung für Schweizer Sparer von Vorteil sein könne, da dann auch Beträge, die über die 30000 Fr. Einlageschutz hinausgehen, vom isländischen Staat abgesichert sind. In Österreich oder Deutschland, wo Kaupthing ebenfalls mit Edge vertreten ist, wären die Anlagen nicht national abgesichert. Die Ausfälle müssten in Island geltend gemacht werden.

Ob der dortige Finanzhaushalt das bezahlen kann, ist ungewiss. Die Bilanzsumme der drei gefährdeten Institute Glitnir, Landsbanki und Kaupthing ist zehnmal höher als das isländische Bruttoinlandprodukt.