Die Wirtschaftskrise ist in der Reisebrache definitiv angekommen: Aufgrund des anhaltenden Buchungsstaus und des damit verbundenen Umsatzrückgangs wird der Sparhebel nun bei den Personalkosten angesetzt.

Hotelplans zweiter Stellenabbau

Am härtesten trifft es die Mitarbeiter von M-Travel Switzerland am Hauptsitz der Hotelplan-Gruppe in Glattbrugg ZH. Die anhaltend schwierige Wirtschaftslage hat zur Folge, dass hier 50 Angestellte nicht mehr weiterbeschäftigt werden, darunter 20 Kader-leute. Für die betroffenen Personen wurde mit den zuständigen Partnern ein umfassender Sozialplan abgeschlossen. Dies ist der zweite Stellenbau der Migros-Reisetochter innert relativ kurzer Zeit: Ende 2005 wurde hierzulande das Personal um 65 Leute reduziert.

Den neuerlichen Stellenabbau der Schweizer Nummer zwei begründet Thomas Stirnimann, CEO von M-Travel Switzerland, nicht nur mit der Krise, sondern auch mit einer Bereinigung des Produktportfolios, bei der die Ferienmarke Esco nach 56 Jahren Ende Oktober verschwindet. Stirnimann erklärt gegenüber der «Handelszeitung» weiter: «Im Gegensatz zur Konkurrenz scheuen wir uns nicht, unpopuläre Entscheide zu treffen. Auch wenn es eine unangenehme Übung ist: Sie ist sinnvoll und vorausblickend.»

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Insgesamt beschäftigt die Geschäftseinheit Schweiz der Migros-Reisetochter derzeit beinahe 1300 Personen, davon rund die Hälfte am Hauptsitz, wo nun jede 13. Stelle dem Rotstift zum Opfer fällt. Der Rest arbeitet in den gut 120 eigenen Reisebüros. Zum Zeitpunkt der Übernahme von Travelhouse durch die Hotelplan-Gruppe Ende 2006 waren es fast 1900 Mitarbeiter. Selbst nach der Zusammenführung von Hotelplan Schweiz und Travelhouse zu M-Travel Switzerland Anfang 2008 waren es noch über 1500 Angestellte.

TUI fördert unbezahlten Urlaub

Im Gegensatz zu TUI Deutschland, wo seit kurzem über die Einführung von Kurzarbeit verhandelt wird, führt TUI Suisse keine vergleichbaren Gespräche, wie Pressesprecher Roland Schmid bestätigt. «Selbstverständlich prüfen wir alle möglichen Varianten.»

Aufgrund der vorgenommenen Analyse hat TUI Suisse laut Schmid vor einiger Zeit einen Einstellungsstopp verhängt. «Wir haben vorausschauend begonnen, austretende Mitarbeiter nicht mehr zu ersetzen.» Dadurch ist der Personalbestand in den letzten drei Monaten von 589 auf 581 Angestellte zurückgegangen. «Dies widerspiegelt die natürliche Fluktuation.» Wobei sich das Total innert Jahresfrist nur marginal verändert hat.

«Letztlich geht es uns darum, die Arbeitsplätze zu sichern», sagt Schmid. Daher hat TUI Suisse nun eine Vorsichtsmassnahme getroffen: Die Nummer drei unter den hiesigen Reiseunternehmen offeriert allen Mitarbeitern einen zusätzlichen Ferientag, wenn sie sich bereit erklären, freiwillig fünf Tage unbezahlten Urlaub zu nehmen. «Dieses Angebot ist sehr gut aufgenommen worden, weil unser Personal die Situation versteht.» Das Sparpotenzial dürfte geschätzt bei mehreren 100000 Fr. liegen.

Im Rahmen des Investitionsprogramms von 106 Mio Fr. für die Jahre 2009 bis 2011 will auch der Kuoni-Konzern die Ausgaben zurückfahren. Die angestrebten Kosteneinsparungen dürften zwangsläufig zu einer Reduktion von Arbeitsplätzen führen. Diese soll, wie zuvor, grösstenteils über die natürliche Fluktuation erfolgen. In wenigen Fällen, in denen das nicht möglich sein wird, arbeitet man sozialverträgliche Lösungen aus.

Kuoni profitiert von Fluktuation

Dabei ist der Fokus des grössten Schweizer Reisekonzerns nicht auf den Heimmarkt gerichtet, so Pressesprecher Peter Brun. «Hier haben wir bereits im vergangenen Jahr erfolgreich unsere Reorganisation durchgeführt.» Per 31. Dezember 2008 beschäftigte Kuoni Schweiz noch 1251 Personen. Dies sind 183 Angestellte weniger als per 31. Dezember 2007, wovon jedoch 175 Mitarbeiter nach dem Verkauf der Edelweiss Air per 1. November 2008 an die Swiss aus der Bilanz verschwunden sind.

Trotzdem werde Kuoni hierzulande weiter von der hohen Fluktuation in der Reisebranche profitieren. «Was aber nicht heisst, dass wir keine Leute mehr einstellen, sondern Abgänge nur bei Bedarf ersetzen.» Weiterführende Massnahmen, etwa die Einführung von Kurzarbeit, prüfe man momentan nicht. «Aber wir beobachten den Markt und denken sämtliche Szenarien durch», erklärt Brun.