Mitarbeiter, die daheim arbeiten, stecken sich nicht beim Pendeln an, sie übertragen den Virus nicht auf ihre Kollegen und sie können, sollten sie unter Quarantäne stehen und sich gesund fühlen, produktiv sein. Diese Vorteile überzeugen momentan viele Schweizer Unternehmen vom Homeoffice-Einsatz. Laut Branchenkennern ist es teilweise sogar vorgesehen, Mitarbeiter den Computer vom Arbeitsplatz nach Hause tragen zu lassen, um so den Betrieb aufrechterhalten zu können.

Das Zürcher IT-Security-Unternehmen Avantec meldet derzeit eine starke Nachfrage nach Lösungen für den Pandemie-Notfall. Denn die Ausgaben für zusätzliche Hard- und Software können ins Gewicht fallen. Sicherheitsspezialisten wie Juniper Networks und RSA Security bieten deshalb Notfalllizenzen für den Fernzugriff über das Internet an. Kunden kaufen nur die effektiv benötigten Softwarelizen-zen, sollte es jedoch zu einer Pandemie kommen, können Unternehmen sehr rasch und zeitlich befristet für alle Mitarbeiter den Fernzugriff zu einem stark vergünstigten Preis freischalten.

Bereits bei den Attentaten auf die Londoner U-Bahn im Sommer 2005 sei das Interesse gestiegen. «Es gibt immer wieder aussergewöhnliche Situationen, in denen Unternehmen für Homeoffice-Lösungen sensibilisiert werden», sagt Andreas Jacob, Geschäftsleitungsmitglied von Avantec. Ein gewaltiger Boom werde zwar kaum stattfinden, so Jacob, jedoch könnten aufgrund solcher Ereignisse Homeoffice-Projekte vorgezogen werden. «Die Budgets für IT-Sicherheit sind derzeit begrenzt, aber häufig werden Beiträge in Homeoffice-Projekte umgelagert», so Andreas Jacob.

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UBS ist vorbereitet, ZKB zögert

Der Basler Dentaltechnik-Konzern und Avantec-Kunde Straumann hat die Mitarbeiter bereits aufgefordert, im Notfall daheim zu arbeiten. Auch bei Zurich Financial Services ist das Homeoffice Bestandteil eines Krisenszenarios. Bei der Swisscom wird in kritischen Bereichen, wie etwa Hotlines, derzeit geprüft, ob mit zusätzlichen mobilen Lösungen daheim gearbeitet werden kann, sollte die Ansteckungsgefahr zunehmen. Zurückhaltender gibt man sich bei der Zürcher Kantonalbank. Sicherheitsbedenken im Bezug auf den Datenschutz und das Bankkundengeheimnis schränken die Möglichkeiten des Homeoffice-Einsatzes ein. Bei der UBS kann bereits jetzt ein Drittel der Mitarbeiter per Laptop von zu Hause aus die Office-Anwendungen oder den Internetzugang nutzen. Im Zuge der Pandemie-Planung sind derzeit Abklärungen im Gange, ob diese Möglichkeit auf weitere ausgewählte Funktionen ausgeweitet werden kann. «Unsere IT-Abteilung bereitet Lösungen vor», so UBS-Sprecher Andreas Kern.