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Italien: Zwischen Razzia und Abenteuer

Gut und teuer, aber nicht unumstritten: Daniele de Rossi. (Bild: Keystone)

Sind Sie bereit für die Fussball-EM? «Handelszeitung Online» stellt in Zusammenarbeit mit Euler Hermes Schweiz alle Nationen vor - auch abseits von sportlichen Perspektiven. Heute: Italien.

Von Volker Strohm
am 31.05.2012

Die Schlagzeilen zu Italien dominierten zuletzt leider immer wieder Erdbeben-Katastrophenmeldungen. Das rückte die wirtschaftliche Wirren weit in den Hintergrund. Zuletzt gelang es Italien nur mit Mühe, neue Staatsanleihen bei Anlegern zu platzieren - es mussten dafür deutlich höhere Zinsen gewährt werden. Entsprechend wird das Land immer wieder in einem Atemzug mit Griechenland, Spanien und Portugal genannt.

Auf der Suche nach Wirtschaftswachstum hat Ministerpräsident Mario Monti kürzlich eine umstrittene Arbeitsmarktreform durchgeboxt, die Unternehmen mehr Flexibilität bei Einstellungen und Entlassung einräumt. Wie in den anderen Euro-Krisenstaaten ist die Verankerung in der Bevölkerung bei den notwendigen Sparmassnahmen nur spärlich vorhanden.

Sport

Der gleiche Monti hat die Machenschaften im italienischen Fussball mittlerweile als «schauderhaft» bezeichnet und angeregt, ob die Meisterschaft nicht für zwei bis drei Jahre ausgesetzt werden soll. Entsprechend ist rund um das Nationalteam das Sportliche derzeit kaum Thema -  vielmehr ist sind es im Zusammenhang mit dem Wettskandal Polizei-Razzien und brisante Enthüllungen, die das Geschehen dominieren.

Immer weitere Namen geraten in den Kreis der Verdächtigen - so auch Star-Goalie Gianluigi Buffon. Im EM-Vorbereitungscamp der «Squadra Azzurra» wurde Domenico Criscito zum Verhängnis: Der Spieler von Zenit St. Petersburg wurde von Nationaltrainer Cesare Prandelli kurzerhand aus dem Kader geworfen.

Prandelli bezeichnete die EM-Endrunde nach der Bekanntgabe des 23-Mann-Kaders als «Abenteuer». Zu den restlichen Wirren gesellt sich nun auch sportliche Angst - nicht zuletzt nach der 0:3-Niederlage im Testspiel gegen Russland.

Italien hat erst ein Mal (1968) die Europameisterschaft gewonnen. Weitaus erfolgreicher waren die «Azzurri», die in diesem Jahr sicher zu den Geheimfavoriten gezählt werden dürfen, an Weltmeisterschaften: 1934, 1938, 1982 und 2006 resultierte der Titelgewinn.

Marktwert

Das italienische EM-Team weist gemäss «Transfermarkt.ch» einen Gesamtwert von 395 Millionen Franken auf. Die wertvollsten Spieler sind zwei «Enfants Terrible»: AS-Roma-Star Daniele De Rossi wird mit 42,5 Millionen Franken bewertet - knapp dahinter folgt Mario Balotelli (Manchester City) mit 40 Millionen Franken. 

Wirtschaft

Das italienische BIP-Wachstum verlangsamte sich 2011 um 0,4 Prozent. Nach einem Rückgang um 0,2 Prozent im 3. Quartal schrumpfte die Wirtschaft um weitere 0,7 Prozent im Schlussquartal - und bestätigte somit den Beginn einer Rezession. Die Inlandnachfrage fiel um 0,9 Prozent, und zwar in allen Bereichen - insbesondere jedoch bei Investitionen und öffentlichen Ausgaben.

«Alle Frühindikatoren weisen kurzfristig auf eine weitere Phase konjunkturellen Rückgangs hin», so Euler Hermes Schweiz. Umfragen zum Geschäftsklima sind sowohl im Bereich Produktion als auch bei den Dienstleistungen nicht gerade ermutigend, und die Investorenstimmung ist eher schlecht (instabile Erholung der italienischen Börse).

Der zuletzt spürbar nachlassende Finanzierungsdruck hat sich erneut aufgebaut. Die italienische Volkswirtschaft wird 2012 gemäss Prognosen von Euler Hermes Schweiz um mehr als 1 Prozent schrumpfen, bevor sie sich 2013 bei plusminus Null einpendelt.

 

Die Italien-Spiele in Gruppe C

Sonntag, 10. Juni / 18.00 Uhr: Italien-Spanien
Donnerstag, 14. Juni / 18.00 Uhr: Italien-Kroatien
Montag, 18. Juni / 20.45 Uhr: Italien-Irland

 

 

«Handelszeitung Online» präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Kreditversicherer Euler Hermes Schweiz die 16 EM-Länder - für einmal nicht nur beschränkt auf den rein sportlichen Fokus. Lesen Sie am Dienstag: Alle Details zu den Niederlanden.

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