Der Internationale Währungsfonds führt die aktuelle Bankenkrise in Bulgarien nicht auf grundlegende Mängel des dortigen Finanzsystems zurück. «Wie ich das sehe, wurde der Sturm auf die Banken von Kurznachrichten ausgelöst und hat nichts mit grundlegenden Problemen des Systems zu tun, das gut kapitalisiert und liquide ist», sagte IWF-Manager Bas Bakker am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Er hatte zuvor die jährliche Länderüberprüfung des Währungsfonds für Österreich geleitet. Österreichische Banken zählen zu den grössten Instituten in Bulgarien.

Dort haben bereits mehrere Tage in Folge viele Leute aus Angst um ihr Geld Banken gestürmt. Die Behörden des EU-Staates vermuten einen Angriff auf die Branche: Kriminelle wollten demnach mit im Internet und über SMS-Botschaften verbreiteten Falschinformationen die Bürger dazu bewegen, ihr Geld abzuheben.

EU stützt das Bankensystem vorsorglich

Die EU war Bulgarien bereits am Montag zu Hilfe gekommen. Sie unterstützt das Bankensystem mit einem milliardenschweren Notkredit. Die Europäische Kommission teilte mit, man werde der Bitte Bulgariens nach Verlängerung einer Kreditlinie über umgerechnet rund 1,7 Milliarden Euro nachkommen. Diese Massnahme sei «angemessen» und notwendig, um in der derzeitigen Lage das Bankensystem mit genügend Liquidität zu versorgen. Das Geld fliesse vorsorglich, um das Finanzsystem zu stabilisieren. Wie auch die IWF kommt die EU zu dem Schluss, dass Bulgariens Banken an sich gut mit Kapital ausgestattet seien, verglichen mit anderen Ländern in der EU.

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Der Präsident des Landes, Rossen Plewneliew, hatte bereits am Sonntag nach einem Treffen mit Vertretern der Parteien, der Zentralbank und dem Finanzminister eine Garantie für die Sparguthaben abgegeben. Die Institute würden ihren normalen Betrieb aufrechterhalten.

(reuters/awp/me/vst)