Jack Warner, ehemaliger Fifa-Vize und Ex-Präsident des Nord- und Zentralamerikanischen und karibischen Fussballverbandes (Concacaf), stand von Beginn an im Zentrum des Fifa-Skandals. Doch nun werden immer neue Vorwürfe bekannt. Nach Recherchen der britischen BBC und der Zeitung «Guardian» soll sich der Funktionär an der Hilfe für die Opfer des Erdbebens in Haiti bereichert haben.

Laut US-Ermittlerkreisen wird Warner beschuldigt, 750'000 Dollar von der Nothilfe für die Erdbebenopfer abgezweigt zu haben. Die Spenden der Fifa und des Koreanischen Fussballverbandes seien auf Konten geflossen, die von Warner «kontrolliert» und «zum persönlichen Gebrauch» genutzt wurden. Die BBC hatte nach eigenen Angaben Einsicht in Akten, die den Vorgang bestätigen.

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Bereits 2012 gab es Gerüchte

Schon 2012 war Jack Warner wegen der verschwundenen Haiti-Gelder ins Zwielicht geraten. Der Fussballverband von Trinidad und Tobago behauptete, dass das Geld auf Konten ihres damaligen Beraters Warner gelandet sei. Jack Warner selbst wies die Anschuldigungen damals als «Verschwörung» zurück. Die Fifa fror danach aber weitere Zahlungen an den Verband von Warner ein.

Jack Warner musste sich bereits 2011 vor der Ethikkommisssion der Fifa verantworten. Warner stand schon mehrfach im Verdacht Bestechungsgelder angenommen zu haben und trat schliesslich von seinem Ämtern im Weltverband zurück. Im Mai 2015 wurde Warner vor einem Bundesgericht in New York wegen diverser Delikte angeklagt, unter anderem Betrug und Geldwäsche. So soll er beispielsweise zehn Millionen Dollar angenommen haben, für seine Stimme bei der Vergabe der WM an Südafrika.

Unschuldsbeteuerungen und Drohungen

Jack Warner wurde in Trinidad und Tobago vorübergehend festgenommen, ist aber zur Zeit gegen eine hohe Kaution auf freiem Fuss. Die USA verlangen seine Auslieferung. In einem selbstgemachten Video wehrt sich der 72-Jährige gegen die Vorwürfe: «Ich werde nicht schweigen, wenn sie mich meiner Freiheit berauben wollen», so Warner im Film.

Er sei bereit über alles zu sprechen, was in den dreissig Jahren bei der Fifa passiert sei. So habe er auch Papiere, die Sepp Blatter persönlich betreffen würden, droht er weiter. Gleichzeitig hält er an seiner eigenen Unschuld fest.