Kann es für Jacques Aigrain, den ehrgeizigen CEO des weltgrössten Rückversicherers Swiss Re, noch schlimmer kommen? Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während der Hauptkonkurrent, die Münchener Rück, den Aktienkurs 2007 halten konnte (+1,4%), mussten die Swiss-Re-Aktionäre einen bitteren Verlust von 22% hinnehmen. Und dies, weil der Schweizer Konzern sein Risikomanagement bei den Financial Services nicht im Griff hatte und als Folge der US-Kreditkrise und entgegen der vorgängigen Beteuerungen einen Milliardenabschreiber hinnehmen musste.

Was heisst das für Aigrain, dessen Rücktritt nach dem Debakel nicht gefordert wurde, obwohl der starke Mann im Hintergrund, Swiss-Re-Vizeverwaltungsratspräsident Walter Kielholz, hinter den Kulissen tobt? Der CEO muss das Vertrauen der Finanzmärkte und der Investoren zurück gewinnen. Das ist alles andere als einfach, denn das Rückversicherungsgeschäft basiert in erster Linie auf Vertrauen – und dieses ist arg angeschlagen. Erstversicherer übertragen ihre Risiken einem Rückversicherer, der die nötigen Mittel bereitstellt, falls ein genau definierter Schadensfall eintritt.

Neue Finanzprodukte harzen

In diesem Gebiet beschreitet Swiss Re innovative Wege: Risiken werden vermehrt auch in Form von Anleihen und hochkomplexen Produkten an den Finanzmarkt transferiert. So wird neues Risikokapital angezapft. Gleichzeitig senkt Swiss Re ihren Kapitalbedarf, was die Eigenkapitalrendite steigern soll. Mit entsprechenden Bonds für Naturkatastrophen (sogenannten Cat Bonds) sorgte Swiss Re bisher für positive Schlagzeilen. Neue Finanzinstrumente des Risikomanagements, die der ehemalige Investment-Banker Aigrain mit Hochdruck vorantreibt, stossen indes noch nicht auf das gewünschte Echo.

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Die Subprime-Krise, die den gesamten Finanzsektor erfasst hat, ist für Aigrains Pläne kontraproduktiv. Hält sie 2008 an, viele Zeichen deuten darauf hin, wird es Aigrain schwer fallen, die Investoren von seinen neuen Produkten vollends zu überzeugen. Kommt hinzu, dass die Preise im Rückversicherungsgeschäft tendenziell fallen und grosse Erstversicherer ihrerseits Rückversicherungen kre-ieren. Aigrain bleibt nur eine Möglichkeit: Mit dem operative Geschäft zu brillieren.