Regelmässige Leser der Rubrik «Sesselwechsel» dürften gestaunt haben: Die kleine Immobilienfirma BFW Liegenschaften meldete in den vergangen Wochen mehr Personalwechsel als manche Grossunternehmen, gab sie doch in kurzen Abständen den Abgang von CEO, CFO sowie den Rücktritt von zwei Verwaltungsratsmitgliedern bekannt. Kündigt sich damit das Ende der Immobilienfirma an? «Mitnichten», sagt Verwaltungsratspräsident Franz Jaeger. «Die Fitness-Kur, die wir der BFW Liegenschaften verordnet haben, bringt es mit sich, dass wir mit weniger Aufwand kochen müssen», erklärt Jaeger. Die BFW Liegenschaften plant, in den nächsten Monaten einen Drittel ihres Liegenschaftenbestandes zu veräussern. Grund dafür ist die Weigerung von Firmengründer Beat Frischknecht, die Einheitsaktie einzuführen und seine Stimmenmehrheit abzugeben. Weil damit eine Kapitalerhöhung unmöglich wird, hat der Verwaltungsrat die einst geplante Expansions-strategie begraben und ist auf die Deinvestitionsstrategie umgeschwenkt. Damit sinken jedoch auch die Mietzinseinnahmen. Die Folge: «Mit den bestehenden Strukturen hätten wir dann zu hohe Kosten», erklärt Jaeger. Das habe auch das Management eingesehen, sein Abgang erfolge darum in gegenseitigem Einverständnis.

Tiefpreis-Management gesucht

Nun muss also ein günstigeres Management her. Laut Jaeger überlegt sich der Verwaltungsrat verschiedene Möglichkeiten. «Eine Option wäre es, die Posten von CEO und CFO zu einem Doppelmandat zusammenzulegen. Oder die Aufgaben des CFO an eine Treuhandgesellschaft zu delegieren.» Klar ist laut Jaeger: «Die neue Lösung muss deutlich billiger sein.» Immerhin, so Jaeger weiter, sei er in einer glücklichen Lage: «Es ist kein Problem, Leute für die BFW Liegenschaften zu finden.»

In Zusammenhang mit den Liegenschaftenverkäufen stellt sich aber noch eine andere Frage: Was macht die BFW mit den Einnahmen? «Zuerst einmal lösen wir damit unser Liquiditätsproblem», erklärt Jaeger. Die BFW muss nämlich künftig einige Renovationen finanzieren. Allerdings senkt sie ihren Renovationsanteil durch den geplanten Verkauf: Weil gerade auch investitionsintensive Bauten abgestossen werden, reduziert sich dieser um mehr als die Hälfte, erklärte CEO Michael Müller am Montag bei der Präsentation der Jahresegebnisse. Was also passiert mit den restlichen Verkaufseinnahmen? Jaeger erklärt, dass er die anstehenden Refinanzierungsrunden gerne mit einem etwas dickeren Polster angehe. Und längerfristig solle die BFW Liegenschaften wieder wachsen: Die Firma sei in einer «Wachstumspause», so Jaeger. «Mein Ziel ist es, für das Jahr 2010 erneut einen guten Abschluss präsentieren zu können. 2011 brechen wir dann auf zu neuen Zielen», so der Verwaltungsratspräsident.

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Balsam für die Aktionäre

Jaegers Worte dürften Balsam für die BFW-Aktionäre sein. Diese fordern seit Langem, dass Firmengründer Frischknecht seine Macht abgibt. In letzter Zeit wurden sie zunehmend nervös, hatten doch Gerüchte die Runde gemacht, Frischknecht könnte die BFW Liegenschaften mit einer von ihm neugegründeten, in Bern kotierten Gesellschaft zusammenführen. Dies wird von der BFW Liegenschaften dementiert und gilt inzwischen auch bei involvierten Personen als nicht durchführbare Option.