Aufgepasst, vom 1. bis zum 5. Juni 2010 ist auf den hiesigen Strassen der Jaguar los. Die Briten lancieren schweizweit - mit der Absicht, heuer noch 160 Fahrzeuge dieser Baureihe immatrikulieren zu können - ihr Topmodell XJ. Und liefern gleich die Bestätigung mit, dass der Verkauf der Marke vor zwei Jahren an den indischen Tata-Konzern zu einem Befreiungsschlag für den edlen Engländer wurde. Der zu mehr Selbstvertrauen führt. Der Stilwechsel jedenfalls ist eklatant, selten wurde bisher ein Auto derart neu gezeichnet wie jetzt der XJ. Schon fast als radikal kann man die Abkehr von den bisher gepflegten Traditionen bezeichnen. Ian Callum, Jaguars Chefdesigner, beschwört die Neuausrichtung und korrigiert allfällige Kritik am Umdenkprozess. «Modernität ist für uns ein Teil unserer Tradition», versichert er, um darauf hinzuweisen, dass der neue XJ eine durch und durch zeitgemässe Interpretation des klassischen Jaguars sei.

Dem grossen Meister am Zeichenbrett soll nicht widersprochen werden. Der neue XJ ist ein gelungener Wurf; dazu gehören der markante Kühlergrill, die schmalen Katzenaugen, die eleganten Lufteinlässe, dies allesamt vorne, dazu aber auch die LED-Rückleuchten Cat Claws (Katzenpfoten) und die sehr breite Heckscheibe. Seine visuelle Ausstrahlung bezieht der 5,12 m grosse Wagen vor allem aber aus der langgestreckten, tropfenförmigen Seitenfester-Grafik, dem kraftvollen Auftritt und den grosszügigen Spurweiten. Der XJ ist somit das bisher klar stärkste Statement zur neuen Designrichtung der Marke aus Coventry.

Der optische Auftritt kann es allein aber nicht sein, der das neue Aushängeschild zu einer valablen Alternative zu den deutschen Oberklasse-Limousinen macht.

Für jene, die Schönes schätzen

Natürlich kommt man rasch auf das Interieur zu sprechen, einer - erwartungsgemäss - gelungenen Kombination aus stilvollem sowie zeitgemässem Design und der für Jaguar so typischen Symbiose aus Komfort, Luxus und Sportlichkeit. Applikationen mit einem Finish in Chrom oder Klavierlack stehen in Kontrast zu den Leder- und Holzoberflächen. Der Ausbund modernen Luxus führt denn auch zu einem Fest der Sinne, verbunden mit einem leisen Hauch von Schwelgerei und Glanz.

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Doch auch der Blick unters Blech lohnt sich. Die von Vorbildern aus der Luft- und Raumfahrt inspirierte Aluminium-Bauweise (geklebt und genietet und zu 100% rezyklierbar) verschafft dem neuen XJ gegenüber der Konkurrenz einen nicht zu unterschätzenden Gewichtsvorteil von mindestens 150 kg. Das bedeutet bei 1796 kg Gesamtgewicht (leer) tieferen Verbrauch: Augenfällig wird dies beim 3-l-Selbstzünder. Mit etwas mehr als 7,4 l Diesel lässt sich die Limousine, die es auch in einer Langversion (12 cm länger) gibt, auf der 100-km-Teststrecke bewegen. Dies scheint rekordverdächtig.

Bleibt noch die Preisspanne der neuen XJ-Generation: Der Einstieg ist bei 115000 Fr. vollziehbar (3.0 D Luxury), beim 5.0-V8-Supersport erreicht man 198000 Fr.