Burger King hat einen schwarzen Burger entwickelt. Er besteht aus einem schwarzen Brötchen, schwarzem Käse und schwarzer Sauce. Das Fleisch und der Salat sind fleisch- beziehungsweise salatfarben, was das Schwarz von Brot und Käse noch deutlicher hervorhebt.

Der Burger sieht krass aus, wie eine Installation von Beuys, aber er soll essbar sein und ungiftig. Die Farbe für den Käse und die Brötchen wird laut Unternehmensangaben aus Bambuskohle gewonnen – was immer das auch sein mag. Die Sauce wird mit der Tinte des Tintenfischs schwarz gemacht. Und um den Snack appetitlich abzurunden, soll die gut durchgebratene Fleischeinlage schwarzen Pfeffer enthalten.

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Der Burger wird erst mal nur vom japanischen Ableger von Burger King vertrieben. Der Verdacht, dass das Unternehmen mit der Farbe Schwarz von Bakterien, Keimen, Schlampigkeit und Lodderigkeit in seinen deutschen Filialen ablenken will, scheidet also aus. Man muss sich nun fragen, welcher Horst auf die irre Idee gekommen ist, die Farbe der Ungeniessbarkeit zur massenhaften Nahrungsmittelfarbe zu machen. Doch Vorsicht. So dumm sind sie bei Burger King nun auch wieder nicht.

Die Fast-Food-Kette beruft sich zwar auf keine Tradition, aber trotzdem steht Tradition hinter der Farbe Schwarz. Viele bedeutende Dinge in der Welt sind schwarz. Einige davon sind so bedeutend, dass man sie existenzialistisch nennen muss, und kaum eines davon ist schwarz, weil es so sein muss, sondern weil irgendjemand das entschieden hat. Denn Schwarz ist ein gekonnter Bruch – mit was auch immer.

Ein paar Beispiele:

Schwarze Kleider

Früher waren Frauenkleider farbenfoh. Die einzigen Frauen, die Schwarz trugen, waren Witwen. Dann kam Coco Chanel und mit ihr der oben zitierte gekonnte Bruch. Coco erklärte «la petite robe noire» 1926 in der Zeitschrift «Vogue» zu «einer Art von Uniform für alle Frauen mit Geschmack».

Schwarze Krieger

Ebenso farbenfroh wie Frauenkleider waren früher die Paradeuniformen der Krieger. Dann kam George Lucas, der sich vermutlich etwas dachte wie: Schwarz ist das neue Bunt. Er kreierte die Uniform von Darth Vader, und hinter der schwarzen Uniform steckt nicht weniger als das ultimative Böse.

Der einstige Jedi, der auf die dunkle Seite der Macht wechselte, unterscheidet sich von den Bösen, die es vor ihm gab, dadurch, dass er nicht versucht, ein Geheimnis aus seinem Charakter zu machen. Er ist eine Art Endstation der Bosheit.

Schwarze Löcher

Der Begriff Schwarzes Loch wurde 1967 durch John Archibald Wheeler etabliert, aber in Wahrheit ist dieses Loch gar nicht schwarz, und ein Loch ist es auch nicht. Das Schwarze Loch ist ein Kraftfeld, dessen Kräfte so wahnsinnig stark sind, dass sie alles aufsaugen, sogar Farbe und Licht. John Archibald, der dieses Kraftfeld irgendwie bezeichnen wollte, wählte die Farbe Schwarz sicherlich mit Bedacht. Hätte er das Kraftfeld «Farben und Licht absorbierendes Kraftfeld» genannt statt Schwarzes Loch, hätte ihm vermutlich niemand geglaubt, dass es das gibt. Es war eine schlaue Entscheidung.

Man könnte die Liste fortsetzen, aber das Risiko von Wiederholung wäre gross. Der schwarze Hautkrebs, «Der schwarze Kanal», die Schwarze Mamba, die schwarze Liste, der schwarze Rollkragenpullover, der schwarze Block – immer ist das Schwarze etwas Extremes, oder es will etwas Extremes sein. Manchmal ist es extrem böse, manchmal extrem gefährlich, extrem kreativ oder auch extrem bescheuert.

Schwarzes Essen war bisher etwas Seltenes, wenn man von schwarzem Tee und Cola absieht. Allerdings kann man weder Tee noch Cola essen, und ausserdem ist weder schwarzer Tee noch schwarze Cola wirklich schwarz – vor allem der Tee ist es nicht mal ansatzweise.

Der schwarze «Premium»-Burger soll in zwei Varianten am 19. September zeitlich begrenzt auf den japanischen Markt kommen.

Dieser Artikel ist zuerst in unserer Schwester-Publikation «Die Welt» erschienen.