Erstmals seit einem halben Jahrhundert versucht ein japanisches Unternehmen, auf dem Markt für Verkehrsflugzeuge mitzumischen. Eine Tochter des Industriekonzerns Mitsubishi Heavy stellte am Samstag in Nagoya den Prototypen des Regionaljets MRJ vor.

Das Flugzeug soll ein Konkurrenzmodell zu Maschinen von Embraer und Bombardier werden, die den Markt für Regionalflugzeuge dominieren. «Das ist unser langgehegter Traum», sagte Verwaltungsratschef Hideaki Omiya beim Rollout des Jets. Auch das Land habe darauf gewartet.

Ab 2017 ausgeliefert

Das Flugzeug hat eine Kapazität von knapp 100 Sitzen und soll ab 2017 ausgeliefert werden. Zu den Kunden zählen die All Nippon Airways, Japan Airlines und SkyWest aus den USA. Bisher gibt es allerdings nur 191 Bestellungen. Dies reicht Experten zufolge nicht aus, um schwarze Zahlen zu schreiben. An dem Konsortium ist auch Toyota beteiligt.

Die Japaner sehen sich schon jetzt mit einem zunehmend schärferen internationalen Wettbewerb konfrontiert. Dennoch will das Unternehmen in den nächsten 20 Jahren über 50 Prozent des weltweiten Marktes für solche Regionalflugzeuge abdecken, wie der Präsident von Mitsubishi Aircraft, Teruaki Kawai, dem «Wall Street Journal» sagte. Mitsubishi rechne damit, dass in diesem Zeitraum mehr als 5000 solcher Jets ausgeliefert werden.

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Weniger Sprit verbraucht

Der MRJ verbraucht nach Herstellerangaben dank neuer Triebwerke von Pratt & Whitney ein Fünftel weniger Sprit als vergleichbare Modelle. Marktführer Embraer will diese allerdings ab 2018 in seinen Maschinen einsetzen, womit Mitsubishi nur einen kleinen Vorsprung hat.

Zuletzt versuchte sich Japan in den 60er-Jahren an einem Verkehrsflugzeug. Von der Propellermaschine YS-11, an deren Entwicklung auch Mitsubishi beteiligt war, wurden 182 Modelle gebaut. In den 70er-Jahren wurde die Produktion eingestellt.

(sda/ise)