Die Japaner sind vorsichtige Menschen, auch in der Funktion als Automobilmanager. Das zeigte sich schon anlässlich der Lancierung der Luxusmarke Infiniti aus dem Nissan-Konzern vor nicht ganz einem Vierteljahrhundert. Gedacht waren die damaligen Fahrzeuge einerseits für den Heimmarkt, anderseits für den wichtigen US-Markt. Nicht aber für Europa. Demzufolge wurden die Autos auf diese zwei Zielmärkte getrimmt: Viel Luxus, grosse Motoren und ein sehr weich abgestimmtes Fahrwerk dominierten. Kraft und Komfort standen im Vordergrund, das ganze japanisch zurückhaltend.

Was Europa betraf: Mit Mercedes, Audi, BMW & Co. wollte man sich in deren heimatlichen Stammlanden nicht anlegen - anders als in den USA. Dort wurde Infiniti, ähnlich wie Lexus, die Luxusmarke von Toyota, ein beispielloser Erfolg und überholte bereits nach ein paar Jahren die Premiummarken aus Deutschland.

Auf nach Europa mit Verspätung

Erst mit der Entwicklung einer neuen Modellreihe begannen die Infiniti-Manager darüber nachzudenken, unter welchen Bedingungen sie die Marke nach Europa bringen könnten. Im Vorfeld fanden ausgiebige Test auf deutschen Autobahnen und dem Nürburgring statt. Das Ziel hiess: Fahrwerk, Motoren (V6 und V8) sowie Getriebe für Hochgeschwindigkeitsfahrten standfest zu machen. Ausserdem wurden die Fahrwerke für die Europa-Serien deutlich straffer ausgelegt als für den japanischen und den US-Markt, ohne dass jedoch der Fahrkomfort auf der Strecke bleibt. Ab Mitte 2008 war Infiniti für Europa bereit.

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Garantierte VIP-Betreuung

All diese Massnahmen allein genügen im Luxussegment jedoch nicht, um verwöhnte europäische Käufer zu überzeugen. Denn die angepeilte Kundschaft ist gegenüber neuen First-class-Anbietern extrem kritisch eingestellt. Das gilt nicht zuletzt für Kundenservice und Nach-Verkauf-Betreuung. Infiniti garantiert deshalb über sein VIP-Programm jedem Käufer eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung.

Stehen Service oder Reparaturen an, wird das Fahrzeug beim Eigentümer abgeholt und auch wieder zurückgebracht. In der Zwischenzeit steht dem Kunden ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung. Dasselbe gilt für den Fall, wenn während einer Fahrt eine Panne auftreten sollte. Ob das allerdings reicht, um Umsteiger zu rekrutieren, bleibt vorläufig offen. Zumal der japanische Luxusableger die Frage des heute so wichtigen Treibstoffverbrauchs noch nicht im Griff hat.

Was das Verkaufsvolumen betrifft, gilt allerdings hierzulande die Devise: Keine überstürzten Aktionen. «Ein kleiner, aber zufriedener Kundenstamm ist uns wichtiger als grosse Volumen», heisst es bei Infiniti. Habe sich die Marke gefestigt und sei sie durch ihre Qualität bekannt, stellten sich auch grössere Volumen ein, geben sich die Japaner überzeugt. Ein Blick auf den Konkurrenten Lexus spricht in diesem Zusammenhang Bände. Trotz guter Qualität dauerte es über ein Jahrzehnt, bis die Luxuswagen der Toyota-Tochter in Europa ernst genommen wurden.

400 Verkäufe in der Schweiz

Seit Dezember des vergangenen Jahres ist Nissans Edeltochter nun auch in der Schweiz präsent, keine Minute zu früh; aber der Start hierzulande fällt in eine wirtschaftlich schwierige Zeit. Die Firma Sarenne Motors mit Sitz in Rolle/Lausanne besitzt die Exklusivrechte für den Infiniti-Import. Als Verkaufsstützpunkte sind vorerst zwei Zentren, eines in Zürich und eines in Genf, in Betrieb. Zwei weitere im Kanton Waadt und in der Region Basel sind geplant oder im Bau. Wie der Geschäftsleiter der Niederlassung Zürich, Peter Müller, sagt, rechnet er im ersten Jahr schweizweit mit bis zu 400 Infiniti-Auslieferungen.

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