Sein Reich fährt er am liebsten im grünen Range Rover ab. Jean-François Rime herrscht im freiburgischen Bulle über 106000 Quadratmeter. Überall stapeln sich Holzstämme und Stahlplanken. Auf dem Gelände haben eine Sägerei, eine Gartenbau- und eine Strassensicherheitsfirma ihren Firmensitz. Sie bescherten dem Unternehmer und SVP-Nationalrat vergangenes Jahr einen Umsatz von 45 Millionen Franken.

Wenn es nach Rime geht, soll sein Machtbereich bald deutlich wachsen. In Bern wird er als Kandidat für den Bundesrat gehandelt. Sein letzter Versuch war im Vorjahr gescheitert.

Im Greyerzerland sieht man Rimes Ambitionen freilich mit gemischten Gefühlen. Denn ein Teil seines Geldes verdankt er Staatsaufträgen. Seine Firma Sagérime handelt und montiert Schutz-, Gleitwände und Leitplanken vor allem auf Autobahnen. Auftraggeber ist indirekt die öffentliche Hand – allen voran das Bundesamt für Strassen (Astra).

Es ist ein Millionenmarkt. Rund 100 bis 120 Millionen Franken werden in der Schweiz jährlich umgesetzt. Rimes Firma, die er präsidiert und zusammen mit seiner Schwester besitzt, spielt dabei eine wich­tige Rolle. Sie importiert und montiert ­jene Stahlgleitwände und Baustellenabsicherungen, welche auf Schweizer ­Autobahnen am häufigsten zu sehen sind. Vario- und Miniguard heissen sie. Die Marke gilt als «Quasi-Standard» in der Schweiz und findet sich in allen elf Werkhöfen. Bei Submissionen wird sie namentlich verlangt. Es sei ein praktisches System, das rasch ein befriedigendes Schutzniveau biete, schwärmt man beim Astra.

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Zehn Jahre lang war Rimes Firma einzige Importeurin

Über zehn Jahre lang war Rimes Firma einzige Importeurin der in Deutschland produzierten Stahlschutzwände. Inzwischen vertreibt und montiert auch Weleco die Wände. Die Zürcher Firma gilt heute als Nummer eins im Markt. Zusammen halten die beiden um die 50 Prozent Marktanteil, sagen Marktkenner.

«Wir gehen davon aus, dass die we­nigen Anbieter gut verdienen», sagt ein Astra-Filialleiter, der anonym bleiben will. Die Konkurrenz hat daran keine Freude. Sie hat bei der Auftragsvergabe meist das Nachsehen. In den öffentlichen Ausschreibungen des Astra wird nämlich «Varioguard oder gleichwertig» verlangt. Die gleichwertigen Wände gäbe es zwar, nur haben die Unternehmen mit denen kaum Chancen. «Sogar wenn andere Produkte günstiger sind, nimmt man sie nicht», sagt ein Westschweizer Anbieter.

Die Markenteile selbst anbieten können sie nur in der Theorie. «Wir haben keinen anderen Einkaufskanal als die beiden Importeure», sagt ein Marktteilnehmer. Dort müsse man aber mehr bezahlen als beim Direktkauf. Denn Weleco und Sagé­rime seien interessiert, die Aufträge selbst auszuführen.

Die Produkte direkt aus Deutschland zu beziehen, sei nicht möglich. Unternehmer Didier Gasser hat sogar eine Firma in Frankreich gegründet, um über das Ausland an die Stahlwände zu gelangen. «Es war kein Durchkommen», sagt er. In Frankreich wurde er an die deutsche Mutter verwiesen, in Deutschland an die Schweizer Partner. Die Wände werden in Deutschland von einer Produktionsfirma hergestellt, die zwei Handelsfirmen gehört. Von den beiden arbeitet die eine mit Weleco, die andere mit Sagérime zusammen. Gasser behauptet, Sagérime blockiere den Import. Beweise hat er keine. Bei der Wettbewerbskommission stiess Gasser bisher auf taube Ohren. Nun dreht der Wind. «Es ist möglicherweise ein kartellrechtliches Problem», sagt Weko-Sprecher Patrik Ducrey. Man müsse den Fall im Detail anschauen.

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Man kennt sich

Jean-François Rime beteuert, es gebe keine Exklusivverträge zwischen Sagérime und dem deutschen Lieferanten. Es sei aber richtig, dass die Firma die Wände nicht jedem verkaufe. Dies begründet er mit Sicherheitsaspekten. Dass Sagérime von öffentlichen Aufträgen profitiere, verneint er. «Wir führen die Arbeiten als Subunternehmen aus, unser Auftraggeber ist nicht der Bund, sondern Bauunternehmen.» Die Auftragslage bei Sagérime hänge aber stark von der Bautätigkeit des ­Bundes, sprich des Astra, ab. «Deshalb schwankt unser Umsatz von Jahr zu Jahr stark», sagt Sohn und Sagérime-Chef ­Pierre Rime. Sein Vater sei für die Firma nie operativ tätig gewesen und habe nie mit Kantonsbehörden Preise verhandelt.

Freilich hat Nationalrat Rime zusammen mit anderen Politikern auch schon mal interveniert, um blockierte Submissions-Verhandlungen für Autobahn-Sanierungen im Kanton Freiburg zu beschleunigen.

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Die starke Marktposition von Sagérime erklären die Rimes mit der Historie. «Wir waren die Ersten, die in den 1990er-Jahren auf mobile Stahlschutzwände gesetzt hatten.» Zusammen mit Kantonsingenieuren habe man die Systeme an Schweizer Bedürfnisse angepasst. Das hat Kontakte gebracht, die heute noch nützlich sind. Der frühere Kantonsingenieur von Bern ist heute Direktor des Astra. Mit dessen Vorgänger sind die Rimes per Du. Er wohnt wie sie in Bulle. Und er fährt gern mal mit dem Fahrrad am Firmengelände vorbei und winkt dem Dauer-Bundesratskandidaten zu.