Als geborener Brite störte John C. Ermel schon immer, dass die Uhren in der Regel nur 12 Stunden anzeigen, kennt man in der Englisch sprechenden Welt doch die klare Unterscheidung von Vor-Mittag und Nach-Mittag dank den lateinischen Abkürzungen a.m. und p.m. Als sein im Jahr 1987 eröffnetes Designstudio den Auftrag zu einem neuen Uhrendesign erhielt, wurde Ermel dieses «Defizit» wieder bewusst. Über Jahre opferte der Technikfreak und unermüdliche Tüftler seine freie Zeit für eine Lösung, die er im mathematischen Phänomen der Pascal?schen Schnecke - einer kreisförmigen Konchoide - fand.

Ein radial verschiebbarer Stundenzeiger beschreitet aus der gleichen Achse heraus zwei exzentrische Kurven für die ersten und die zweiten 12 Stunden eines Tages, wobei der Wechsel von einer auf die andere Laufbahn auf der 6-Uhr-Position erfolgt. Man muss es gesehen haben, um es restlos zu begreifen - des Erfinders Homepage macht dies möglich!

Nach erstem Auftritt ausverkauft

Damit schuf Ermel eine Weltneuheit, die er patentieren liess und auf den Namen Cyclos taufte. Für die Serienreife tat er sich mit zwei herausragenden Uhrmacherkonstrukteuren von CompliTime zusammen, mit Robert Greubel und Stephen Forsey. Die erste der geplanten, auf 25 Stück limitierten Auflage wurde auf der «BaselWorld 2002» präsentiert. Am Ende der Messe herrschte Euphorie: Alle 25 Stück waren vorverkauft.

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Grund genug für John C. Ermel, die nötigen Komponenten gleich für 500 Uhren bei den verschiedenen Zulieferern zu bestellen, um daraus nach und nach eine ganze Kollektion mit verschiedensten Modellen in unterschiedlichen Materialien fertigen zu lassen.

Warten auf den Durchbruch

Trotz bester Werkkomponenten mit Basiskaliber 2892-A2 von ETA in Luxusausführung und hervorragender Chronometerzertifizierung (nur 22 Sekunden Vorgang in zwei Monaten) sowie tadellos verarbeitetem, fünfteiligem Gehäuse ist der grosse Durchbruch bis heute (noch) nicht erfolgt. Als Einzelkämpfer mit Einzelprodukten ist die Vermarktung schwierig; es fehlen die Stärke einer Marke und die dafür notwendigen monetären Mittel. Doch der vielseitige Ingenieur und Designer lässt den Kopf niemals hängen und tüftelt konstant an neuen Erfindungen. Freie Zeit nimmt er sich nur für die Familie - schliesslich sorgt seine Frau als Lehrerin für ein konstantes Einkommen.

Auch seine zweite Erfindung ist eine so noch nie gesehene Komplikation, die Ermel wegen einfacherer Grössenverhältnisse zuerst in Form einer Tischuhr umsetzte. Eine vom Minutenrad ausgehende Kreisbewegung wird auf überraschende und faszinierende Art in eine Quadrat-Bewegung der Minutenzeigerspitze transformiert (Hypotrochoiden-Getriebe). So passt die rotierende Zeigerbewegung erstmals zu einer quadratischen Minutenskala und zu einem quadratischen Gehäuse. Das Einzelstück Square Circle sorgte auf der «BaselWorld 2006» am Stand der AHCI (Académie Horlogère des Créateurs Indépendants) für viel Aufsehen und fand gleich einen Käufer.

Zwei Jahre und unzählige Anläufe später ist es dem Ausnahmetalent gelungen, das von ihm entwickelte und patentierte Hypotrochoiden-Getriebe in die Grösse einer Armbanduhr zu komprimieren. Auf mysteriöse Weise läuft der Stundenzeiger als blauer Saphir ohne sichtbare Verbindung zum Zentrum auf einer quadratischen Bahn, während die Minuten mit einem besonders gestalteten Zeiger angezeigt werden. In dieser ausgereiften Weltpremiere ist sein Know-how als Ingenieur, Architekt und Uhrmachermeister perfekt vereint. Sie wird in der Halle 5.1 gemeinsam mit den Kreationen von Vianney Halter, Kari Voutilainen und weiteren Kollegen auf der «BaselWorld 2009» zu sehen sein.

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Haldimann Horology: Altes neu erforschen

Angular Momentum: Die Uhr mit dem Dreh

Für den Sohn eines Postbeamten deutete vorerst nichts auf eine Ausbildung zum Uhrmacher hin, umso mehr, als zum Zeitpunkt seiner Berufswahl die Schweizer Uhrenindustrie Zehntausende von Arbeitsplätzen als Folge der Quarzkrise verloren hatte. Doch eine Schnupperwoche beim Bijoutier und Uhrmacher Dällenbach in Uetendorf gefiel dem jungen Haldimann so gut, dass er nach Schulabschluss bei ihm die Lehre zum Uhrmacher-Rhabilleur machte. Dort faszinierte ihn vor allem die Restauration alter Sammlerstücke. Nach der RS fand er Arbeit bei der ETA in Grenchen.

1991 machte sich der damals 27-Jährige in Thun mit der Einzelfirma Haldimann Horology selbstständig. In den Anfängen absolvierte er die Zusatzausbildung zum Uhrmachermeister auf der Uhrmacherschule Solothurn und verdiente sein Brot mit Restaurationsarbeiten.

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Alles von A bis Z aus einer Hand

Erst da begriff Haldimann, was Altmeister vor 300 Jahren schon beherrschten, und dass er selbst - trotz seiner Ausbildung - ganz am Anfang stand. «Wir bleiben ein Leben lang Lehrlinge und müssen jede knifflige Aufgabe mit Geduld lösen. Nur so können bei monatelangen Entwicklungen Kinderkrankheiten vermieden werden und zuverlässige, ganggenaue mechanische Zeitmesser entstehen», ist der Thuner Uhrmachermeister überzeugt.

Haldimann setzte sich zum Ziel, möglichst nahe an eine 100%ige Wertschöpfungstiefe zu gelangen. Dazu gehört auch ein über Jahre erworbener Maschinenpark, den er mit seiner Belegschaft restaurierte. Bis auf die Spiralen, Steine, Saphirgläser und handgenähten Alligatorlederbänder wird alles selbst gefertigt. So betrachtet, ist jede Haldimann-Uhr ein Unikat, für welche Liebhaber und Sammler bereit sind, 150000 und weit mehr Fr. zu investieren. «Die aktuelle Finanzkrise ist für uns eher positiv, da jetzt mehr Menschen reelle Werte suchen», stellt Haldimann fest.

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Sein erstes Meisterwerk präsentierte er als Mitglied der AHCI (Académie Horlogère des Créateurs Indépendants) 1999 in Basel: Einen klassischen Sekunden-Regulator, wofür er eine freie Federkraft-Hemmung erfand, die ein Jahr später als Haldimann-Hemmung patentiert wurde. Auf der Messe Basel 2000 folgte der in Zusammenarbeit mit Stephan Gagneux entwickelte Doppelregulator H101 Resonanz. Seit Abraham-Louis Breguet gelang es keinem mehr, so präzise Doppelpendelregulatoren zu bauen - ein Exemplar steht im Internationalen Uhrenmuseum in La Chaux-de-Fonds.

Seine erste Armbanduhr konnte Haldimann erst 2002 präsentieren, nachdem ein langfristiger Arbeitsvertrag mit einer renommierten Uhrenfirma 2001 erfüllt war. Die H1, ein fliegend konstruiertes Zentraltourbillon von 16,8 mm Durchmesser, so gross wie das einer 16-linigen Taschenuhr, um den faszinierenden Klang von früher in die Armbanduhr zu bringen. Dass er trotzdem Platz für den Stunden- und Minutenzeiger fand, war die grosse Herausforderung.

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Die H2 Resonanz ist eine weitere geniale Schöpfung Haldimanns, die es so noch nie gab. Es ist die Miniaturisierung seiner Doppelpendeluhr in einer Armbanduhr, wobei sich über dem Zifferblattzentrum zwei Doppeltourbillons erheben, die in gegenläufiger Richtung im Gleichklang schwingen.

Noch verblüffender präsentiert sich seine jüngste Kreation, die H8 Sculptura: Sie besteht «nur» aus einem Zentraltourbillon und zeigt keine Zeit an, doch sie «spielt und singt» unglaublich schön.

Haldimann arbeitet mit sieben Uhrmachern in einem wunderschönen Jugendstilhaus im Berner Oberland. Es ist gross genug, um darin über den Ateliers mit seiner Frau und Mitarbeiterin sowie den drei Kindern zu wohnen. Es bildet, ausgestattet mit gesammeltem Mobiliar aus der Sezessionszeit, ein grossartiges Ganzes.

Seine erste Karriere machte der Berner Martin Pauli im Bereich Gestaltung und Marketing im Warenhaus Loeb, wo er vom Dekorationsgestalter über den Atelierchef zum Marketingchef aufstieg. Produkte zu kreieren, zu gestalten und zu realisieren, sind Paulis Stärke, die er seit zehn Jahren für sein eigenes Unternehmen einsetzt. Dabei war sein erster Auftrag alles andere als einfach: Statt mit dem vereinbarten Honorar für Kreation und Aufbau einer Uhrenmarke stand er nach einem Jahr mit den Prototypen alleine da. Er hatte die Wahl, alles zu verlieren oder sich mit der Übernahme von Marke und Prototypen quasi bezahlen zu lassen. Der damals 37-Jährige packte die Chance und kniete sich in die für ihn unbekannte Uhrentechnik.

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Angelehnt an die Astrophysik

Zentraler Punkt der Uhrenkollektion ist ein patentiertes Drehscheibensystem, wovon auch der Markenname abgeleitet ist: Angular Momentum. Ein Begriff aus der Astrophysik, welcher soviel bedeutet wie Drehmoment. Die Zeit wird statt mittels Zeigern auf sich drehenden, mit Ziffern beschrifteten Scheiben angezeigt; je eine für die Stunden, Minuten und Sekunden, die durch eine Öffnung im Zifferblatt abgelesen werden. Die in der Branche längst bekannte Drehscheibentechnologie (R.D.S.) erlaubt einen grossen, freien Zifferblattbereich, welcher dem Gestalter Pauli alle Möglichkeiten offen lässt, seinen Uhren immer wieder ein völlig neues Gesicht zu verpassen und auf die Vorlieben von Uhrenfreaks in den verschiedenen Märkten einzugehen.

Ein vielseitiger Kunsthandwerker

In den vergangenen Jahren hat sich der fantasiereiche Gestalter, der in seiner Freizeit auch malt, verschiedenste Kunsthandwerke völlig autodidaktisch beigebracht. Zudem tauscht er sich auch mit Uhrmacherkollegen aus Kleinunternehmen aus und lässt sich beraten. Doch das Emaillieren, das Zeichnen von Miniaturen auf Porzellan, die japanische Lackkunst oder die Hinterglasmalerei (verre églomisé) hat er sich in geduldigem Üben selbst beigebracht.

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Zeugen dieser Saphir-Hinterglasmalereien finden sich auf der Angular-Momentum-Website zu Dutzenden in der Kollektion Artisan Time Pieces. Dort können ebenfalls russische Zaren auf Email-Zifferblätten oder Porzellanminiaturen von Haremsszenen bewundert werden. Die meisten Zeitmesser dieser Artisan-Kollektion werden als Unikat auf Bestellung hergestellt oder in limitierten Kleinserien angefertigt. Die Juweliersstücke mit Top-Wesselton-Diamanten in den verschiedensten Schliffen lässt Pauli bei den besten Steinfassern verarbeiten. «Die Uhren dieser Kollektion sind nicht massentauglich. Sie werden für Menschen kreiert und angefertigt, die das Spezielle suchen», hält er fest.

Martin Pauli hat allerdings auch das Verständnis für die technische Uhrenseite entwickelt, wie seine erste Kollektion, die Technical Time Pieces, zeigt. Sie gefällt vor allem in der Schweiz und in Europa - auch jungen Menschen, die sich das Preissegment ab 2000 Fr. für besondere Automatikuhren leisten. Alle Uhren von Angular Momentum ticken mit Automatikwerken und garantieren eine Wasserfestigkeit bis 100 m. Pauli bezieht die Rohwerke von ETA oder Selitta; er bearbeitet und verziert sie in seinen Ateliers im Berner Vorort Ittigen. Angular-Momentum-Uhren sind in 18 Ländern erhältlich, vor allem im arabischen Raum und in Russland. Seit 2002 geniessen Touristen und Heimpublikum den Vorteil der ersten Boutique - der Time Gallery an der Brunngasse 58 in der Berner Altstadt.

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