Die globalen Absatzmärkte für pharmazeutische Produkte erfordern eine Distributionskette, die sich durch Flexibilität und effiziente Prozesse über die gesamte Wertschöpfungskette auszeichnet. Damit der Vertrieb der Produkte besser global koordiniert werden kann, müssen Lösungen gefunden werden, welche die Fragmentierung der Distributionsketten kompensieren. Im Kompetenzzentrum «Zukunft eLogistics» des Instituts für Prozess- und Technologiemanagement der Universität Ulm geht man von einem visionären Modell aus, bei dem ein Pharmaunternehmen eigene und fremde Produkte in einer «Mehrpräparate-Box» kundenindividuell aufgrund eines Arztrezepts konfiguriert. Das Pharma-unternehmen erhöht damit seinen Dienstleistungsgrad, verbessert die Kundenbindung und die Planungssicherheit. Diese kundenspezifische Konfektionierung führt zu weitreichenden Veränderungen in der Distributionslogistik. Die Herausforderungen lassen sich mit den folgenden vier Merkmalen charakterisieren:

Kunde und Markt: Sicherheit, Flexibilität und Lieferqualität.

Information und Koordination: Informationstransparenz über die gesamte Logistikkette, Koordination unter den Distributionspartnern.

Führung und Verantwortung: Prognosegenauigkeit, optimale Bestandesführung und flexible Auftragsabwicklung.

Effizienz und Effektivität: Optimierung der Umschlagpunkte.

RFID, GPS, GSM, Sensoren und globale Standards wie EPCglobal werden bereits in vielfältigen Anwendungsgebieten der Logistik eingesetzt. Das folgende Beispiel beschreibt eine typische Anwendung in der Pharma-Distributionskette und intergriert mehrere Technologien. Diese ermöglichen einen Logistikprozess, der den Versand temperaturkritischer, UV-Licht-empfindlicher und feuchtigkeitsempfindlicher Arzneimittel optimiert. Die Firma Gehe Pharma hat ein RFID-Projekt umgesetzt, um den Transport von sensiblen Pharmaprodukten mittels RFID und GSM zu überwachen.

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Kern der Lösung ist die aktive, lückenlose Temperaturüberwachung und Ortung der transportierten Produkte. UV- und feuchtigkeitsempfindliche Produkte werden zusätzlich mittels entsprechender Sensoren überwacht. Die Aufzeichnung des Temperaturverlaufs der mit RFID-Tags ausgestatteten temperaturkritischen Artikel wird vor dem Verladen gestartet. Anschliessend werden die Transportbehälter dem Empfänger zugestellt. Während des gesamten Transports werden die Geokoordinaten des Behälters und die Temperaturmesswerte laufend aufgezeichnet. Bei kritischen Messwerten erhält der Logistik-Server per SMS umgehend eine Alarmmeldung. Ebenfalls wird bei der Öffnung des Behälters per SMS eine Information an den Server gesandt. Nachdem die Transportbehälter wieder bei Gehe eingetroffen sind, werden die Temperaturdaten ausgelesen, an die zentrale IT-Instanz übermittelt und ausgewertet.

Zukünftige Logistikkonzepte

Die Eckpfeiler der künftigen Logistik sind durch folgende fünf Merkmale charakterisiert:

Konvergenz der Waren-, Informations- und Finanzströme: Der Einsatz von Informationstechnologie bei Gütern und Transportmitteln erzeugt einen dezentralisierten Datenfluss.

Medienbruchfreie Schliessung des Informationskreislaufs über alle Logistikstufen: Mit der vollständigen und sofortigen Verfügbarkeit sämtlicher Informationen über das Sendungsgut, über die Prozessregeln und die Transportbedingungen vor Ort lässt sich der Informationskreislauf an jeder Stelle und zu jedem Zeitpunkt zwischen Sender und Empfänger schliessen.

Dezentralisierung der Prozesslogik: Der dezentralisierte Datenstrom erlaubt die Migration von Datenerfassung, Prozesslogik, Informationstransport und Leistungsverrechnung aus den heutigen zentralisierten Informationssystemen zu autonom handelnden, dezentralisierten physischen Objekten und Steuerungseinheiten.

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Übergang von Logistikketten zu hoch flexiblen Logistiknetzwerken: Mit der auf den Gütern gespeicherten Prozesslogik wird sich künftig Ware weitgehend autonom durch die Logistikinfrastruktur steuern. An den Umschlagstellen werden die Bedingungen für den Weitertransport automatisiert aufgrund der auf den Waren gespeicherten Information von Software-Agenten und elektronischen Handelsplätzen ausgehandelt.

Veränderung der Geschäftsmodelle in der Logistikkette: Sind heute noch weitgehend definierte Logistikketten vom Sender zum Empfänger üblich, werden künftig Netzwerke mit Ad-hoc-Verbindungen für den Transport von Waren eingesetzt.