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Fussball
Jeffrey Webb: Sepp Blatters Zuckerbäcker

Die US-Justiz klagt den Fifa-Vize an. Webb lieferte den Strafverfolgern mit einem Bericht eine Steilvorlage.

Von Sven Millischer
am 28.05.2015

In Georgetown gehört Jeffrey Webb eine Backstube. Doch der von den Cayman Islands stammende Brite ist dem Kleingewerbe längst entwachsen. Nach einer Karriere in der Offshore-Finanzindustrie betrat er vor drei Jahren die Bühne des Weltfussballs, als er zum Fifa-Vizepräsidenten gewählt wurde. Zuvor war er am Hauptsitz in Zürich tätig, als Mitglied der «Transparency & Compliance»-Kommission.

Just in der Limmatstadt erreicht Webb nun der lange Arm der US-Justiz. Im Morgengrauen begleiteten Polizisten den Vize des mächtigsten Sportverbandes der Welt aus der Zürcher Nobelherberge Baur au Lac. Mit Webb sitzt jener Mann in Untersuchungshaft, der als rechte Hand des Walliser Fifa-Königs Sepp Blatter gilt. Ein Spitzenfunktionär, von dem Verbandsintimus und Strafrechtsprofessor Mark Pieth sagt: «Er war einer, von dem ich gesagt hätte, dass er in Frage kommt als Nachfolger von Sepp Blatter.»

Aufarbeitung als Eigengoal

Im Fokus der Strafverfolger steht die Nord- und Zentralamerikanische und karibische Fussballkonföderation, kurz Concacaf, deren Präsident seit drei Jahren Webb ist. Der Verband hat schon lange einen schlechten Ruf. Webbs altgedienter Vorgänger – Jack Warner – griff dermassen schamlos in die Kassen des Regionalverbands, als wären es seine trinidadischen Privatschatullen. Auch Warner muss sich nun vor der US-Justiz verantworten.

Jeffrey Webb rief selber eine Integritätskommission ins Leben, um die Machenschaften seines Vorgängers aufzuarbeiten. Der Abschlussbericht umfasst 140 Seiten und kommt zum Schluss, dass Jack Warner und sein Generalsekretär Chuck Blazer Fifa und Concacaf betrogen, Gelder veruntreuten und dass Blazer sogar gegen US-Steuerrecht verstossen habe. Es sind just diese Steuerdelikte, welche der Justiz nun als Einfallstor dienen um die Komplotteure zur Strecke zu bringen. Der vermeintliche Schlussstrich unter die Ära Jack Warner wird so für Jeffrey Webb zum Eigengoal.

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