Zurzeit läuft das zweite Bieterverfahren für den Jelmoli-Immobilienteil. Das bestätigt Yonas Mulugeta, Leiter Investment beim Immobiliendienstleister Colliers CLS, der «Handelszeitung». Jelmoli will im Laufe des Juli den Entscheid über die Zukunft des Immobilienpakets fällen (siehe «Nachgefragt»).

Unter den rund 90 Jelmoli-Immobilien befinden sich Perlen wie das Zürcher Warenhaus, das Shoppingcenter in Thonex (Genf) oder das Entwicklungsprojekt im St. Galler Stadion, die wegen ihrer Toplage auch zum Werttreiber des Immobilienpakets gehören.
Auf 2,7 Mrd Fr. hat die Beratungsfirma Wüest & Partner das Immobilien-Portefeuille bewertet. Dass der Verkaufspreis höher liegen wird, ist jetzt schon klar. Die beiden Grossaktionäre Georg von Opel und Walter Fust würden gar 3,5 Mrd Fr. anstreben, wird in der Branche erzählt. Nach dem lukrativen Verkauf der Elektrohaushalt- und Multimedia-Sparte Fust an Coop für 990 Mio Fr. habe Jelmoli einen noch fetteren Braten im Immobilienteil gerochen und glaube, den Preis noch weiter nach oben treiben zu können. Goldman Sachs hat das Beratermandat. Gemäss Insidern wird es vom Rechtsanwaltbüro Homburger unterstützt. Colliers-Mann Mulugeta nimmt an, dass Jelmoli das Immobilienpaket als Ganzes verkaufen werde und ein Käufer nachher einzelne Teile wieder verkaufen könnte. Denn in einem Gesamtpaket erhalte Jelmoli mehr.

Drei Investoren im Rennen

Als mögliche Schweizer Käufer werden die Immobiliengesellschaften Swiss Prime Site und PSP Swiss Property gehandelt. Mit einem Portefeuille von 4,8 Mrd Fr. wäre PSP in der Lage, allenfalls auch in einer Partnerschaft als Co-Investor, das Immobilienpaket zu übernehmen. Beide Firmen wollen sich aber als Interessenten nicht outen. «Die meisten Immobiliengesellschaften am Markt wollen wachsen, daher könnte für einige das Jelmoli-Immobilienpaket interessant sein», sagt Vasco Cecchini, Pressesprecher von PSP Swiss Property.
Trotzdem sind nicht alle grossen Schweizer Immobilienfirmen in den Verkaufsprozess involviert. «Das Preisgefüge liegt über unseren Erwartungen», sagt etwa Bruno Schefer, CEO der Immobiliengesellschaft Züblin, die über ein Portfolio von 1,8 Mrd Fr. verfügt. «Jelmoli hat zwar erstklassige Immobilien. Wir suchen Immobilien mit Renditen von über 5%.»
Marktgerüchten zufolge sind noch drei Bieter im Rennen. Davon auch ein Ausländer. Dabei wird ein russischer Investor genannt, da Jelmoli in Moskau bei der Entwicklung des Mosmart Hypercenter beteiligt ist.
Die neusten Umsatzzahlen zu den Mieterträgen für das 1. Semester 07 zeigen auch die Bedeutung des Immobilienschatzes. Jelmoli-Chef Gustav Stenbolt erklärt: «Hauptgründe für die Steigerung sind der Kauf der Eschenmoser-Liegenschaften und unsere Projekte in Lutry und Hiltl Zürich, die wir fertiggestellt haben. Dazu haben wir Leerstände bereinigt und Optimierungen gemacht.» Das habe zur Steigerung von 7,7% oder flächenbereinigt zu 4,9% geführt.

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Zukunft Warenhaus und Molino

Nach wie vor unklar ist auch die Zukunft des nach dem Verkauf von Fust übrig gebliebenen Detailhandels und der Gastrobetriebe. Dazu gehören das Warenhaus in Zürich, die 15 Molino-Restaurants, die 8 Beach Mountain Stores und die 13 Fundgruben. Der grösste Brocken ist das Warenhaus. Dabei zeigen vor allem Ausländer wie die deutsche KarstadtQuelle Interesse (siehe auch «Handelszeitung» Nr. 21 vom 23. Mai 2007). Als Käufer weniger in Frage kommen die grössten Schweizer Detailhändler wie Coop (Coop City), Migros (Globus) oder Manor, die selber an oder bei der Zürcher Bahnhofstrasse grosse Warenhäuser betreiben.
Manor hat Desinteresse bekundet (siehe auch «Handelszeitung» Nr. 25 vom 20. Juni 2007). Coop habe bezüglich des Warenhauses oder der Gastrokette Molino keinen Kontakt mit Jelmoli gehabt, lässt Coop-Chef Hansueli Loosli der «Handelszeitung» ausrichten, selbstverständlich werde aber alles geprüft, was auf dem Tisch liege. Auch aus dem Migroshaus ist kein Interesse zu vernehmen. Offiziell sagt Kommunikationsleiterin Monica Glisenti: «Wir äussern uns grundsätzlich nicht zu Übernahmen.»

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NACHGEFRAGT Gustav Stenbolt: «Wir werden im Laufe des Juli entscheiden»

Wollen Sie das Immobilienportfolio verkaufen?

Gustav Stenbolt: Der Entscheid ist noch nicht getroffen.

Zurzeit läuft ein Bieterverfahren via Goldman Sachs. Das deutet auf einen Verkauf hin.

Stenbolt: Goldman Sachs helfen uns, unsere verschiedenen Optionen zu überprüfen.

Welche Optionen überprüfen Sie zurzeit?

Name: Eigentlich alle, die wir bereits früher mitgeteilt haben.

Sie überprüfen einen Verkauf, Teilverkauf, Partnerschaft und einen separaten Börsengang von Detailhandel und Immobilien?

Stenbolt: Ganz genau.

Sie wollten Ende Juni, Anfang Juli den Entscheid fällen.

Stenbolt: Wir haben ein bisschen Verspätung.

Weshalb?

Stenbolt: Es sind wichtige Entscheide. Man muss sich treffen. Wir werden aber im Laufe des Juli entscheiden.

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Haben Sie den Entscheid noch nicht gefällt, weil Sie hoffen, den Verkaufspreis höher treiben zu können?

Stenbolt: Nein, es geht um den ganzen Prozess im Verwaltungsrat. Es gibt eine Reihe von Diskussionen.

Sind Sie sich im Verwaltungsrat nicht einig?

Stenbolt: Nein, es ist nicht so, dass wir uns nicht einig sind, aber wir müssen es diskutieren.