Jelmoli hat mit 3,4 Mrd Fr. für das Immobilienportfolio hoch ge­pokert. Zu hoch für den Käufer, der Neuverhandlungen des Kaufpreises verlangte. «In den nächs­ten Tagen wird entschieden», sagt Walter Fust, VR-Präsident der Jelmoli Holding. Das bestätigt auch Nadav Zohar, COO der Delek Global Real Estate: «In Bälde» soll es zu einer Einigung zwischen den beiden Parteien kommen. Das Käuferkonsortium besteht aus der Igal Ahouvis Blenheim Properties, Delek Global Real Estate und Delek Belron International; deren Besitzer sind israelische Inves­toren.

*«Kurspflege» des Grossaktionärs*
Bevor nichts unterschrieben ist, darf Fust allerdings nicht verraten, in welche Richtung der Entscheid gehen wird. Trotzdem meint er: «Uns ist es egal, in welche Richtung der Entscheid fällt. Bei einem Scheitern der Transaktion werden wir den Immobilienteil behalten und als Jelmoli Immobilien AG getrennt vom Detailhandel an die Börse bringen. Das ist vielleicht die bessere Lösung, auch im Interesse der Aktionäre.» Der Kurs der JelmoliAktie hat arg gelitten und ist innerhalb von drei Monaten um rund 22% gefallen. Fust ist mit 14,9% der Aktienstimmen nach Georg von Opel (54,9%) der wichtigste Aktionär der Holding.
Aus der operativen Chefetage der Jelmoli Holding ist zu hören, dass es im Kaufvertrag mit dem israelischen Konsortium viele Themen gebe, die man diskutiere und bei denen es auch kleine Veränderungen geben könnte. Man wolle aber den Preis nicht senken, und der Käufer könne eine grössere Tranche auch nicht erst später bezahlen. Bis Ende Oktober solle es zum Abschluss kommen.
Falls der Verkauf nicht klappt, will Jelmoli rechtliche Schritte zur Durchsetzung des Kaufpreises unternehmen. Aber das bleibt wohl eine Drohung: Einen weiteren Streitfall neben dem sich in die Länge ziehenden Prozess mit den Tivona-Altaktionären, bei dem es um die Bewertung von Aktienverkaufskursen geht, kann sich Jelmoli schlecht leisten. Das würde sich auf das Immobiliengeschäft und einen Börsengang des Immobi­lienteils blockierend auswirken.
Das Vertrauen in die Jelmoli- Führung schwindet. Es ist ihr bisher nicht gelungen, den Kaufpreis von 3,4 Mrd Fr. einzufordern. VR-Präsident Fust verteidigt sich: «Wegen der Hypothekarkrise in den USA konnte das Geschäft nicht so rasch vollzogen werden.» Doch ­diese trifft wohl den israelischen Käufer und nicht den Immobilienschatz von Jelmoli, der von der Beratungsfirma Wüst & Partner auf 2,7 Mrd Fr. bewertet wurde.

*Händler in Warteposition*
In der Branche sorgt der bisher nicht vollzogene Verkauf für Kopfschütteln. Es heisst, dass Vertreter der israelischen Käufer bereits als Makler für die Immobilien von Jelmoli herumrennen und diese anbieten würden. Ob sie das Geschäft auf diese Weise finanzieren wollen, mochte Nadav Zohar nicht beantworten. Fragen geht er aus dem Weg, bis die Verhandlungen mit Jelmoli abgeschlossen sind.
Interessenten für die Immobilien von Jelmoli gibt es nach wie vor. So zeigt PSP Swiss Property, die bis zum Handschlag von Jelmoli an das israelische Konsortium geboten hat, immer noch ihr «grundsätzliches Interesse», wie Mediensprecher Vasco Cecchini erklärt. Und Peter Wullschleger, CFO von Swiss Prime Site, meint: «Wir nehmen an, dass sich die beiden Parteien einigen, aber falls Jelmoli ihre Immobilien wieder auf dem Markt anbietet, werden wir aktiv und prüfen.»
Solange der Immobilienverkauf nicht geregelt ist, will Jelmoli nicht über einen Verkauf der Restaurantkette Molino oder des Sportgeschäfts Beach Mountain sprechen. Der Verkauf von Fust an Coop ist auf November vorgesehen, wenn der Entscheid der Wettbewerbskommission vorliegt. Noch immer besitzt das Käuferkonsortium eine Option auf den Warenhausbetrieb. Dass es diese wahrnimmt, bleibt weiterhin unwahrscheinlich.

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