Unter erfahrenen Bankern gilt der Neue an der Konzernspitze der UBS als der richtige Mann für die schwierige Zeit. «Oswald Grübel ist ein Glücksfall für die UBS», sagt Walter Knabenhans, lange Zeit CEO von Julius Bär und heute Präsident der Bank Bellevue. «Keiner kennt die Marktrisiken besser, und nur wenige eruieren und beheben Ineffizienzen so rasch wie er.»

Knabenhans (58) kennt den sieben Jahre älteren Grübel aus eigener Erfahrung. Bei der Credit Suisse war Knabenhans zuständig für den weltweiten Devisenhandel und rapportierte in dieser Funktion an Grübel. Nun erwartet er von seinem einstigen Vorgesetzten rasches Handeln bei der UBS. «Ein Kostenschnitt drängt sich auf, wenn klar ist, dass die UBS überdimensioniert ist», sagt Knabenhans. «Grübel kennt die Problematik von der CS her und wird sich nicht beirren lassen.»

Unter Analysten gilt als ausgemacht, dass Grübel das Kostenmesser schnell und tief ansetzen wird; und zwar nicht nur in der Investmentbank, sondern erstmals auch in der Vermögensverwaltung mit weltweit fast 50000 Mitarbeitern. Denn bisher blieben die Kapazitäten beim Paradebereich trotz Kundengeldabflüssen erstaunlicherweise unberührt. «Die UBS hat 2008 rund 30% weniger Kundenvermögen verwaltet, aber nur 3% Personal in der Vermögensverwaltung abgebaut», erläutert Analystin Madeleine Hofmann von der Bank Julius Bär. «Das wird das neue Management ändern und unbelastet von der Vergangenheit rasch und tiefgreifend sanieren.»

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Auch wenn Hofmann keine Prognose über den absehbaren Stellenabbau wagt, ist klar, dass ein solcher vor allem den Standort Schweiz trifft. Im Heimmarkt beschäftigte die Grossbank Ende 2008 26000 Mitarbeiter, davon 15000 im Retailgeschäft für kleinere Privat- und Kommerzkunden.

Der Rest verteilte sich auf 6000 Offshore-Kundenberater sowie auf die übrigen Bereiche Investmentbank, Asset Management für institutionelle Kunden und Stäbe. Auch in den USA mit 27000 Angestellten, in Asien mit 10000 und an weiteren Orten sind Jobkürzungen zu erwarten.

Dazu passt, dass die UBS neue VR-Mitglieder mit Finanzverstand holen will: ABB-Finanzchef Michel Demaré, Ann F. Godbehere, Ex-Finanzchefin von Northern Rock und Swiss Re, sowie Zurich-Konzerleitungsmitglied Axel P. Lehmann sollen im UBS-Strategiegremium Einsitz nehmen.

Kundenberater nicht ausgelastet

Pro Kundenberater sind die Erträge vor allem im Offshore-Geschäft, wo die UBS in der Vergangenheit die grössten Gewinne erwirtschaftet hatte, regelrecht eingebrochen. Erzielte ein Vermögensverwalter 2007 im Schnitt einen Umsatz von 2,4 Mio Fr., waren es im letzten Jahr noch 1,8 Mio Fr., ein Minus von einem Viertel. In den USA betrug dieser Rückgang gut ein Zehntel.

Betreut ein Kundenberater statt zehn Kunden, wie in den guten Zeiten, nur noch fünf Kunden, die weniger Vermögen bei der Bank halten und denen die Lust auf Börsengeschäfte vergangen ist, dann sinken Einnahmen und Auslastung dieses Mitarbeiters. Seine Kunden und deren Vermögen könnten zu einem anderen Vermögensberater verschoben werden, seine Stelle würde ersatzlos gestrichen.

Im Schweizer Retailgeschäft sieht die Lage weniger düster aus. Die 15000 Angestellten erzielten 2008 knapp 2,5 Mrd. Fr. Bruttogewinn. Problematisch ist hingegen auch im Geschäft mit der typischen Schweizer Kundschaft und den vielen kleinen und mittleren Unternehmen der Vermögensrückgang um 30%.

Laut dem emeritierten Zür-cher Wirtschaftsprofessor Hans Geiger, der einst in der Geschäftsleitung der Credit Suisse tätig war, wird die UBS ihre Kosten rigoros anpacken. «Zuerst wird das Management reduziert, dann werden ganze Funktionsbereiche aufgehoben oder massiv verkleinert, schliesslich wird die Belegschaft dem kleineren Volumen angepasst.»

Die Verkleinerung im Management nahm letzte Woche ihren Anfang, als der Bereich Schweiz die Zahl der Regionen von acht auf vier reduzierte. Jeder zweite Chef muss sich intern bewerben oder die Bank verlassen. In den nächsten Wochen dürfte die UBS die ganze Organisation auf diese Art verschlanken, das Management ausdünnen und an der Basis Jobs zusammenlegen.

Laut Professor Geiger hat die UBS schon immer einen grösseren Overhead als die CS unterhalten, mit tausenden von Stabsstellen zur Unterstützung der Frontabteilungen. «Die UBS war im Markt dafür bekannt, dass sie sich einen grossen Überbau leistet.»

Bleibt Grübel überall hart?

All diese Einschnitte werden für die Betroffenen schmerzhaft. Ob Grübel aber auch dort anpackt, wo ihm der härteste Widerstand droht, wird sich bei den rund 60 Mitgliedern des Group Managing Board zeigen. Dieses soll demnächst aufgelöst werden. Was mit den überflüssigen hochbezahlten Generaldirektoren passiert, wird zum Gradmesser, ob Grübel überall die gleiche Härte anwendet.