EMMI. Endlich wird Urs Riedener Chef eines Milliardenkonzerns, nachdem er vor drei Jahren den Aufstieg zum Migros-Chef knapp verfehlt hat. Allerdings steckt Emmi in arger Schieflage: Gewinnwarnung, sinkende Margen und harzendes Auslandgeschäft machen dem grössten Schweizer Milchverarbeiter zu schaffen.

Der Ostschweizer Bauernsohn und schnell denkender Ex-Migros-Marketingmanager wird ab dem 1. April 2008 Emmi wieder auf Erfolg trimmen und dabei mit unterschiedlichen Interessen umgehen müs-sen: Auf der einen Seite fordern Aktionäre, mehrheitlich Innerschweizer Milchbau-ern, und Lieferanten einen möglichst hohen Milchpreis. Auf der anderen Seite braucht Emmi möglichst tiefe Rohstoffpreise, um kostengünstig produzieren und dem Detailhandel ein attraktives Angebot unterbreiten zu können.

Den richtigen Ton treffen

In dieser Zwickmühle muss Riedener sein ganzes Verhandlungstalent einsetzen. Als Bauernsohn wird er bei den Lieferanten den richtigen Ton wohl besser treffen als sein stets korrekter, aber oft distanziert wirkender Vorgänger Walter Huber. Auf der Abnehmerseite im Inland wird der Noch-Migros-Mann pikanterweise auf seinen ehemaligen schärfsten Konkurrenten treffen: Coop.

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Vollgas im Ausland

Mit der Migros-Konkurrentin muss der 42-Jährige künftig um Preise und Produkte feilschen und sich dabei gegen die immer stärker werdende ausländische Konkurrenz beim Käse oder beim Functional Food behaupten. Dabei könnte sich Riedeners direkte und selbstbewusste Art als Vorteil erweisen.Im Ausland bleibt Riedener nichts anderes übrig, als die Expansion voranzutreiben, wenn er das selbstständige Überleben des Zentralschweizer Milchverarbeiters für die Zukunft sichern will. Das allerdings muss er mit besserem Kostenmanagement erreichen, was vor allem für das Marketing, etwa beim Kaltge-tränk Caffè Latte, gilt. Seine Erfahrung in der internationalen Vermarktung von Kaffee und Schokolade, die er bei Jacobs Suchard und Lindt & Sprüngli gesammelt hat, wird den Betriebswirtschafter der in St. Gallen studiert hat unterstützen. Vielleicht ist es ja Riedeners Vorteil, ein Unternehmen aus der Schieflage ziehen zu müssen. So könnte er sich 2008 als Turnaround-Manager profilieren.