Die Krise hat die hiesige Wirtschaft mit voller Härte getroffen und unmissverständlich vorgeführt, dass die Globalisierung nicht vor unserer Landesgrenze haltmacht. Bestand hat der «Sonderfall Schweiz» einzig noch an einem Ort - nämlich im Immobiliensektor.

Gemessen an den Verwerfungen in den USA und in Europa hielten sich hier die Preise nämlich vortrefflich, allenfalls machte sich in Teilmärkten eine leichte Abschwächung bemerkbar. Diese Entwicklung hat nun in der Branche und bei den Investoren zu einem folgenschweren Schluss geführt:Statt jetzt aus einer Position der Stärke heraus die Chancen in den sich erholenden internationalen Märkten zu nutzen, wird dem Ausland erst recht der Rücken gekehrt. «Im Moment ziehen sich Schwei-zer Immobilieninvestoren ins Schneckenhaus zurück», sagt Jan Eckert, Managing Director und Leiter Real Estate bei Sal. Oppenheim Corporate Finance (Schweiz). Eine unglückliche Situation, denn: «Aus einer Diversifikationssicht müsste man sich wünschen, dass die Schweizer Immobilieninvestoren über den eigenen Tellerrand hinausschauen.»

Einige wenige vorausschauende Köpfe sperren sich jedoch gegen den Trend; sie haben sich aufgemacht, eine Zukunft vorzubereiten, die der Rolle der Schweiz im Gefüge der Welt Rechnung trägt. So die Group of Fifteen, die führende Kräfte der Schweizer Immobilienbranche zusammenführt, um «Grenzen zu überschreiten und Denkanstösse zu generieren, die von allgemeinem Interesse sind», wie es deren Präsident Heinz Specker ausdrückt. Das Symposium, zu dem die G 15 am 3. Februar 2010 einlädt, läuft denn auch nicht von ungefähr unter dem Titel «Paradigmenwechsel: Schwingt das Pendel der Globalisierung zurück?».

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Bei den Denkanstössen bleibt es nicht. So wird ab 2011 eine internationale Hochschulausbildung im Immobilienbereich anlaufen, während die Branche schon heute mit im Ausland gültigen Kennzahlen arbeiten kann. Weitere Ideen harren der Umsetzung nicht selten fallen sie dabei der hiesigen Regulierung zum Opfer. Das zeigt sich auf der Seite der Investments, aber auch im Städtebau. Weil die Behörden weiter die Zersiedlung der Verdichtung vorziehen, könnte sich hier ein Gefahrenpotenzial aufbauen, warnt Eckert. Denn der mangelnde Wohnraum in den Zentren hat zu einer Verlagerung an die Peripherie geführt, wo sich die sinkende Nachfrage jetzt schmerzlich bemerkbar machen könnte. Wie bei der Ausbildung und den Kennzahlen wären die Ideen auch in der Raumplanung bereits vorhanden. Jetzt gilt es, sie auch zu beherzigen.