Am Freitag um 05.30 Uhr Schweizer Zeit ist es soweit: Dann stellt Tesla in Kalifornien sein neues Auto vor. Das Model 3 ist das vierte Modell des Elektroautobauers – und das gewagteste Vorhaben. Denn jetzt stösst der US-Konzern in den Massenmarkt vor: Die Vorgänger Roadster und S konnte sich nur ein kaufkräftige Kundschaft leisten, ebenso den Tesla X, der ab Sommer in der Schweiz zu haben ist.

Das Model 3 richtet sich hingegen an durchschnittliche Autokäufer. In den USA will Tesla lediglich 35'000 Dollar für den Wagen verlangen. Über das Auto ist noch wenig bekannt: Es soll rund ein Fünftel kleiner als die Oberklasselimousine S ausfallen und wird somit etwa die Grösse eines Audi A4 aufweisen.

Lange Wartefrist

Bei der Reichweite verspricht Tesla mindestens 200 Meilen (322 Kilometer). Und auf den Batterien soll eine ähnlich lange Garantie wie beim S gelten – also rund acht Jahre. Form, Innenausstattung und andere Eigenschaften will Tesla erst am Freitag preisgeben.

Auf den US-Strassen wird das Model 3 frühestens Ende 2017 zu sehen sein. Europäer müssen sich noch länger gedulden. Wer sich trotz der langen Wartefrist schon jetzt eines sichern will, kann  das Auto bestellen und eine Anzahlung von 1000 Franken leisten. Laut der «NZZ» haben sich bis Donnerstagmittag schon 200 Kunden in Zürich auf die Warteliste eingetragen. Analysten gehen von über 100'000 Reservationen weltweit in den nächsten Wochen aus, wie «Bloomberg» berichtet.

Anzeige

Entscheidender Test

Das Model 3 wird für Firmengründer Elon Musk zum entscheidenden Test: Mit dem neuen Fahrzeug wird klar, ob Musk sein Versprechen einlösen kann. Denn der Kalifornier sieht sich nicht als gewöhnlicher Autobauer: Seine Fahrzeuge und Batterien sollen die Bausteine liefern, um die gesamte Wirtschaft auf nachhaltige Energiequellen wie Sonne und Wind umzustellen.

Vor zehn Jahren legte Musk in einem «Masterplan» dar, wie er seine Revolution bewerkstelligen will: Tesla soll zuerst teure Autos bauen und anschliessend in den Massenmarkt vorstossen. Bislang geht der Plan auf. Das Model S ist das populärste Oberklassefahrzeug in der Schweiz, den USA und weiteren Märkten. Und Tesla gelang es, innert kurzer Zeit ein Netz von Schnellladestationen in Europa, Teilen Asiens und den USA aufzubauen, an denen die Kunden Strom tanken können.

Aktie im Hoch

Doch mit dem Model 3 stösst Tesla auf schärferen Gegenwind: Fast alle Autokonzerne entwickeln zurzeit eigene Elektrowagen und werden mit dem Model 3 konkurrieren. Und mit Apple und Google tüfteln Tech-Unternehmen an Autos, die wie Tesla einen visionären Ruf geniessen. Für Tesla wird es zudem schwierig, zwei seiner wichtigsten Verkaufsargumente zu bewahren: Ein umfassender Service und die Schnelllade-Infrastruktur. Ob der Konzern diese Leistungen hundertausenden von Kunden bieten kann, wird sich weisen.

Die Aktionäre haben den Glauben an Elon Musk jedenfalls  nicht verloren: Seit Anfang März hat die Aktie rund ein Viertel an Wert gewonnen – obwohl Tesla immer noch Verluste schreibt.