Nur einer hat ungeteilte Freude daran, dass bei der börsenkotierten BFW Liegenschaften die Macht gänzlich in den Händen des Gründers Beat Frischknecht liegt: Beat Frischknecht selber. Aktionäre und Analysten hingegen fordern seit langem, Frischknecht solle die Macht abgeben; er hält rund 10% der Aktien, hat aber mit 52% die Stimmmehrheit inne. Doch dazu ist es auch 2009 nicht gekommen, im Gegenteil. In einem dürren Communiqué gab Frischknecht Ende Dezember überraschend bekannt, vorerst werde die Einheitsaktie nicht eingeführt.

Die BFW konzentriert sich auf Wohnliegenschaften an B-Lagen und hält ein Portfolio von rund 434 Mio Fr.

Am Markt fiel die Reaktion auf die Nachricht unterschiedlich aus: Die Bank Sarasin wandte sich enttäuscht vom Titel ab und wandelte ihre bisherige Kaufempfehlung schnurstracks in ein «Sell» (Verkaufen) um - ein eher rabiates Vorgehen. Der Aktienkurs hingegen gab zwar nach, stürzte aber nicht ab und liegt derzeit stabil bei knapp 22 Fr.

Angst vor feindlicher Übernahme

Auf Anfrage der «Handelszeitung» zeigt der Ökonom und BFW-Verwaltungsratspräsident Franz Jaeger Verständnis für Frischknechts Haltung - «auch wenn ich selber nicht so entschieden hätte», wie er betont. «Die BFW ist das Kind Beat Frischknechts. Und er ist nun einmal der Meinung, dass das Übernahmerisiko bei der Einführung der Einheitsaktie zu gross ist.» Franz Jaeger räumt allerdings ein, dass sich eine Aktiengesellschaft gegen Übernahmen absichern kann, etwa mit Aktionärsbindungsverträgen. «Solche Möglichkeiten werden vom Verwaltungsrat derzeit geprüft», sagt Jaeger. Er bleibe überzeugt davon, dass die Einheitsaktie «irgendwann» kommen werde.

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Gemäss Jaeger wird der jetzt eingeschlagene Kurs auch vom Vertreter der bisher sehr Frischknecht-kritischen Grossaktionäre getragen. Zwar habe es zu Frischknechts Entscheid gegen die Einheitsaktie keine Abstimmung im Gremium gegeben. Der Verwaltungsrat stütze aber einmütig die Strategie, die er gemeinsam mit Frischknecht ausgearbeitet habe. Über die kommenden 12 bis 18 Monate soll ein Drittel der BFW-Gebäude verkauft und das Geld in Bauprojekte und Sanierungen gesteckt werden. «Wir halten Liegenschaften aus den Anfangszeiten der BFW, die nicht mehr in unser Portfolio gehören», sagt Jaeger. Der Zeitpunkt zum Verkauf sei günstig.

«Den Diamanten schleifen»

Der Alleingang Frischknechts setzt Übernahmefantasien vorerst also ein Ende. Nun muss der Firmengründer beweisen, dass seine Strategie der Konzentration auf zweitrangige Schweizer Wohnlagen sticht. «Wir müssen Ruhe bewahren und den Diamanten BFW schleifen», sagt Franz Jaeger. Derzeit liegt der Abschlag der Aktie zum inneren Wert (Net Asset Values) bei rund 30% - viel für einen Immobilientitel. Geht Frischknechts Strategie auf, sollte es laut Jaeger möglich sein, diese Lücke binnen zwei Jahren zu schliessen.