Die Industriegruppe Conzzeta steckt im Tief: Der Umsatz ist in den ersten acht Monaten dieses Jahres um fast 40% eingebrochen. Per Ende August generierte der Mischkonzern noch 607,9 Mio Fr. Zudem rutschte Conzzeta, die vom Industriellen Jacob Schmidheiny präsidiert wird, in die roten Zahlen. Einziger Lichtblick ist der Sportausrüster Mammut. Die Sparte, die unter anderem Kleider, Schuhe und Rucksäcke für den Outdoormarkt herstellt, legte über 15,5% beim Umsatz zu und ist mittlerweile mit 129,2 Mio Fr. (per Ende August) der zweitgrösste Geschäftsbereich. Gewichtiger ist nur noch die Sparte Bystronic, die Anlagen zur Blechbearbeitung produziert. Sie wurde mit einem Umsatzrückgang von gut 55% auf noch 226,3 Mio Fr. am härtesten von der Krise getrofen.

Mammut wächst - trotz Krise. Warum?

Robert Suter: Dafür gibt es zwei Gründe. Einerseits war der Outdoormarkt bisher stabil. Andererseits ist die Marke Mammut sehr viel sichtbarer geworden. Das ist vor allem deshalb gelungen, weil wir Mammut-Shops eröffnet haben. Zudem formierte sich eine treue Fangemeinde. Wir sind interaktiv mit unseren Kunden übers Internet verbunden, vor allem via unsere Homepage, aber auch über soziale Netzwerke wie Facebook. Hier rufen wir zu Test-Events oder Foto-Shootings für Kampagnen auf oder befragen Mitglieder zu neuen Produkten.

Sie eröffnen bis Ende 2009 weitere Mammut-Shops. Wo?

Suter: Drei in Japan, genauer in Kobe, Sapporo und Sendai City. Ein weiteres Geschäft eröffnen wir im deutschen Regensburg und je einen Shop in Luzern und Bern.

Kommen 2010 weitere Geschäfte in der Schweiz?

Suter: Das haben wir noch nicht entschieden. Wir planen solche Shops zusammen mit dem Fachhandel.

Wie sich der Privatkonsum mittelfristig entwickeln wird, ist ungewiss. Was erwarten Sie vom Weihnachtsgeschäft?

Suter: Der Schweizer Detailhandel hat bei uns bestellt, als gäbe es keine Krise. Daher gehe ich von einem guten Weihnachtsgeschäft auf Vorjahresniveau aus.

Soll Mammut weitere Märkte erschliessen?

Suter: Wir bleiben auf den Outdoormarkt fokussiert. Hier gibt es geografisch noch viele Wachstumsmöglichkeiten. Wir lancieren jährlich eine neue oder komplett überarbeitete Produktegruppe. In diesem Jahr werden die Rucksäcke komplett überarbeitet, im Vorjahr brachten wir die Mammut-Schuhe auf den Markt. Mehr kann ich derzeit nicht verraten.

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Die Schuhe haben Sie ja nicht selber entwickelt, sondern die Firma Raichle erworben und deren Produkte umgetauft. Wann sehen wir so etwas noch einmal?

Suter: Akquisitionen prüfen wir immer, aber wir haben derzeit nichts Konkretes auf dem Tisch. Wenn eine Zielgesellschaft von der Strategie her passt und uns genügend Mittel zur Verfügung stehen, werden wir nicht zögern. Im Moment gehe ich aber davon aus, dass Mammut genügend Potenzial hat, um aus eigener Kraft zu wachsen.

Welche Länder haben Sie für Mammut auf dem Radar?

Suter: Wir werden stark in Asien zulegen. In Japan sind wir im vergangenen Jahr erfolgreich gestartet, nun schauen wir uns Korea an. Mammut-Produkte können überall eingesetzt werden, wo es Berge hat - auch beispielsweise in Südamerika oder Indien. Der Markt ist also noch gross genug.

Für die Gruppe sind die Aussichten weniger rosig. 2009 schreiben Sie rote Zahlen. Wann kehren Sie in die Gewinnzone zurück?

Suter: Das hängt vom Konjunkturverlauf ab. Wir hoffen, dass die ergriffenen Massnahmen reichen, um bald wieder ausgelastet zu sein. Einen substanziellen Aufschwung im umsatzmässig wichtigen Anlagen- und Maschinenbau erwarte ich in den kommenden Monaten noch nicht. Wobei man differenzieren muss: In China hat sich das Bestellverhalten, vor allem bei den Maschinen für die Blechbearbeitung, bereits wieder erholt.

Wann schreiben Sie schwarz?

Suter: Dazu kann ich keine Prognose abgeben.

Dank der hohen Eigenkapitalquote von über 76% können Sie ja noch etwas durchhalten.

Suter: Ja, das ist einer unserer grossen Wettbewerbsvorteile. Wir haben den längeren Atem als manche Mitbewerber, die jetzt in Liquiditätsengpässe geraten.

Würden Sie ein solches Unternehmen kaufen?

Suter: Wenn es passt, sind wir bereit, die Bücher zu prüfen.

Haben Ihre Kunden Finanzierungsprobleme?

Suter: Ja, wir sehen das beispielsweise bei Maschinen für die Glasbearbeitung. Hier tätigen unsere Kunden grössere Investitionen, die häufig fremdfinanziert sind. Bei den Maschinen für die Blechbearbeitung dagegen haben wir viele kleine Kunden, die Investitionen häufig aus der eigenen Tasche bezahlen.

Verzeichnet Conzzeta Zahlungsausfälle?

Suter: Nein. Wir beginnen nicht mit der Produktion, bevor die Finanzierung eines Auftrags nicht gesichert ist.