Der gigantische Börsengang von Alibaba ist gerade mal zehn Tage alt, da erweitert der Wall-Street-Neuling sein Geschäftsmodell. Dabei stiess der chinesische Online-Händler am Montag gleich in zwei Richtungen vor – und beide zeigen, welches Ausmass seine Ambitionen erreichen.

Zum einen hat Alibaba zum ersten Mal einen Teil der Megasumme von 25 Milliarden Dollar, die sein Gang aufs Parkett eingebracht hat, investiert. Er hat rund 457 Millionen Dollar in die IT-Firma Beijing Shiji gesteckt. Das Unternehmen entwickelt Software, die für Hotels alles von der Reservierung bis zur Abrechnung regelt, berichtet die indische «Economic Times». Alibaba wird künftig 15 Prozent halten.

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90 Prozent aller Fünf-Sterne-Hotels in China

Knapp eine halbe Milliarde Dollar - das zählt nach dem grössten Börsengang aller Zeiten ja schon fast zu den kleineren Deals. Und doch zeigt der Erwerb, wie Alibaba sein breites Portfolio festigt. Rund 6000 Hotels greifen auf die Dienste von Beijing Shiji, darunter 90 Prozent aller Fünf-Sterne-Häuser. Diese Dienstleistungen enger mit Alibabas eigenen Reise-Angebot Taobao zu verknüpfen, dürfte lukrativ sein.

Fast zeitgleich mit der Investition in die Tourismus-Branche gelang Alibaba eine zweite wichtige Aktion: Künftig wird der Konzern im Bankengeschäft mitmischen. Mit Erlaubnis der zuständigen Branchenaufsicht übernimmt der Online-Händler einen Anteil an der Privatbank Zhejiang MYbank, die Alibabas 2004 gegründeten Online-Bezahldienst Alipay umfasst.

Vorstoss in den jungen Sektor von Chinas Privatbanken

Der Konzern um Gründer Jack Ma wird an der Zhejiang MYbank mit 30 Prozent beteiligt sein, den Rest halten Partner. Einer von ihnen ist Fosun International, einer der grössten Akteure in Chinas jungen Privatbankensektor. Erst im Frühjahr entschied die chinesische Regierung, in einem umfassenden Pilotprogramm Alternativen zu den staatlichen Geldinstituten zu schaffen. Zhejiang MYbank soll dabei hauptsächlich die Bedürfnisse von «Kleinst-Unternehmen und einzelnen Konsumenten abdecken», so Fosun gegenüber der «Financial Times».

Hier festigt Alibaba ein Standbein, das neben dem Online-Handel immer mehr an Bedeutung gewinnt. «In Zukunft können die Finanz-Dienstleistungen mittels Alipay ebenso wertvoll werden wie der E-Commerce von Alibaba selbst», sagte Chen Long von der Cheung King Graduate School of Business dem «Wall Street Journal». Denkbar wäre für Chen Long auch, dass die umfangreiche Datenbasis von Alibaba genutzt wird, um eine ganze Reihe an Dienstleistungen miteinander zu verbinden, vom Online-Banking über Kreditinformationen bis zu Versicherungen.

Alipay hat das mobile Zahlen durchgesetzt

Alipay hat dabei das mobile Zahlen in Bereichen durchgesetzt, in denen viele westliche Konkurrenten noch immer nach einer Lösung suchen, die von Kunden angenommen wird – zuletzt wagte Apple mit Applepay auf dem iPhone 6 den Versuch. Da in China Kreditkarten weniger verbreitet sind, haben sich die Alibaba-Nutzer daran gewöhnt, ihre Rechnung im Restaurant, Kino oder Taxi mittels Alipay zu begleichen. Sogar ihre Rechnungen für die öffentliche Versorgung können die Chinesen mit Alipay bezahlen. In einem weiteren Bereich können die Nutzer in Finanzprodukte investieren.

Alibaba wird oft mit Amazon und Ebay verglichen. Mit ersterem hat der Online-Händler allerdings wenig gemeinsam ausser einem ähnlich exzentrischen Erschaffer. Zwar hat auch Amazon-Gründer Jeff Bezos wie Jack Ma von Beginn eine gigantische Vision verfolgt und damit das Unternehmenswachstum teils brachial vorangetrieben.

Anders als Amazon ist Alibaba strenggenommen aber kein Online-Händler, da der Konzern keine Produkte selbst verkauft, sondern durch Provisionen an den Deals verdient, die über seine diversen Plattformen abgeschlossen werden. Damit gleicht Alibaba tatsächlich Ebay.

Grosse Ähnlichkeit mit Google

Dabei hat der Konzern fast mehr mit Google gemeinsam. Nicht nur, dass er seinen Nutzern einen Clouddienst zur Datenspeicherung und eine eigene Suchmaschine anbietet. Zugleich kann Alibaba auf diese Weise gezielt die Angebote von Händlern und Werbeanzeigen platzieren, die den Suchanfragen seiner Nutzer entsprechen – ähnlich wie AdWords von Google. Diese Marketingmaschine macht bereits einen erheblichen Teil von Alibabas Umsatz aus.

Alibaba geht in seinem Anspruch aber über Amazon, Ebay und Google hinaus: «Wir wollen, dass unsere Kunden sich bei Alibaba treffen, hier arbeiten und leben», so die Aussage. Das Unternehmen ist dabei für die Ewigkeit gedacht: Mindestens 102 Jahre soll Alibaba werden.

Es zeigt sich: Mit dem breit aufgestellten Angebot im Online-Handel, bei Hotelbuchungen, bei Finanzdienstleistungen, beim mobilen Zahlen und bei der Produkte-Suche arbeitet Alibaba zielstrebig an seiner Omnipräsenz.