Wie weit können Sie sich von Ihrem Blackberry noch entfernen?

Jim Balsillie: Ich schalte ihn nachts grundsätzlich aus. Nach 22 Uhr lese ich sowieso keine E-Mails mehr. Allerdings nutze ich das Gerät auch privat als Handy, wenn ich am Abend unterwegs bin. Deswegen hab ich es immer dabei.

Im Gegensatz zu Ihnen sind viele Manager anscheinend nicht in der Lage, den Umgang mit dem Blackberry zu kontrollieren. Inzwischen hat dieses Verhalten auch einen Namen: Crackberry.

Balsillie: Schauen Sie doch einige Jahre zurück. Damals war es für viele Manager selbstverständlich, samstags ins Büro zu fahren, manchmal auch sonntags. Es war auch üblich, drei bis vier Mal pro Woche erst spät nach Hause zu kommen. Heute lese ich doch lieber am Wochenende einige E-Mails, als dass ich ins Büro fahre.

Also keine Gefahr?

Balsillie: Natürlich kann die ständige Verfügbarkeit süchtig machen. Es kommt eben auf die Dosierung an.

Was raten Sie denn denen, die im Umgang damit nicht allzu geübt sind?

Balsillie: Die wichtigste Regel ist, dass der Nutzer das Gerät kontrolliert und nicht das Gerät den Nutzer. Sie können Profile anpassen, sodass E-Mails sich, wenn Sie gerade im Theater sitzen, nicht mit einem Vibrationsalarm ankündigen, wohl aber der Anruf des Babysitters. Und Sie sollten Zeiten haben, in denen der Blackberry auch mal stumm ist. Niemand sollte sich zum Sklaven der Technologie machen.

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Es scheint, dass jeder Manager einen Blackberry hat. Wie wollen Sie weiter wachsen?

Balsillie: Der Schein trügt. Es ist nur ein kleiner Prozentsatz der Manager, die ein solches Gerät haben. Glauben Sie mir, wir haben noch enormes Wachstum vor uns. Wir haben noch nicht einmal eine zweistellige Marktdurchdringung erreicht.

Wo liegt das Ziel?

Balsillie: Mehr.

Inzwischen bauen Sie in den Blackberry auch Kameras, Musik- und Videoplayer und Satellitennavigation mit ein. Damit wird das Managergerät zum Handy für alle. Was bedeutet dieser Strategiewechsel?

Balsillie: Eine ganze Menge. Vor allem aber werden wir attraktiver für die Netzbetreiber, weil unsere Zielgruppe deutlich grösser wird. Das hat enorme Auswirkungen auf den Vertrieb. Die Handy-Netzbetreiber können unsere Geräte nun in ihre Shops nehmen. Bisher wurden sie über die Netzbetreiber direkt an Geschäftskunden verkauft.

Wo unterscheiden sich die Märkte für Geschäfts- und Privatnutzer noch?

Balsillie: Styling und Design spielen im Endkundenmarkt eine deutlich grössere Rolle. Ausserdem muss der Service stimmen, einfacher und absolut zuverlässig sein. Wenn 100000 Nutzer im Callcenter des Mobilfunkanbieters anrufen, zerstört das die Profitabilität und die Kundenzufriedenheit. Die Herausforderung ist also grösser.

Ist das bei Geschäftskunden anders?

Balsillie: Die meisten Geschäftsnutzer bekommen ihr Gerät von ihrer IT-Abteilung, die auch bei Problemen hilft. Das ist bei privaten Nutzern nicht der Fall. Dafür spielt die Sicherheit im Geschäftsumfeld eine grössere Rolle. Private Nutzer sind hingegen preisbewusster.

Research In Motion hat mit der mobilen E-Mail begonnen, eine Funktion, die auch auf Handys von Nokia, Motorola oder Samsung zu finden ist. Wird der Wettbewerb härter?

Balsillie: Intensiver Wettbewerb war immer da, ob von Nokia, Palm, Microsoft oder anderen. Das war immer so, und das wird immer so sein. Nur Geräte anzubieten ist nicht unbedingt der eleganteste Weg. Apple kommt unserem Modell zumindest etwas näher, indem das Unternehmen auch an Lösungen und Dienste für den Nutzer denkt.

Ist das iPhone eine Gefahr für Research In Motion?

Balsillie: Apple erweitert den Markt und schafft Aufmerksamkeit. Das ist gut für uns. Schauen Sie auf die Fakten. Unsere Verkäufe ziehen an, wir setzen vier bis fünf Mal so viele Geräte ab wie Apple. Wir profitieren vom iPhone.

Der Geräteverkauf macht fast 80% des Umsatzes von Research In Motion aus. Wäre es nicht Zeit, den Dienste-Anteil auszubauen?

Balsillie: Das Verhältnis ist nur so, weil wir mit neuen Kunden schnell wachsen. Der Wert des Gerätes wird im ersten Monat gebucht. Das sind gleich einige 100 Euro. Sobald sich irgendwann dieses Neuwachstum abschwächt, wird sofort der Service-Anteil steigen.

Sie könnten noch schneller wachsen, wenn Sie etwas aggressiver zukaufen würden.

Balsillie: Wir kaufen uns immer wieder technologisches Know-how ein, aber das sind eher kleinere Unternehmen. Diese Käufe müssen uns ergänzen. Eine Änderung dieser Strategie ist nicht absehbar.

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Steckbrief

Name: Jim Balsillie
Funktion: CO-CEO von Research In Motion
Alter: 46
Ausbildung: Universität von Toronto,
Harvard School of Business Administration