Viele hatten ihn schon abgeschrieben, den früheren Chef von Sarasin. Schliesslich war er nach seinem Abgang vor zwei Jahren vollkommen in der Versenkung verschwunden. Und nun das fulminante Comeback: Seit Ende April leitet Joachim Strähle als neuer CEO die Privatbankengruppe EFG. Es ist ein Topjob: Chef von 2000 Mitarbeitern, Repräsentant einer der stärksten Marken im hiesigen Private Banking.

Just er darf wieder ran, der Mann, ­dessen grosses Selbstbewusstsein im ­Widerspruch zu seinem durchzogenen Leistungsausweis steht; just er, der Mann mit dem expliziten Machtanspruch und den unzimperlichen Methoden. Die Branche reibt sich die Augen.

Comeback im Sinne des dynamischen Bankers

Es ist ein Comeback ganz im Sinne des dynamischen Bankers – ein Sieg in nur zwei Zügen. Zuerst das überraschende Auftauchen aus dem Nichts: Am 25. Februar verkündete EFG, dass der lang­jährige Präsident Jean Pierre Cuoni aus Altersgründen zurücktreten und Strähle ihn ersetzen werde. Dann Hals über Kopf eine ungewöhnliche Umdisponierung: Am 23. April, am Vorabend der Generalversammlung, überraschte EFG ihre Aktionäre mit der Ankündigung, es sei nun alles anders – Strähle solle nicht Präsident werden, sondern den bisherigen CEO John Williamson ablösen. «Eklat bei EFG International», titelte die «NZZ».

Reichlich geschwollen versuchte die Bank in ihrer Verlautbarung den Vorgang zu erklären: «Es wurde entschieden, dass nun der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um eine neue Perspektive einzubringen und gleichzeitig ein wichtiges Element der Kontinuität zu wahren.» Warum diese Einsicht kurz zuvor im Februar noch nicht bestand, erklärte EFG nicht.

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Was war geschehen? Der ursprüngliche Plan, Strähle zum neuen Präsidenten zu machen, war bei EFG letzten Herbst entwickelt worden, wie Quellen aus dem Verwaltungsrat berichten. Man kannte den Banker gut und schätzte ihn. Vor allem Lawrence Howell, ehemals CEO und bedeutender Aktionär, sowie Präsident und Gründer Cuoni hatten einen guten Zugang zu ihm. In der Vergangenheit hatte man bereits mögliche Szenarien einer Zusammenarbeit diskutiert. So war denn auch kein Headhunter nötig, um an Strähle heranzutreten.

Start mit grossen Versprechen

Man fand sich schnell. Strähle nahm das Angebot für den Präsidentenjob an, und es folgte eine Reihe von Gesprächen mit den Keyplayern der Bank, auch mit John Williamson, dem CEO. Strähle präsentierte sich als dynamischer Macher und fiel durch operativen Ideenreichtum auf.

Das sorgte allerdings für Bedenken. So sollen einzelne Mitglieder des Verwaltungsrats, allen voran Mitgründer Cuoni, zuletzt die Befürchtung entwickelt haben, Strähle könnte als Chairman zu stark sein und sich womöglich ins Operative einmischen, so ein Verwaltungsrat von EFG. Strähle denke und funktioniere im Grunde noch immer wie ein CEO, so der Eindruck im Gremium. Abstimmungsprobleme oder gar ein potenzielles Machtgeplänkel an der Spitze wollte der Verwaltungsrat nicht – und ­beschloss, die Konstellation für einen Führungswechsel zu nutzen, was ganz im Sinne von Strähle war.

An einer Telefonkonferenz am 22. April – also nur zwei Tage vor der Generalversammlung – entschied sich der Verwaltungsrat für die Umdisponierung. Zuletzt drohte die Zeit davon­zulaufen. Denn der ursprüngliche Plan, nun Williamson statt Strähle zum Präsidenten zu küren, scheiterte am Veto der Finanzmarktaufsicht Finma, die den unmittelbaren Wechsel nicht zuliess und eine «Cooling-off»-­Periode von einem Jahr anordnete. Rasch musste ein Übergangspräsident gefunden werden. Zur Verfügung stellte sich VR-Mitglied Nico Burki, Anwalt in Zollikon ZH, Williamson fungiert bis 2016 als Vizepräsident.

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Selbstbewusst setzte Strähle schon im Antrittscommuniqué ein paar Duftmarken: «EFG sollte in der Lage sein, langfristig ein starkes zweistelliges Wachstum zu erzielen.» Dass er bei Sarasin über Jahre mit ähnlich forschen Wachstumsvorgaben aufwartete, die damit verbundenen Profitabilitätsziele aber deutlich verfehlte, scheint ihn wenig zu kümmern. Auch sonst entsteht beim Blick auf seine Karriere das Bild eines unzimperlichen Bankers, der seinen Zwecken manches unterzuordnen bereit war. Umso erstaunlicher ist, dass er es trotzdem noch einmal nach ganz oben geschafft hat.

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