Die Finanzmarktkrise hat im 1. Quartal weitere Milliardenlöcher in die Bilanz der grössten US-Bank Citigroup gerissen. Das Unternehmen machte unter dem Strich ein Minus von 5,1 Mrd Dollar (3,2 Mrd Euro) und damit schon den zweiten Quartalsverlust in Folge. Vor einem Jahr hatte der Konzern noch einen Gewinn von rund 5 Mrd Dollar erzielt.

Der neue Citigroup-Chef Vikram Pandit verordnet der krisengeplagten New Yorker Grossbank nun eine Rosskur. Weitere 9000 Stellen sollen wegfallen und Randbe- reiche verkauft werden. Der neue Stellenabbau ist zusätzlich zu 4200 Streichungen geplant, die das Unternehmen bereits in den vergangenen Monaten angekündigt hatte. Zuletzt war sogar über die Streichung von mehreren 10000 Stellen spekuliert worden.

Verloren, was Google verdiente

Für das abgelaufene Quartal muss die Grossbank noch einmal mehr als 12 Mrd Dollar abschreiben – das ist fast so viel, wie der Internetkonzern Google im letzten Jahr an Einnahmen erzielte. Am stärksten trafen die Wertberichtigungen den Bereich Ramsch-Hypotheken. Auch in seinem Geschäft mit der Finanzierung von Firmenübernahmen und -fusionen musste der Konzern kräftig Geld abschreiben.

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Im letzten Quartal hatte die Citigroup bereits den Wert ihrer Geldanlagen um rund 18 Mrd Dollar nach unten korrigieren müssen. Damit summierten sich die Abschreibungen des Unternehmens seit Beginn der Krise auf deutlich mehr als 30 Mrd Dollar – mehr als bei jeder anderen Bank in den USA. Um die Finanzlücke zu schliessen, hatte sich der Konzern fast die gleiche Summe an frischem Kapital von Grossinvestoren besorgt.

Der Umsatz ging in den vergangenen drei Monaten um 48% auf 13,2 Mrd Dollar zurück. Trotz der schlechten Nachrichten legte der Citigroup-Kurs im Handelsverlauf um über 7% zu. Die meisten Analysten hatten noch höhere Abschreibungen befürchtet.

In den vergangenen Tagen hatten an der Wall Street Gerüchte über Wertberichtigungen von bis zu 22 Mrd Dollar die Runde gemacht. Der Quartalsverlust fiel dagegen deutlich höher aus als von Analysten erwartet. Nun müsse der Konzern einen Teil seines Tafelsilbers verkaufen und sich von mehreren Geschäftszweigen trennen, kündigte Pandit an. Dieser hatte inmitten der Krise Ende 2007 den Chefposten übernommen. «Wir werden uns von allen Hobbys verabschieden und uns auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren», liess der Manager mitteilen. Am Vortag hatte die Citigroup bereits angekündigt, einen grossen Teil ihres gewerblichen Kredit- und Leasinggeschäfts in den USA abstossen zu wollen. Auch das Kreditkarten-Netzwerk Diners Club wird abgegeben. Welche Sparten noch von einem Verkauf betroffen sein könnten, gab der Konzern nicht bekannt.

Zweiteilung der Firmenwelt

Letzte Woche haben einige wichtige US-Konzerne ihre Quartalsergebnisse veröffentlicht. Dabei wurde deutlich, dass die Finanzkrise eine Zweiteilung der amerikanischen Unternehmenswelt bewirkt: Firmen, die ihre Produkte an Endverbraucher verkaufen, trifft die Krise hart. Denn der US-Konsument hat wegen der Immobilien- und Kreditklemme ein geringeres verfügbares Einkommen. Deshalb verzeichnen Banken oder Handelskonzerne, die ihr Geschäft mit Endkonsumenten machen, Gewinneinbrüche. Dagegen verläuft das Geschäft von Unternehmen wie IBM und Google, die ihr Geld hauptsächlich mit Firmenkunden verdienen, weiter passabel (siehe Text rechts).