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Jobabbau
Kahlschlag bei General Electric Schweiz

Stellenabbau bei General Electric im Aargau: Die Enttäuschung auf Gewerkschaftsseite ist gross. Quelle: Getty Images/Will Waldron

Jetzt steht fest: General Electric kürzt 1400 Jobs an den Standorten im Aargau. Damit sind alle Versuche gescheitert, den Stellenabbau abzuwenden.

Bernhard Fischer
Von Bernhard Fischer
07.12.2017

Nun ist es beschlossen: General Electric kündigt in der Schweiz 1400 Menschen den Job. Am Standort Baden fand dazu morgens eine finale Sitzung statt, zu der die Sozialpartner eingeladen waren. An dieser Sitzung wurde die Massenentlassung vorab verkündet. Auch der Aargauer Regierungsrat erhielt vorab die Hiobs-Botschaft über den Stellenabbau in der Vorweihnachtzeit.

Damit sind die Bemühungen gescheitert, einen solchen Schritt zu verhindern. Trotz intensiver Konsultationen zwischen dem Bundesrat, dem Aargauer Regierungsrat, der Gewerkschaft Unia und der Führung von GE ist es damit nicht gelungen, die Jobs an den GE-Standorten Baden, Birr und Oberentfelden zu erhalten. In Gesprächen auf höchster Ebene in Paris und unter Teilnahme des europäischen Betriebsrats von GE hat man versucht, die Schweizer Standorte bei dem weltweiten Abbau zu verschonen. Nachdem GE am Dienstag bekannt gegeben hatte, europaweit 4500 Jobs zu streichen, drängte die Frage nach der Entwicklung im Aargau noch mehr.

Kritik an Bundesrat Johann Schneider-Ammann

Seit Ende Oktober hielt sich bereits hartnäckig das Gerücht, es würde davon 1300 Mitarbeiter in der Schweiz treffen, doch gab es keine Bestätigung. Fragen zum Job-Abbau sowie zu den Hintergründen wollte GE auf Anfrage auch jetzt nicht beantworten.

Die Arbeitnehmervetreter waren jedenfalls vorgewarnt, die gesamte Belegschaft bereits seit Anfang 2016 alert. Denn schon damals kam es zu einem grösseren Stellenabbau. Der Wegfall von 900 Stellen war auf die Integration von Alstom in GE zurückzuführen. Die Streichung erfolgte damals entgegen Beteuerungen von Bundesrat Johann Schneider-Ammann, es würden keine Jobs gekürzt. Er erntete damals Kritik, weil er ein «gewisses Verständnis» für den Schritt äusserte.

Zur Erinnerung: Das Schweiz-Geschäft von Alstom wurde an GE verkauft. GE musste dafür gegenüber den Kartellbehörden Zugeständnisse machen. Der Grossteil des Gasturbinengeschäfts in der Schweiz ging an das italienische Technologieunternehmen Ansaldo. Durch die Übernahme des Gasturbinengeschäfts wurden 400 Jobs in Baden gerettet. Die Produktion aus Sicht von GE zügelte nach Belfort in Frankreich.

Mehrere Treffen zwischen GE und der Schweizer Delegation

Um den aktuellen Job-Abbau in letzter Minute zu verhindern, befanden sich Lokalpoltiker, Gewerkschafter und Manager in einem Wettlauf mit der Zeit.

Bereits Mitte Oktober fand in Atlanta ein Treffen mit der GE-Konzernspitze statt. Eine Schweizer Delegation, bestehend aus Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes SAV, der Argauer Staatsschreiberin Vincenza Trivigno und anderen traf auf den GE-Präsidenten und CEO der Power-Sparte. Bei diesem Treffen wurde auch besagte Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Diese sollte Möglichkeiten aufzeigen, um den Forschungs- und Produktionsstandort Aargau von GE zu sichern.

Harziger Ausblick für Baden, Birr und Oberentfelden

Es kam zu einem weiteren treffen in Paris im November. Bei dem Gespräch ging es um eine Vertiefung der Gespräche in Atlanta. Das Gespräch fand deshalb in Paris statt, weil GE-Power-Chef Russel Stokes wegen eines Treffens der Internationalen Energieagentur in der französischen Hauptstadt weilte. Und freilich ist Frankreich auf der strategischen Weltkarte des US-Riesen im Vergleich zur Schweiz das bedeutendere Land.

Nach dem heute verkündeten Abbau in der Schweiz sieht es für die drei Standorte Baden, Birr und Oberentfelden fürs erste jedenfalls düster aus. Nach dem vermeldeten Kahlschlag herrscht dicke Luft zwischen der Gewerkschaft und GE. Die Unia wirft GE unter anderem Managementfehler vor: «Den Bereich Erneuerbare Energien für neue Marktchancen hat GE viel zu spät entdeckt», kritisiert ein Gewerkschafter.» Eben deshalb wollen Kanton und Bund zusammen mit der Arbeitsgruppe nun «neue Tätigkeiten aus anderen Geschäftsbereichen, wie beispielsweise aus dem Bereich erneuerbare Energien und Energiespeicherung» aufbauen.

Zusage für 1000 neue Stellen bei GE in Frankreich

Für die betroffene Schweizer GE-Belegschaft ist das ein schwacher Trost. Auch wenn die Sozialpartner jetzt – und wohl zu spät – aus vollen Rohren schiessen: «In der Schweiz haben die Politik und besonders der Bundesrat nicht die beste Rolle gespielt», heisst es etwa aus Unia-Kreisen. Ein leitender Gewerkschafter dazu: «Bereits damals, als es um die Übernahme der Alstom-Sparte durch GE ging, wollte man sich keine Jobgarantien geben lassen und keine Industriepolitik betreiben, sondern das Laissez-Faire-Prinzip.» Frankreich hingegen konnte GE Zugeständnisse abringen: GE sollte zusätzlich 1000 neue Stellen schaffen. «Dieses Beispiel zeigt, dass es durchaus möglich ist, Schaden von der Schweizer Wirtschaft abzuwenden, wenn man nur will. Dazu hätte aber die Politik Verantwortung übernehmen müssen.»

In der Tat haben die Schweizer Verhandler nicht einmal einen Achtungserfolg erzielt. Der Aargauer Regierungsrat hat keine Zugeständnisse gegenüber GE gemacht. «Er hat lediglich zusammen mit dem Bund gegenüber GE die Stärken und Vorteile des Forschungs- und Produktionsstandortes Schweiz aufgezeigt, damit diese bei den Weichenstellungen für die Weiterentwicklung des Unternehmens gebührend berücksichtigt werden können», heisst es aus dem Büro des Aargauer Regierungsrats Urs Hofmann.

Auf Schweizer Seite versucht man nun, die Verhandlungen so weiterzuführen, dass es nicht zu noch mehr Kündigungen kommt.

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