Wo sind Sie mit dem an sich guten Ergebnis noch nicht ganz zufrieden?

Joe Jimenez: Ich bin erfreut über das gute Resultat im 1. Quartal. Novartis kann sich aber immer verbessern: Wir wollen das erfolgreichste und angesehenste Gesundheitsunternehmen der Welt werden. Basierend auf diesem hohen Anspruch haben wir drei Initiativen mit folgenden Zwecken gestartet: Erstens wollen wir unsere Führungsposition bezüglich Innovation weiter ausbauen. Zweitens soll unser Wachstum weiter beschleunigt werden. Drittens wollen wir unsere Produktivität steigern und somit unsere Gewinnmarge verbessern.

Hält die Nachfrage nach dem H1N1-Schweinegrippe-Impfstoff an? Wird der Impfstoff auch im Rest des Jahres so viel zum Umsatz beitragen?

Jimenez: Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach dem H1N1-Impfstoff zum grössten Teil befriedigt ist. Im 2. Quartal werden wir nur noch kleinere Mengen ausliefern. Der H1N1-Impfstoff wird aber Bestandteil des nächsten saisonalen Grippe-Impfstoffs werden.

Warum ist Novartis nicht wie Glaxo und Sanofi bereit, nicht mehr benötigten H1N1-Impfstoff zurückzunehmen?

Jimenez: Unsere Mitarbeitenden haben mit hohem Engagement und in Rekordzeit den H1N1-Impfstoff hergestellt. Novartis wird die Wünsche der Regierungen fallweise prüfen. Dies im Rahmen der vertraglichen Vereinbarungen, die wir als bindend erachten.

Sie sind auch nicht bereit, das Angebot für die Alcon-Minderheitsaktionäre von derzeit 2,8 Novartis-Aktien nachzubessern. Bleibt es dabei?

Jimenez: Das Angebot entspricht einer signifikanten Prämie gegenüber dem unbeeinflussten Aktienpreis von Alcon. Wir halten an diesem Angebot fest.

Wann und wie wird sich die komplette Integration von Alcon auf das Konzernergebnis auswirken?


Jimenez: Die Auswirkungen von Alcon werden voraussichtlich 2011 sichtbar sein. Die Transaktion wird gegenwärtig von den entsprechenden Wettbewerbsbehörden in den USA und Europa geprüft. Die Übernahme der 77%igen Mehrheitsbeteiligung an Alcon ist auf gutem Weg, planmässig in der 2. Jahreshälfte 2010 abgeschlossen zu werden. Im Anschluss daran werden wir dann gemäss Schweizer Recht eine Fusion mit Alcon durchführen, um den verbleibenden 23%igen Minderheitsanteil zu übernehmen. Für diesen Schritt haben wir keinen Zeitplan vorgelegt.

Warum wollen Sie in den USA Stellen abbauen?


Jimenez: Um Ressourcen für unsere neuen kommerziellen Modelle frei zu machen, werden wir 383 Stellen reduzieren, und zwar primär in den Hauptsitzfunktionen. Der Einfluss auf die Geschäftseinheiten ist minimal. Rund 35% der Reduktionen wurden durch die Nichtwiederbesetzung vakanter Stellen erreicht. Aus diesem Grund sind rund 250 Personen direkt vom Stellenabbau betroffen. Wir werden uns natürlich dafür einsetzen, den Abbau möglichst sozialverträglich umzusetzen.

In den nächsten Jahren laufen wichtige Patente ab. Wie wollen Sie den zu erwartenden Umsatzrückgang wettmachen?

Jimenez:  Wir hatten mehrere Jahre Zeit, uns auf den Ablauf einzelner Patente vorzubereiten. Wir haben Vertrauen in unsere Produkte-Pipeline. Bei der Beschleunigung unseres Wachstums geht es primär darum, unsere pharmazeutische Pipeline rechtzeitig vor dem Auslauf des Patents von Diovan umzugestalten. Im 1. Quartal dieses Jahres machten unsere neu lancierten Produkte bereits über 20 Prozent des Nettoumsatzes der Division aus. Das ist ein sehr gesunder Anteil, der zeigt, dass die Transformation unseres Pharmaportfolios auf gutem Weg ist. Ein weiterer Weg der Wachstumsbeschleunigung ist die weltweite Ausdehnung unseres Nichtpharmageschäfts.

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