1. Home
  2. Unternehmen
  3. Johann N. Schneider-Ammann: Die Bedürfnisse der Exportwirtschaft

Johann N. Schneider-Ammann: Die Bedürfnisse der Exportwirtschaft

Der Präsident der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie Swissmem appelliert an die Nationalbank, sie möge die Wichtigkeit des Aussenwerts des Frankens für die schweizerische Exportindustr

Von Johann N. Schneider-Ammann
am 25.04.2007

Die Nationalbank nimmt in der Volkswirtschaft der Schweiz eine zentrale Stellung ein. Mit der von ihr vorgegebenen Geldversorgung setzt sie die Wirtschaft in die Lage, ihr Produktionspotenzial auszuschöpfen, und bewahrt gleichzeitig die Kaufkraft des Geldes. Auch die mit dem Ausland eng verflochtene schweizerische Exportwirtschaft wird in einem grossen Mass von der Geldpolitik der Nationalbank beeinflusst.

Kehrseite des starken Frankens

Die Wechselkursentwicklung der vergangenen Monate hat beinahe die Zeiten vergessen lassen, in denen der Euro-Kurs sich auf einen Wert von 1.45 Fr. zubewegte und damit viele Schweizer Exportunternehmen in ernste Schwierigkeiten brachte. Der (über-)starke Franken belastete die Wettbewerbsfähigkeit vieler Firmen in teilweise dramatischem Ausmass.
In verschiedenen Sitzungen versuchte die Exportwirtschaft die Nationalbank dazu zu bewegen, ihrer Sorge über die Wechselkursentwicklung des Frankens öffentlich Ausdruck zu verleihen. Doch selbst konkrete Aussagen seitens der Bank führten zu keiner Änderungen der Wechselkurssituation; die Marktkräfte waren wie erwartet stärker.
In der Zwischenzeit hat sich das Austauschverhältnis des Schweizer Frankens zu den anderen Währungen wieder «normalisiert», und die Problematik ist für den Augenblick in den Hintergrund getreten. Die Exportindustrie ist sich bewusst, dass die Nationalbank keine Geldpolitik ausschliesslich im Hinblick auf ihre Bedürfnisse betreiben kann. Die Wechselkurspflege, sofern überhaupt möglich, hat hinter den Zielen der Geldwertstabilität und einer vernünftigen Wachstumspolitik zurückzubleiben.
Dennoch darf man die Wichtigkeit des Aussenwerts des Frankens für die schweizerische Exportindustrie nicht unterschätzen. Diese Aussage trifft vor allem für die KMU zu, welche für die Vollbeschäftigung unseres Landes nach wie vor einen entscheidenden Beitrag erbringen. Ihre Stellung im internationalen Wettbewerb wird, im Gegensatz zu den weltweit produzierenden Grossunternehmungen, welche die Vorteile der Globalisierung voll ausschöpfen können, sehr stark von den Wechselkursen beeinflusst. Durch stetige Innovation, kundenorientierte Verbesserungen und hohe Qualität können die Unternehmer zwar dem aus der Devisensituation resultierenden Ertragsdruck oftmals ausweichen, doch steht dieser Weg nicht allen Unternehmungen in der zur Verfügung stehenden Zeit gleichermassen offen. Auch der Einsatz von Instrumenten zur Währungsabsicherung kann hilfreich sein, hat aber seinen Preis und löst die aus Wechselkursentwicklungen entstehenden Ertragsprobleme von exportorientierten Unternehmungen nur kurzfristig.
Die Exportindustrie ist sich im Klaren, dass die Preisstabilität das vorrangige Ziel der Nationalbank bleibt. Trotzdem muss aus ihrer Sicht der Wechselkurs im Blickfeld der geldpolitischen Lagebeurteilung der Nationalbank bleiben. Er ist ein entscheidender Kostenfaktor im internationalen Wettbewerb. Die in der Schweiz produzierenden Unternehmen sind die ersten Nutzniesser einer solch sensiblen Politik.

Politik gefordert

Die Geldpolitik der schweizerischen Nationalbank ist nur ein Teil der gesamten Wirtschaftspolitik. Damit allein lassen sich weder Wohlstand noch Wirtschaftswachstum langfristig steuern. Auch strukturelle Probleme der Exportwirtschaft sind mit einer vorteilhaften Geldpolitik nicht zu lösen. Man sollte sich darüber hinaus auch hüten, in der Geldpolitik der Nationalbank die Gründe für schwaches Wirtschaftswachstum und hohe Arbeitslosigkeit zu suchen. Hier ist vielmehr die Politik gefordert. Die Verfügbarkeit und das Ausbildungsniveau der Arbeitskräfte geniessen dabei hohe Priorität. Die Ausstattung der Wirtschaft mit genügend Kapital und die föderale Ausgestaltung des Steuersystems sind weitere Eckpfeiler einer erfolgreichen, zukunftsgerichteten Wirtschaftspolitik. Und, last but not least, bedarf es einer Rückbesinnung auf die wahren Werte des Unternehmertums, nämlich den Mut, Risiken einzugehen und den Willen, Chancen zu packen.

------
Johann N. Schneider-Ammann: «Die Stellung der KMU wird im internationalen Wettbewerb stark von den Wechselkursen beeinflusst.»

------

Zur Person

Steckbrief

Name: Johann N. Schneider-Ammann

Funktion: Nationalrat, Präsident und Delegierter der Ammann-Gruppe, Präsident Swissmem

Alter: 55

Wohnort: Langenthal

Familie: Verheiratet

Ausbildung: Dipl. El.-Ing. ETH Zürich, MBA

Karriere:
- Seit 1988 Vorsitzender der Ammann-Gruppenleitung
- Seit 1990 Präsident und Delegierter des VR der Ammann Group Holding AG

Anzeige