Im ersten Interview nach dem Rücktritt Philipp Hildebrands als Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zeigt sich Interimspräsident Thomas Jordan besorgt über die politischen Vorstösse, welche die SNB strengeren Vorschriften unterstellen wollen. So fordert die SVP etwa in einer Motion die Einführung einer Verschuldungslimite für die SNB.

Zudem verlangt SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer (BL) mit einer parlamentarischen Initiative eine Änderung des Nationalbankengesetzes. Demnach soll die Nationalbank künftig explizit auch die Aufgabe haben, eine an der Kaufkraftparität orientierte Wechselkurspolitik zu verfolgen

«Es ist wichtig für unser Land, dass man sich der gefährlichen Konsequenzen solcher Vorschläge bewusst wird», mahnt Jordan gemäss Vorabdruck in der Samstagsausgabe der «Neuen Zürcher Zeitung», ohne sich explizit auf einzelne Vorstösse zu beziehen. Sie würden «das Ende der gegenwärtigen Geldpolitik» bedeuten.

Konzentration auf Preisstabilität

Zugleich betonte Jordan, es sei nicht die primäre Aufgabe einer Notenbank, Fiskalpolitik zu betreiben. «Die Notenbanken müssen aufpassen, dass sie nicht aufgrund der Inaktivität anderer Akteure Massnahmen treffen müssen, die nicht mehr ihrer eigentlichen Aufgabe entsprechen.»

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In einer Krise sei die Güterabwägung zwischen der Wahrung der Preisstabilität und dem Schutz der eigenen Wirtschaft schwierig, räumte er ein. Langfristig müssten sich Notenbanken aber auf ihre eigentliche Aufgabe - die Wahrung der Preisstabilität - konzentrieren.

Jordan betonte, die SNB lasse sich von den Ereignissen rund um den Rücktritt von Philipp Hildebrand nicht von ihrem Kurs abbringen. Die Euro-Untergrenze von 1.20 Franken werde die Nationalbank «mit aller Konsequenz» verteidigen.

(tno/chb/sda)