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Rückblick
Josef Ackermann ist mit sich im Reinen

Josef Ackermann 2004
Victory-Zeichen: Das Bild von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Mannesmann-Prozess 2004 schrieb Geschichte.Quelle: Keystone

Als Chef der Deutschen Bank stand Josef Ackermann im Rampenlicht wie kaum ein anderer Manager in Deutschland. Sein Vermächtnis ist umstritten.

Veröffentlicht am 05.02.2018

Eine Dekade lang prägte er die Deutsche Bank: Der Schweizer Josef Ackermann gilt wahlweise als gieriger Banker oder als geschickter Manager, der auch in turbulenten Zeiten erfolgreich Kurs hielt. Doch das Urteil über seine Amtszeit fällt gegensätzlich aus.

Ackermann selbst scheint mit sich im Reinen. Anlässlich seines 70. Geburtstags am Mittwoch zieht Josef Ackermann eine positive Bilanz über seine zehn Jahre als Konzernchef. Es sei eine erfolgreiche Zeit mit nur wenig Fehlern gewesen, und seinen Nachfolgern habe er eine «gut aufgestellte» Bank übergeben.

Erster Ausländer auf Chefposten der Deutschen Bank

Im Mai 2002 übernahm der Investmentbanker als erster Ausländer den Chefposten bei Deutschlands führendem Geldhaus. Die Anfangsjahre sind holprig: 2004 zeigt er im Gerichtssaal grinsend das Victory-Zeichen, 2005 verkündet der Deutsche-Bank-Chef in einem Atemzug ein scheinbar wahnwitziges 25-Prozent-Renditeziel und den Abbau Tausender Stellen.

Ackermann fühlt sich seinerzeit missverstanden und keilt zurück: «Das ist das einzige Land, wo diejenigen, die erfolgreich sind und Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen», schimpft er im Januar 2004 im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess.

Diese Aussage bereut er heute: «Das war aus der Verärgerung heraus gesagt, unüberlegt und sehr missverständlich.» Der Prozess um Untreue bei der Zahlung üppiger Prämien im Zusammenhang mit der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone wurde nach fast drei Jahren gegen Geldauflage eingestellt.

Teure Altlasten

In Bezug auf die hohen Kosten für Rechtsstreitigkeiten seien bei seinem Ausscheiden noch nicht absehbar gewesen, sagte Ackermann. Zudem hätten sie einer guten Zukunft nicht im Wege gestanden. 

Der amtierende Konzernchef John Cryan hatte im vergangenen Sommer moniert, die Deutsche Bank habe nach der Finanzkrise 2007/2008 später als Wettbewerber begonnen, Probleme zu beheben: «Wir wären heute in besserer Verfassung, wenn wir das, was wir in den vergangenen zwei Jahren erledigt haben, schon vor sechs oder sieben Jahren getan hätten.»

Auch Vizechef Marcus Schenck äusserte sich erst kürzlich gegenüber dem «Handelsblatt» kritisch: «Vor und während der Finanzkrise haben wir (...) einige Dinge hinter dem Rücken unserer Kunden gemacht - das war sicher kein positiver Beitrag.» Deutschlands grösstes Geldhaus kämpft seit Jahren mit teuren Altlasten und hat in den vergangenen drei Jahren Verluste gemacht.

Auf die Frage, ob diese Kritik berechtigt sei, antwortete Ackermann «Öffentlich mit dem Finger auf Vorgänger oder Nachfolger zu zeigen, ist nicht mein Stil.» Anders als die meisten Wettbewerber habe sich die Deutsche Bank ausserdem «mit einer schweren Staatsschuldenkrise im Euroraum herumschlagen» müssen.

Milliardenboni trotz Verlust

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass die Bank trotz einer halben Milliarde Euro Verlust im letzten Jahr Boni von mehr als einer Milliarde Euro an seine Investmentbanker zahlt. John Cryan, der seit drei Jahren an der Spitze des Geldhauses einen harten Sanierungskurs fährt, verteidigte die Boni-Erhöhungen als eine Art Halteprämie für Top-Verdiener. Seit 2015 hat die Deutsche Bank insgesamt Verluste von über 8,5 Milliarden Euro eingefahren.

(mlo)

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