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JP Morgan: Rekordlöhne für Verlusthändler

Achilles Macris verdiente mehr als seine Vorgesetzte. Der Trader hat einen 6,2-Milliarden-Dollar-Verlust zu verantworten.

JP Morgan steht in den USA wegen eines milliardenhohen Handelsverlustes am Pranger. Neben schlechtem Risikomanagement gelten riesige Boni für die Verantwortlichen als Auslöser. Das zeigen neue Dokumen

Veröffentlicht am 15.03.2013

Ein Untersuchungsausschuss des amerikanischen Senats macht JP Morgan Chase schwere Vorwürfe: Die Grossbank habe in ihren extrem verlustreichen Derivategeschäften im Jahr 2012 Risiken ignoriert, Anleger getäuscht, Regulierungsbehörden umgangen und Regeln verletzt.

Das heisst es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht des Untersuchungsausschusses. Ranghohe Manager der Bank seien seit Monaten über die riskanten Derivate-Wetten informiert gewesen, die letztlich zu einem Verlust von 6,2 Milliarden Dollar geführt hätten. Sie hätten aber nichts unternommen, um die Händler zu zügeln.

Eine Sprecherin von JP Morgan erklärte dazu, die Bank habe wiederholt Fehler eingeräumt. Das Management habe aber immer in gutem Glauben gehandelt und niemals die Absicht gehabt, jemanden zu täuschen.

Riesige Positionen aufgebaut

JP Morgan war lange Zeit der Musterschüler unter den amerikanischen Geldhäusern. Wegen ihrer breiten Aufstellung mit Investmentbanking, Privatkundengeschäft und Vermögensverwaltung liess die Bank die Finanzkrise relativ schnell hinter sich und erwarb sich einen Ruf als guter Risikomanager.

Doch mit dem Handelsskandal verspielte sie das Vertrauen. Händler in der Londoner Abteilung «Chief Investment Office» (CIO) hatten offenbar ohne grosse Kontrollen gigantische Handelspositionen aufbauen können.

Verantwortlicher verdiente mehr als seine Chefs

Bei mindestens einem der Mitarbeiter - Bruno Iksil mit dem Spitznamen «der Wal» - ging die Rechnung nicht auf. Pikanterweise entstanden die Verluste ausgerechnet in Derivate-Absicherungsgeschäften, die eigentlich dazu dienen sollen, Einbussen im Handel zu begrenzen.

Nun berichtet «Bloomberg», dass die drei Hauptverantwortlichen zu den bestbezahlten Angestellten im Konzern gehörten, bevor sie letztes Jahr im Juli gehen mussten. Achilles Macris, der für die Ausweitung des Derivatehandels verantwortlich war, verdiente 2011 14.5 Millionen Dollar und 2010 ungefähr 17.3 Millionen. Damit war sein Gehalt höher als das seiner Chefin Ina Drew. Diese war Chief Investment Officer und verlor ebenfalls wegen der enormen Handelsverluste ihren Job.

Stresstest nur mit Auflagen bestanden

Im Unterschied zu ihrer ehemaligen Chefin Drew können die unmittelbaren Verursacher des Verlusts nicht einmal vor den Untersuchungsausschuss des Senats gezwungen werden, weil sie ausserhalb der USA leben.

Neben den Vorwürfen des Sentatsausschusses, gab es für JP Morgan gestern auch schlechte Neuigkeiten von der US Notenbank: Die Bank bestand den neusten Stresstest nur mit Auflagen. Sie muss ihre Projektion zu erwarteten Erträgen und Gewinnen bis zum Ende des dritten Quartal erneut einreichen, weil die Fed Schwächen in der Kapitaldecke ausmachte.

(jev/se/sda)

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