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JP Morgan soll für Madoff blechen

Bernard Madoff: Der Anwalt seiner Opfer soll rund 1000 Klagen eingereicht haben (Bild: Keystone)

Für JP Morgan Chase könnte der Milliardenbetrug ihres ehemaligen Geschäftspartners Bernard Madoff teuer werden: Der Vertreter der Geschädigten verlangt von der US-Grossbank mindestens 19 Milliarden US

Veröffentlicht am 27.06.2011

«JPMorgan Chase hätte nicht nur von dem vor sich gehenden Betrug wissen sollen, sie wussten es» - mit diesen Worten hat Madoff-Opfer-Anwalt David Sheehan Forderungen an die US-Grossbank JP Morgan Chase begründet. Der Vertreter der Geschädigten des Milliardenbetrügers Bernard Madoff verlangt von dessen Hausbank nun schon mindestens 19 Milliarden US-Dollar an Schadenersatz.

Bislang hatte Treuhänder Irving Picard, für den Anwalt Sheehan arbeitet, eine Wiedergutmachung von 5,4 Milliarden Dollar verlangt. Es gebe aber neue Beweise dafür, dass «JP Morgan Chase das Schneeballsystem von Madoff erst möglich gemacht hat», sagte der Anwalt. Der Treuhänder hat deshalb seine Klage gegen die mächtige Wall-Street-Bank ausgeweitet. Neben dem Schadenersatz verlangt er weiterhin eine Milliarde Dollar an Gebühren zurück, die JPMorgan bei den Madoff-Geschäften eingestrichen habe.

«Unsere erweiterte Klage zeigt, dass sich der Betrug regelrecht vor den Augen der JP-Morgan-Banker abgespielt hat», sagte die ebenfalls eingeschaltete Anwältin Deborah Renner. Die Banker hätten sehen können, dass die eingezahlten Gelder von Madoff-Kunden nicht dafür genutzt worden seien, Wertpapiere zu kaufen, sondern dass sie direkt auf die Konten anderer Kunden geflossen seien. Auch hätten ihnen die falschen Madoff-Abrechnungen auffallen müssen. «Sie haben erlaubt, dass der Betrug weitergeht.»

JP Morgan erklärt sich für unschuldig

JP Morgan (Aktienkurs JP Morgan) wies die Vorwürfe am Wochenende wiederholt zurück. Die Bank habe weder von dem Betrug gewusst noch sei sie in irgendeiner Art und Weise in ihn verstrickt gewesen, erklärte eine Sprecherin. Selbst für den amerikanischen Branchenprimus wäre ein Schadenersatz in dieser Höhe schwer zu verdauen. Die einzuklagende Summe ist höher als der Gewinn des vergangenen Jahres von unterm Strich immerhin 17,4 Milliarden Dollar.

Nach einer Aufzählung des Finanzdienstleisters Bloomberg hat der Treuhänder rund 1000 Klagen gegen ehemalige Madoff-Geschäftspartner eingereicht, mit denen er insgesamt 90 Milliarden Dollar einsammeln will - das ist mehr als die eigentliche Schadenssumme. Gesichert hat Treuhänder Picard den Opfern bis dato etwa ein Zehntel des verlangten Geldes. Das Gros der Summe stammt aus einem Vergleich mit den Erben des verstorbenen Milliardärs und Madoff-Nutzniessers Jeffry Picower.

Madoff hatte über Jahrzehnte hinweg bei Investoren rund 20 Milliarden Dollar eingesammelt. Die vermeintlichen Profite - die Kundenkonten wiesen auf dem Papier rund 60 Milliarden Dollar aus - zahlte er mit dem Geld neuer Anleger. Es war der grösste Betrugsfall der Finanzgeschichte. Madoff wurde im Juni 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt. Einer seiner zwei Söhne konnte die Erniedrigung nicht mehr ertragen und erhängte sich im Dezember - genau zum Jahrestag, an dem der Betrug aufgeflogen war.

(tno/cms/awp)

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