1. Home
  2. Unternehmen
  3. JP Morgan täuschte wissentlich Kunden

Geständnis
JP Morgan täuschte wissentlich Kunden

Mitarbeiter der Bank haben regelmässig und wissentlich schlechte Produkte verkauft. (Bild: Keystone)

Die US-Bank JP Morgan hat offenbar systematisch Kunden über den Tisch gezogen. Die Bank gab in einem Vergleich zu, regelmässig schlechte Produkte an Investoren verkauft zu haben.

Veröffentlicht am 20.11.2013

Die US-Grossbank JP Morgan hat in dem Streit um dubiose Hypothekengeschäfte im Vorfeld der Finanzkrise 2007/2008 umfangreiches Fehlverhalten eingeräumt und sich zur Zahlung von 13 Milliarden Dollar verpflichtet. Mitarbeiter der Bank hätten regelmässig und wissentlich Produkte an Investoren verkauft, die von schlechterer Qualität gewesen seien als angegeben, teilte die US-Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. «Ohne Zweifel hat das hier aufgedeckte Verhalten dazu beigetragen, die Saat für den Kollaps an den Hypothekenmärkten zu legen», erklärte US-Justizminister Eric Holder.

Kunden werden entschädigt

Vier Milliarden Dollar aus dem Vergleich muss JP Morgan indirekt an seine Kunden weitergeben, etwa in Form von vergünstigten Krediten. Auch gegen andere US-Banken laufen ähnliche Ermittlungen. JP Morgan habe im Rahmen der Einigung eingeräumt, die Öffentlichkeit in grossem Umfang hinters Licht geführt zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Mit der Einigung sei nun die Rekordstrafe unter Dach und Fach.

Eine Einigung in dieser Grössenordnung hatte sich seit Wochen abgezeichnet. Reuters hatte schon vor Wochen berichtet, Bankchef Jamie Dimon und Justizminister Holder hätten sich im Grundsatz auf einen solchen Vergleich verständigt hatten.

Neun Milliarden in bar

JP Morgan muss für den Vergleich zwar rund 13 Milliarden Dollar - neun Milliarden Dollar in bar und vier Milliarden über indirekte Zahlungen - in die Hand nehmen. Tatsächlich wird die Vereinbarung die Bank aber wohl «nur» neun Milliarden Dollar kosten, da der übrige Betrag nach Einschätzung von Experten steuerlich absetzbar ist.

JP Morgan wurden Gesetzesverstösse beim Verkauf von Wertpapieren und Immobilienkrediten vorgeworfen, die von 2005 bis 2007 und damit aus Zeiten vor der Finanzkrise stammen. Nach dem Platzen der Preisblase am US-Immobilienmarkt wurden viele mit Hypotheken besicherten Wertpapiere weitgehend wertlos.

Im Vergleich keinerlei Gesetzesverstösse eingeräumt

Die Besitzer machten hohe Verluste. Viele Institute gerieten in finanzielle Schwierigkeiten und mussten staatlich gestützt werden. Die US-Regierung steht nicht zuletzt deshalb unter Druck, Banken für Fehlverhalten zur Rechenschaft zu ziehen. JP-Morgan-Finanzchefin Marianne Lake erklärte am Dienstagabend in einer Telefonkonferenz mit Analysten, die Bank habe in dem Vergleich keinerlei Gesetzesverstösse eingeräumt.

JP Morgan hat nach früheren Angaben 23 Milliarden Dollar zur Seite gelegt, um Kosten auch anderer Rechtsstreitigkeiten zu begleichen. Das Institut hatte zuletzt immer wieder Ärger mit Behörden und der Justiz, etwa wegen des Handelsskandals um den «Wal von London» - einen Händler, der mit Derivate-Positionen 6,2 Milliarden Dollar verspielte. Derzeit laufen noch in mindestens neun Fällen Ermittlungen der Behörden gegen die Bank.

Anleger reagierten auf die Einigung erfreut: JP Morgan-Papiere gingen mit einem Plus von 0,7 Prozent aus dem Handel, während sich der Dow Jones fast unverändert zeigte.

(reuters/tke)

Anzeige