2006 verzeichnete der EuroAirport ein Passagierwachstum von 21%. Geht es 2007 im gleichen Stil weiter?
Jürg Rämi: 20% werden wir nicht erreichen. Aber wir haben 8% budgetiert und sind jetzt bei einem Plus von 11 bis 12%.

Droht dieses Wachstum durch die neue TGV-Verbindung nach Paris abgeschwächt zu werden?
Rämi: Das Risiko besteht. Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Passagiere auf der Strecke Basel-Paris zurückgehen wird. Dies ist aber bereits in dem mit 8% budgetierten Wachstum eingerechnet.

Selbst Swiss spricht wieder positiv über den EuroAirport. Das war nicht immer so.
Rämi: Überhaupt nicht. Nach dem Swissair-Grounding strich Swiss ab Basel Strecken wie London, die sie nicht hätte streichen müssen. Der Markt für diese Verbindungen war da. Das hat sich daran gezeigt, dass sofort Airlines wie British Airways oder EasyJet die Lücken gefüllt haben.

Es gibt noch immer grosse Lücken.
Rämi: Ja. Vor allem Strecken, die Swiss früher im Programm hatte. Märkte wären etwa Irland, Skandinavien, Osteuropa, Moskau und der Süden von Italien.

Und bei den Langstrecken?
Rämi: Wir rechnen nicht damit, dass wir in den nächsten Jahren zu einem Langstrecken-Flughafen werden. Aber einzelne Destinationen wie etwa New York, Ziele in Asien oder Tel Aviv könnten realisiert werden. Da gibt es viel Potenzial.

Sprechen Sie für neue Strecken als Erstes mit der Swiss?
Rämi: Nein. Wir gehen alle Fluggesellschaften an. Da Swiss 2006 einen Marktanteil des Flugverkehrs von 5% hatte, geniesst sie weder Vor- noch Nachteile. Immerhin gibt es vier Airlines, die bei uns einen höheren Marktanteil haben als Swiss.

Anders als bei den Passagieren blieb die Zahl der Flugbewegungen mit rund 80000 konstant. Ist es damit vorbei?
Rämi. Ja. Wir rechnen mit einer Zunahme von 5 bis 6%.

Damit erhalten Fluglärmgegner Auftrieb.
Rämi: Es wird sicher mehr kritische Stimmen geben. Damit müssen wir umgehen können. Wir haben mit allen Interessen-verbänden ein gutes Einvernehmen.

Trotzdem sind Forderungen auf dem Tisch, alle Frachtflüge einzustellen oder die flexiblen Flugzeiten einzuschränken.
Rämi: Das ist korrekt. Aber die Situation hat sich noch nicht verschärft.

Sie machen sich keine Sorgen, dass nach Zürich in Basel eine Beschränkung der Flugbewegungen gefordert werden könnte?
Rämi: Ich habe keine Angst davor. Wenn eine Forderung auf dem Tisch liegt, werden wir uns damit befassen. Persönlich halte ich den Wunsch nach Plafonierungen für den falschen Weg, die Anliegen der Fluglärmkritiker umzusetzen.

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Was sind die Alternativen?
Rämi: Lenkungsabgaben, die sich nach dem Schadstoffausstoss und dem verursachten Lärm richten. Diese Massnahmen greifen. Die Malaysian Airlines etwa hat neue Flugzeuge, die weniger Lärm verursachen, für Strecken ab Basel eingesetzt.

Basel spürt keine Auswirkungen der Zürcher Plafonierungs-Initiative?
Rämi: Nein. Hingegen haben nach Einführung der Deutschen Verkehrsverordnung mehrere Airlines angefragt, ob sie am EuroAirport landen könnten, wenn sich die Maschinen in Zürich stauen. Das machen wir grundsätzlich nicht. Unser Ziel ist nicht, das Auffangbecken für Zürich zu sein. Wenn Airlines den EuroAirport anfliegen wollen, dann regelmässig.

Ist für eine Airline bei der Flughafenwahl das politische Umfeld entscheidend?
Rämi: Das politische Umfeld und die starke Opposition in Zürich sind für uns bei den Verhandlungen mit Fluggesellschaften sicher ein Vorteil. Vor allem bei Airlines, die neu die Schweiz anfliegen wollen, spielt das politische Umfeld bei der Wahl des Flughafens eine Rolle.

Mit wie vielen Airlines sind Sie im Gespräch?
Rämi: Mit 50 bis 80. Bei einigen handelt es sich um lose Kontakte, bei anderen haben sie sich - wie mit TUIfly - konkretisiert.

Mit Ryanair und Air Berlin haben Sie zwei neue Airlines gewonnen. Wie viele werden 2007 noch folgen?
Rämi: Das ist sehr schwierig abzuschätzen. Aber es wird sicher noch die eine oder andere Fluggesellschaft dazukommen.

Auch aus Asien?
Rämi: Neue Langstreckenflüge benötigen in der Regel viel Zeit, bis sie realisiert sind. Aber es gibt durchaus kurzfristige Opportunitäten. Dann etwa, wenn eine junge Fluggesellschaft rasch expandieren will.

Sie sprechen von Billig-Interkontinental-Airlines, die Basel anfliegen wollen?
Rämi: Ja. Es gibt verschiedene Fluggesellschaften, die zurzeit in Asien entstehen und ein Netzwerk auf Low-Cost-Basis hier in Europa aufbauen wollen. Der EuroAirport bietet hier ideale Voraussetzungen.

Sie planen einen Billig-Hub?
Rämi: Zu sagen, wir hätten einen konkreten Plan, ist übertrieben. Aber wir haben entsprechende Signale und Anfragen von Airlines erhalten. Als Drehkreuz für Low-Cost-Gesellschaften würden wir eine einzigartige Position erlangen. Die Kunden könnten nach einem Discount-Langstreckenflug ein Ticket für einen Weiterflug in Europa mit einer der ansässigen Low-Cost-Gesellschaften buchen.

Ein komplettes Low-Cost-Angebot?
Rämi: Ja. Das Flugangebot liesse sich mit Budget-Hotels und Autovermietern beliebig erweitern. Wir denken bereits intensiv über ein eigenes Flughafenhotel für die Low-Cost-Kunden nach.

Zürich und Genf haben einen direkten Bahnanschluss, Basel nicht.
Rämi: Das ist ein Problem und bremst unser Wachstum. Deshalb stellen wir klar die Forderung an die Regierungen der Schweiz und Frankreichs, rasch möglichst die entsprechende Infrastruktur zu erstellen.

Rasch dürfte es kaum gehen.
Rämi: Leider nicht. In der Schweiz wie in Frankreich gibt es ein Seilziehen um die Bahninvestitionen. Da haben es Projekte wie unseres mit einem Volumen von 100 bis 200 Mio Euro schwer. Ich befürchte deshalb, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis wir einen Bahnanschluss haben.

Rechnen Sie in den nächsten Jahren noch mit einen TGV-Anschluss?
Rämi: Mittelfristig nein. Wir sind deshalb dabei, das Projekt abzuspecken. Dabei geht es nicht mehr um einen herkömmlichen Bahnhof, sondern um überdeckte Perrons direkt am Terminal. Auch diese Version würde über 100 Mio Euro kosten.