Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen hat vor den Folgen einer zu lange währenden Niedrigzinsphase gewarnt. Die Geldpolitik solle derzeit Wachstum schaffen und Finanzierungslasten der Staaten mildern, sagte Fitschen auf einer Veranstaltung der «Süddeutschen Zeitung» in Berlin.

Er habe Verständnis für diese Medizin. Doch sie sei nicht gesund. «Jeder, der glaubt, dass er mit einer fortgesetzten Periode des billigen Geldes Probleme löst, dem ist nicht zu helfen», sagte Fitschen. Europa habe nur Zeit gewonnen. Die EZB habe ihr Pulver zudem weitgehend verschossen.

Asmussen widerspricht

Dem widersprach EZB-Direktor Jörg Asmussen auf derselben Veranstaltung. Die Zentralbank habe durchaus noch Möglichkeiten, etwa bei den Zinsen. Zudem gebe es noch unkonventionelle Massnahmen, die man bei Bedarf ergreifen könne. Doch sei es unklug, in Aktivismus zu verfallen: «Es ist nicht sinnvoll, jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf zu treiben.» Die EZB dürfe nicht den Eindruck erwecken, sie sehe die Wirtschaftslage schlechter als tatsächlich von ihr eingeschätzt.

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Die EZB hatte Anfang des Monats ihren Leitzins überraschend auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters stimmte gut ein Viertel der Ratsmitglieder gegen den von EZB-Präsident Mario Draghi und Chefökonom Peter Praet geforderten Beschluss - darunter auch Bundesbankchef Jens Weidmann. 

(reuters/muv)