Das Jugendfernsehen Joiz hat in der Schweiz seine Bilanzen deponiert und macht dicht. Und obwohl SP-Nationalrat Cédric Wermuth sich mit einem parlamentarischen Vorstoss für den Erhalt des Senders einsetzen will, war es das für den Privatsender wohl.

Als der Entscheid für das Aus fiel, hiess es, die gleichenamige deutsche Tochter würde weitergeführt. Jetzt zeigt sich: Auch dort geht es drunter und drüber. Joiz Schweiz hielt 80 Prozent der Anteile an Joiz Germany GmbH. Der Schweizer Konkurs schien für den deutschen Ableger zunächst glimpflich auszugehen: Innert Kürze machte die Meldung die Runde, das Unternehmen werde von einer Venture Capital-Firma aus San Francisco übernommen.

London statt San Francisco

Doch das war eine Falschmeldung, wie nun das Branchenmagazin DWDL.de meldet.  Der eigentliche Käufer ist die Londoner Immobilienfirma Small World Apartment Services, die von Holger Jackisch geführt wird. Er hat über einen Geschäftspartner Kontakte in die Berliner Immobilienszene. Dieser Berliner Immobilienunternehmer hat ein Flair für Investments in historische Gebäude und deren Umnutzung und ist, wie es der Zufall will, der bisherige Vermieter der Joiz Germany.

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Nach eigenen Angaben plant Jackisch, in einem ehemaligen DDR-Funkhaus in Berlin-Oberschöneweide «das grösste Musikzentrum der Welt» aufzubauen, wie er der «Berliner Zeitung» sagte. Für dieses Unterfangen wäre die Expertise von Joiz sicher hilfreich – und da schlösse sich der Link der Übernahme. Einzig: Die Branchenbeobachter von DWDL bezweifel die Ernsthaftigkeit des Unterfangens. Ihnen zufolge ist es möglich, dass ein Weiterführen von Joiz als Jugendsender überhaupt nicht vorgesehen ist. Darauf weist das Chaos beim Jugendsender hin. Der bisherigen Geschäftsführerin, Britta Schewe, wurde offenbar gekündigt. Ein Teil der Mitarbeiter musste bereits gehen und auch Möbel wurden schon weggetragen.

Zuversicht tönt anders

Weder Joiz noch der Berliner Immobilienunternehmer waren für eine Stellungnahme gegenüber dem Medienmagazin zu erreichen. Auch vom britischen Käufer ist nichts weiter bekannt. Das Impressum und die «About Us»-Sektion der Webseite sind wegen Überarbeitung gesperrt.

Einzig die Mediengruppe DuMont, die die übrigen 20 Prozent von Joiz Germany besitzt, gibt Auskunft. Sie würden es bedauern, wenn Joiz nicht fortgeführt würde, heisst es. Zuversicht tönt anders.

(jfr/me)